Nation.
Nationalbildung.
139
seitige Pflege und Mehrung. Wie dabei gerechnet ist auf jeden einzelnen, so ganzbesonders in der Kindheit und Jugendzeit auf der Familie stilles aber mächtigesMitwirken in allen Ständen, sonderlich durch des weiblichen Geschlechtes stillnährendes oder abwehrcndes oder anfbauendeS Zuthnn (vgl. den Art. Mädchcncrziehung);in allerbcstimmtester Weise aber nachmals in steigendem Fortschreiten auf den Dienstder Schulen.
i Die Schulen sind die Organe, durch welche die staatlich geordnete Nation dasInteresse ihrer Bildung nach allen Stufen und Seiten hin wargenommen sehen will.Sie dürfen allcsammt zu keiner Bildung Veranlassung geben, welche antinational ist,'sondern sie haben für ihr Bestehen nur Sinn und Recht, wenn sie zur Förderung deSin der Nation pulsirenden eigenthümlichen Lebens wohlgeeignete Organe sind. EinGymnasium und eine Realschule haben nicht weniger die Aufgabe, Anstalten zurBildung der nationalen Seiten im Leben ihrer Zöglinge zu sein als die Volksschulen.Eine romanisirende Jesuitcnschule wie eine französirende Anstalt für die sogenannteNoblesse ist in Deutschland ein die Nation schändendes und ihr widersprechendes'Institut. — Die Schule ist in den L-taaten der civilisirten Welt ein Organ geworden,-durch das, so die Betheiligten wollen, aus der Erziehung in nationalem Sinne einErnst gemacht werden kann. Je mehr eine Nation durch centralisirende Einrichtungenregiert ist, um so entschiedener wird sie nach einerlei Form und Weise durch die Schuleangefaßt und behandelt werden, aber sie wird auch in die Gefahr gerathcn können,einförmig und obsolet zu werden; ja wenn die Regierung eines Staates sich anti-national organisircn sollte, so würde auch durch die Schule das Fremde oder Feind-liche, welchem die Regierung huldigt, in die Nation eingcflößt oder gedrängt werdenkönnen; entweder Kastenmäßiges oder Ascetisches oder Technisches oder Idealistisches.Anders in denjenigen Nationen, in welchen das nationale Leben die Centralisation,abweist und dennoch den nationalen Schwer- und Einheitspunct festhält, wie solcheschei den Engländern der Fall ist.
Hier stehen wir an den wichtigen Fragen: wodur ch und w i e wird der SchuleWirksamkeit nationalbildend? (Vgl. den Artikel: Methode.) Was die Beantwortung,der ersten Frage anlangt, so dürfen wir uns nicht verbergen, wie alle SchulgattungenUnterrichtsgegenstände haben, denen ein nationales Element nicht wesentlich einwohnt.!Selbst der religiöse Inhalt als solcher ist nicht von direct und vollständig nationaler sBedeutung, sondern eben von der, daß der Jude nicht mehr Jude und der Grieche nicht -mehr Grieche ist, sondern des Herrn. Jede Schule muß aber auch ihren nationalen -Stoff haben und dieser muß um so größer und mächtiger werden, je höher die Auf-gabe der Schule ist. Die Sprache, in ihrer vollen ganzen Verwirklichung desGeistes deutscher Nation, ist das allererste und allcrvollkommenste Bildungsmittel fürnationalen Sinn und seine Weise. Nach der Art und dem Grade, als einer seinerdeutschen Geistesgenossen Wort, Rede, Werke zu lieben, zu verstehen, zu würdigen'und zu nutzen weiß, werden wir ihn für national gebildet ansehen dürfen. — ZurSprache gehört das Lied, das geistliche und das weltliche. Wer es kennt,weiß, welche Vcrjüngungskräfte aus diesem wunderbaren Quell immer wieder in diesich erneuenden Generationen aus der Vorzeit treten. — Das letzte ist Geschichteund Vaterlandskunde; Geschichte und Kunde des Vaterlandes in Wort und Bild; Ge-schichte in den Farben des Lebens und in den Zügen der Wahrheit; Kenntnis desLandes in allen seinen Theilen auf eine für das Gcmüth Frucht ergebende Art.Hierzu treten dann die Leibesübungen, die in nationalem Sinne betrieben werdenkönnen. — Und das alles muß die Schule in rechter Weise thun! Nämlich inrichtiger Lehrweisheit mit Rücksicht auf Auswahl und Maß. Was in der einfachstenVolksschule an Sprachbildung, Sangeskraft und geschichtlichem Wissen genügen kannund muß, das darf und kann nicht genügen in den gehobenen Schulen derselbenGattung, noch viel weniger auf höheren Stufen. Durch alle Schulen hindurch mußan gewißer nationaler Lehrgehalt wie der des Christenthums als dasjenige vorhandenIM, das der gemeinsame Bildungsgrund wird; selbst die Mädchenschulen aller Gesellschafts-schichten haben den ihnen zuständigen Antheil von diesem Lehrgute der Nation zu er-werben. — Die richtige Lehrweisheit will das, was sie thut, mit Ernst thun; ganzund nicht halb; nicht gelegentlich, sondern geflissentlich; mit aller Strenge und Ein-