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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Nation.

Nationalbildung.

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so unähnlich erscheinen, im Alter, wenn ihre Wangen einfachen, gleichen sie einanderdurch die Bank." Rede auf Wilhelm Grimm, Berlin 1863.

Die neuere Zeit hat durch Grenzverlegungen und Verwirrungen, durch Ver-kehrserleichterungen, durch erweiterte Bildungsveranstaltungen auf jene aus gemein-samer Herkunft und Erlebnis sich ergebenden Grundübereinstimmungen, welche eineNation bedingen, minder Gewicht legen, vielmehr die aus den Staatsvcrbänden sichergebenden Vereinigungen für so erheblich ansehen wollen, um sie an der Stelle vonNationalem betrachten zu können. Aber Blut ist kein Wasser, das allerhand Ver-mischungen eingeht, sondernein sehr eigener Saft". Stamm- ja Nest-Verwandtschaftin dieses Geblütes geheimnisvoller Eigenheit bleibt von größter Bedeutung für dasZustandekommen des Nationalen und führt zur Gemeinschaft gleicher Ahnungen, Be-strebungen, Erinnerungen, durch gemeinsames Erleben, Erleiden und Unternehmen,d. i. durch gemeinsame Geschichte, zum Verständnis in allen Kundgebungen und An-schauungen, zur Gleichheit in Neigungen und Abneigungen. Gleiches Gesetz und ge-meinsame Regierung können klug, straff und lange gehandhabt verschiedene Nationenzu einem großen Volke vereinen, wie das gegenwärtige französische Volk; was aberzu einer Nation im eigentlichen Sinne gehört, weiß sich aus einander gewachsen unddurch die gemeinsame öage oft sehr dringlich auf einander gewiesen. So sind Juden,Griechen, Deutsche, Slaven, Skandinaven und andere «Stämme Nationen. MancheStämme einzelner großen Nationen können durch Volkszahl und Ausprägung vonEigenthümlichem solche Bedeutung erlangen, daß sie bis zum Range einer besonderenNationalität hcranreichen, wie z. B. manche große Stämme in der deutschen Nation,der preußische, sächsische, schwäbische u. s. w. Je weiter die Lebensringe der Urfamiliein der Gestalt der Nation werden, in um so zarteren Schwingen umziehen die ge-meinsamen Nationalmerkmale die nachgeborenen und sich von dem Ursprünge entfernendenGeschlechter; bald aber gelangen sie wieder in die Tendenz, den älteren nachzutrachten,sie wieder darznstellcn und harmonisch in der Nation aufzugehen. Die Nation fühltsich wiedergeboren und erneuet durch den unaufhörlichen Zuwuchs aus den Familien;die Familien aber erfrischt, gestärkt, gesichert, veredelt durch das Aufgenommensein indie Nation und durch das Getragensein von einem größeren Ganzen; es besteht eingegenseitiges Bedürfen, Verstehen, Haben, ohne daß doch die eine mit der anderneine geometrische Aehnlichkeit hätte. In der Nation sind Lebenselcmente zur Erschei-nung, zum Bestände, zu Kraft und Geltung gekommen, welche gewiß in der Familielagen, aber unfaßbar, keimhaft; in der Nation dagegen erscheinen Gefühle, Bedürfnisse,Bestrebungen bereits erloschen, die in der Familie in voller Kraft lebten und mit vollemRechte gewahrt wurden, aber ersetzt durch Höheres, Bedeutenderes, Mannigfaltigeres,Reicheres, als was Einfachheit und Einförmigkeit des Familienlebens hätte schaffenkönnen. Es ist das Geheimnis des Jneinanderseins von Besonderem im Allgemeinen,von Niederem im Höheren, vom Gliede in seinem Organismus, Summa: von derllnerschöpflichkeit des sich immer wieder gebärenden Lebens.

So ist die Nation die aus der naturgemäß erfolgenden Entwicklung sich bildendeFamilien-Erwcitcrung oder Verbreiterung in all die Mannigfaltigkeit von Formationenhin, welche sich auf den verschiedenen Entwicklungsstufen einer sich ausdehnenden Ge-meinschaft ergeben. Die Nation, als solche, ist weit entfernt, Staat zu sein. DerStaat macht nicht die Nation, allenfalls macht er ein Volk. Der Staat bedarfaber der Nation als seines Materiales für seine die große mannigfaltige natürlicheLebensgemeinschaft ordnenden und versittlichenden Gestaltungen. Und umgekehrt gehörtes gewiß zur vollen Naturgemäßheit einer nationalen Entwicklung, wenn eine Nationzu solcher Vollkraft gelangt, daß sie sich zur staatlichen Eigenthümlichkeit organischerheben und alsdann sich selbst gehören kann. In dem selbständig entwickeltenStaate erhält ein Nationalleben seine Vollendung.

Welche Beziehungen zum Staate eine Nation auch immer hat, so erwächst ihrunter Mitwirkung der politisch nächsten und allerhand anderer natürlicher und ge-schichtlicher Umstände, wie unter dem Einflüsse hervorragender Persönlichkeiten, Familien,Geschlechter re. eine eigenthümliche Gleichartigkeit von Anschauungen, Neigungen undAbneigungen, von Ueberliefernngen, Sitten, Bräuchen, Trachten, Tugenden, Fehlern,welche die innerliche Aehnlichkeit begründen, wie Körperbau, Färbung von Haut und