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Nachahmung.
Nation.
Ein Gebiet der Nachahmung haben wir absichtlich oben noch nicht berührt, weiles nicht dem Kindesaltcr eigentlich angehört — die Mode. Von ihr war schon inden: Art. Madchenerziehnng die Rede; da sie jedoch in viel weiterem Umfang ihndespotische Macht ausübt, so wird hier noch ein Wort über diesen Gegenstand zu sagensein. Es kann sich der Einzelne diesem Nebel freilich nicht entgegenstemmen; würdeer dies thun, so käme gerade hiedurch zu Tage, daß er auf etwas an sich gleichgültigeseinen allzuhohen Werth lege; cs wäre abermals eine Eitelkeit, die sich darin verriethe,wogegen der Vernünftige sich hütet, irgend welche Aufmerksamkeit zu erregen, die seinerKleidung gilt. Dies letztere ist oft gerade der Grund, warum Knaben in einemgewitzen Alter sich gegen einen neuen und neumodischen Anzug sträuben. Allein derErzieher wird darauf hinarbeiten, daß der Zögling nicht meint, alles neue in diesemFach nachahmcn zu mützcn; er wird ihm den Grundsatz bcibringen, niemals der Erstesein zu wollen, der einer neuen Mode huldigt, und wenn sic allgemein geworden ist,also eben das Zurückbleiben anffallcn würde, dann wenigstens jedes Uebcrmatz undalles unvernünftige, alles unschöne zu meiden, wodurch hernach auch die Uebergängevon einer allmählich verschwindenden Mode zur neuen unmerklicher werden.
Nachhiilfecnrse , s. Lchrcursc.
Nachsicht, s. Erzieher.
Nachsilben, s. Sch ulst rasen.
Näaeli, s. Gesang.
Nahrung, s. Körperliche Erziehung, vgl. Abneigung.
Nation. Nationalbildung. Natronalerziehnng. Nationalität. Es ist
wie sprachlich so sachlich gewiß, daß nicht jede, wenn auch noch so zahlreiche An-sammlung von Menschen, die sich ans einem und demselben Landstriche zusamme»-stndet, aufstauet und schichtet, eine Nation zu nennen sei: sondern daß, um vmdieser Bezeichnung getroffen zu sein, ihr die Ahnung, der Glaube oder das Merkmaleiner gemeinsamen Abstammung und einer unvermischten Fort- und Weiter-pflanzung ausgeprägt sein müße?) Wiedas Geschwisterverhältnis untereinanderzum Zustandekommen der Nation von wesentlichster Mitbedeutung werde, hat I. Grimmin Nachstehendem aufs deutlichste uird ansprechendste dargethan: „Mir erscheint, dasder edle, die Menschheit festigende und bestätigende Hintergrund der Einstimmung undAehnlichkeit seine größte Kraft hat zwischen Geschwistern, stärker sogar als zwischenEltern und Kindern. Nicht die Descendentcn, erst die Collateralcn sind es, die eine»Stamm gründen, nicht aus Sohnschaft sowohl als auf Bruderschaft beruht ein Volkin seiner Breite. Ich laufe Gefahr, mich in eine politische Anwendung zu verlierenund null lieber den einfachen Grund angeben, warum Brüder sich besser verstehe»und erkennen als Vater und Sohn. Eltern und Kinder leben nur ein halbes Lebe»mit einander, Geschwister ein ganzes. Niemand weiß folglich besseren Bescheid z»geben als vom Bruder der Bruder und diesem natürlichen Verhalt hinzu tritt noch ei»sittlicher. Der Vater, vom Sohne redend, wird sich seiner Gewalt über ihn stetsbewußt bleiben, der Sohn, Zeugnis vom Vater ablegend, der gewohnten Ehrfurchtnie vergessen. Geschwister aber stehen untereinander, ihrer wechselseitigen Liebe zumTrotz, frei und unabhängig, so daß ihr Urtheil kein Blatt vor den Mund nimmt.Und dazu nun die leibliche Geschwister-Aehnlichkeit, also insgeheim auch die geistige,dem Vater gleicht der Sohn nur mehr oder weniger als halb, weil er auch Mutter-züge in sich aufnimmt, hingegen Brüder theilen sich in des Vaters und der MutterGesicht und besitzen von jedem irgend etwas; laßt Brüder sich in der Kindheit noch
*) Aus dem geläufigen und schönen deutschen Worte Volk ist dieses Merkmal nicht mitDeutlichkeit zu ersehen, und aus diesem Grunde ist das aus der Frenide stammende Wortnützlicher, weil zutreffender, als das heimische. Es ist daher nicht überallhin schlagend, M-Jahn S. 7 im „Deutschen Volksthum, Leipzig 1817" sagt: „Daß Bequemlichkeitssucht ihnZuflucht auch in diesem Puncte zur Ausländerei rc. genommen." — Der Ausdruck Volk entlehnt !seine Bedeutung aus dem Zweck, der für eine zu einem Unternehmen, Zuge rc. vereinigte :Gemeinschaft vorhanden ist: der Ausdruck natio aus dem Grunde, der für eine solche fZusammengehörigkeit vorhanden ist. Daher ist der Ausdruck Nation für uns Deutsche ei»unentbehrlicher.