Nachahmung.
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? jenigen Spielen, die von Fröbcl systeinatisirt worden sind, ergctzt sich das Kind cbcn-
- falls einerseits an dem Gedanken, für eine Welle z. B. ein Müller oder gar dessen Rad zusein, andererseits aber macht ihm gerade der Kontrast zwischen dein Nachbild und demUrbild Spaß; man könnte dies mit dem Vergnügen vergleichen, das uns eine gute
^Carricatur gewährt. Ein ganz anderer Ernst ist es aber, wenn der Knabe seine'Kameraden zu einem Bataillon formirt und als Kommandant an ihrer Spitze schreitet;da dünkt er sich ein Mann zu sein, und die bloße Bewegung und Kraftübung, diedem Körper Bedürfnis ist, gewinnt dadurch einen höheren poetischen Charakter.
Hieher gehört noch Folgendes:
1. Aufgeweckte Kinder haben ein scharfes Auge, um an den Personen, an derenAnblick sie nicht von der Wiege auf gewöhnt sind, jede Eigenheit der Stimme, derGeberde u. s. w. warzunehmen und sofort zu ihrem eigenen und zu anderer Ver-gnügen nachzuahmen.. Dieses Nachahmen hat darum einen so starken Reiz, weil sichdamit die Jugend einigermaßen schadlos hält für den Zwang, den ihr die Auctoritäteines Lehrers, Predigers u. s. w. auferlegt; man muß das als eine Art Jägerrechtpassiren lassen. Besser ist es freilich, wenn ein Mann in solcher Stellung keine Eigen-heiten dieser Art an sich hat, und jeder thut wohl, sich auch in dieser Beziehungselber zu beobachten, wie wir auch unseren Frauen es danken sollten, wenn sie unszeitig aus dergleichen aufmerksam machen. Nimmt aber dieses Nachahmen den Charakterder Verhöhnung an, dann muß selbstverständlich jedes Mittel angewendet werden, um
- wenigstens die äußere Ehrerbietung zu erzwingen; damit wird auch der inneren wiederjeher Raum gemacht.
2. Es giebt aber weiter eine Neigung zur Nachahmung, womit es dem Kindevollkommener Ernst ist. Wie z. B. der neue Pfarrer das Evangelium liest, das Vater
E Unser betet, das kann einem jungen Ohr so neu sein und so wohl gefallen, daß sofortebenso gelesen und gebetet wird. Was in diesem Fall zur Nachahmung reizt, ist, ibeils das Charakteristische, Originale schon als solches, theils der Fortschritt über das' Gewohnte hinaus, den der Knabe zu thun glaubt. Wofern solch eine NachahmungL nicht zur Thorheit wird, indem z. B. eine gute Handschrift dadurch verdorben oder ein(übler Kanzelton angenommen wird, kann man die Liebhaberei gewähren lassen; der( selbständige Geist wird sich zu rechter Zeit schon wieder herausarbeiten. Weniger zu
- hoffen ist dies letztere in dem Fall, wenn in höheren Lehranstalten ein Schüler sich( zum Lehrer in solche Abhängigkeit versetzt, daß er dessen Ansichten und namentlich dieL Terminologie desselben unbedingt sich aneignet. Deshalb stehen Männer, wie Schleier-s macher, als Lehrer so hoch, weil sie keine Schule stiften wollten; von solchen Führern( gehen wohl Träger ihres Geistes, nicht aber ihres Costümes aus.
3. Endlich aber giebt es Dinge, in Bezug auf welche die Nachahmung geradezu(gefordert werden muß. Das Zeichnen, ja schon die Elemente des Schreibens lernt(jeder nur durch's Copiren von Vorlagen.- Auch in der Muttersprache wird eine gute( Tiction nur dadurch erreicht, daß sich der Schüler (und wie oft noch der Mann!)( beim Lesen die ausdrucksvollen Redeweisen merkt und am rechten Orte zur Verwendung
bringe. — Insoweit aber die Nachahmung sich auf sittliche Vorbilder beziehen soll,(ist darüber in dem Art. „Beispiel" bereits das Nöthige gesagt, womit noch Grube's( Abhandlung „Von der Macht des Beispiels" (in seinen pädagogischen Skizzen, Leipz. 1885)
- zu vergleichen ist. Wir haben nur weniges beizusügen. Grube sagt, man habe in( einer Familie gewonnenes Spiel, wenn unter mehreren Geschwistern das älteste wohl-(gerathen sei. So allgemein dürfte dieser Satz doch kaum der Erfahrung entsprechen,i Nicht wohlgethan ist es, wenn Eltern oder Lehrer eines der Kinder wiederholt oder
permanent den andern als Muster zur Nachahmung vorstellen; denn die Wirkungbleibt nicht aus, daß dieser Tugendspiegel Gegenstand des Hasses der andern wird,oder daß sie es doch auf jede Weise drauf anlcgen, auch an ihm Flecken zu entdecken,durch welche jene Nachahmun^swürdigkeit sinken würde. — Daß in Schulen und'so viel gewonnen ist, wenn eine Anzahl von Zöglingen allen übrigen zum
z Vorbild dient, sei hier nur berührt; denn wenn diese wirklich einen erfreulichen Einflußzaus die übrigen ausüben, so ist es in diesem Fall doch nicht der Nachahmungstrieb,auf den jene Vorbilder wirken, es ist vielmehr der von diesen hervorqerufene oder be-herrschte Classengeist. > - v !