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2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
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Muttersprache.

Die Frage ist, in welches Verhältnis die Methode, eine fremde Sprache nebender Muttersprache zu lernen, sich zu dieser setze, ob durch sie nicht der MutterspracheGewalt angethan werde oder Eintrag geschehe, oder ob einer am Ende zwei Muttensprachen haben könne. Die wissenschaftlichen Pädagogen sind darüber einig, sie ver-werfen das Zugleichlernen mehrerer Sprachen im Kindcsalter wohl alle, und haben >ihre grrtcn Gründe dazu, wie man ans unserer ganzen Untersuchung sich leicht denkenkann. Gleichwohl müssen die Hofmeister sich öfters darein finden, Zöglinge zu über-nehmen , die von Kindesbeinen an zwei oder gar drei Sprachen sprechen. Wenn in»,die Sprache wirklich dein Gcmüthslebcn einen bestimmten nationalen Typus aufprägi, -wenn sic der Auffassung des gesummten Lebens sowohl nach der religiösen und sitt- jlichen Seite als nach der ästhetischen und geselligen eine eigcnthümliche Richtung undFärbung giebt, die mit ihr und durch sie in das Geniüth eingeht, so erscheint cs durch-aus nicht als gleichgültig, ob das Gemüthsleben des Kindes zuerst in einer einzige»,der Muttersprache, vollkommen seine Heimat haben soll, oder ob man es in zwei ver-schiedene Formen pressen zu wollen sich unterfangen dürfe. Die Gefahr scheint offenbarnahe zu liegen, daß im letzteren Fall theils «Schwankungen in der Begriffsfassung,thcils Zwitterbildungen der Gefühlsweise eintreten werden und die Consolidirung disCharakters erschwert wird. Der Erwachsene, wenn er einer fremden Sprache sichbedient, fühlt es ja recht deutlich, daß die Türken Recht haben, wenn sie sagen, wireine neue Sprache spreche, der bekomme eine zweite Seele. Man wird ein anderer,denn wenn man von dem, was man in sich hat, etwas in fremder Zunge giebt, erWes reicht bloß ein neues Gewand, sondern es erleidet eine sehr wesentliche innere Ber-ändcrung. Ohne eine Veränderung im ganzen Gepräge der Gefühle ist es unmöglich, ^beim Gebrauche einer fremden Sprache sich leicht zu bewegen, sobald man über dasAlltägliche, über die Scheidemünze hinaus geht. Darauf beruht hauptsächlich di>S .Lästige und Störende der Nöthigung, sich einer fremden Sprache zu bedienen, mbebenso die allgemein anerkannte Schwierigkeit des raschen Ucbergangs aus einer Sprach! iin die andere.

Wenn nun Erwachsene solche Schwierigkeiten finden, wie soll man dem kind-lichen Geiste solches zumuthen? so sagen die Gegner. Von der unleugbaren Thai-sache ausgehend, daß ein Kind die charakteristischen, unbeschreibbaren Eigenheiten dirAnssprache eines fremden Idioms überraschend richtig anffaßt und nachahmt, was dmErwachsener: wirklich nur in seltenen Ausnahmen vollkommen gelingt, wagen wir es,die schroffen Urtheile der Theorie n priori nicht ohne weiteres zu adoptiren. Wennman die Sache betrachtet, wie sie sich in der Wirklichkeit gestaltet, so muß vor alleingelten, daß Eine Sprache die Muttersprache bleibt; auch ein Kind kann nicht zwHerren dienen: nur einen wird es lieben. Die zweite Sprache lernt ein Kind Wehlhandhaben, um mit Personen, welche ihm zur Seite gestellt werden und seine Mutta- ,spräche nicht verstehen, zu verkehren: es hat alsbald bemerkt, daß es ihnen gegenüber fseine lebendige Muttersprache nicht brauchen kann, und spricht daher in derselben Imit den Fremden, horcht aber auf ihre Rede mit scharfem Ohr, und spricht bald niii jschmiegsamer Zunge nach, was sie sagen und wie sie die Dinge nennen. Dieses Tech-nische des Sprechens ist eine wesentliche Errungenschaft,, später viel schwerer zu er-langen, und darum für die, welche dazu Veranlassung und Gelegenheit haben, wirklichvon Werth. Im übrigen ist der Gewinn so bedeutend nicht, es bleibt wohl meist«und lange ein Parliren in gemünzten Redensarten. Eben darum weigern sich auchsolche Kinder gewöhnlich längere Zeit hindurch, mit andern Leuten als mit dem Fremdenin der Adventivsprache zu convcrsiren, sie fühlen, was nur Verbildete nicht fühlen, daßcs unnatürlich ist, wenn Deutsche mit einander französisch reden. Es ist auch schbemerkenswert^, daß wenn die Eltern von verschiedener Nationalität sind, die Kindazwar beide Sprachen verstehen lernen, aber nur eine sprechen wollen; und dieselbe i»der Regel auch nur mit dem Theil sprechen, welcher dieselbe allein versteht. Tiefremde Sprache bleibt dem Kinde eine fremde, und soll es sein: erst viel später, durchLectüre und weitere selbstbewußte Uebung vermittelt, treten die Erfolge, welche durchdie frühe Gewöhnung angebahnt sind, bedeutender hervor, aber dies ist dann ein durchStudium vermittelter Gewinn. Nach unfern in der Einleitung dargelegten An-schauungen ist es recht wohl denkbar, daß die Kinderscele schon früh einen sichern Boden