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2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
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Muttersprache.

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in der unmittelbar, naiv und ohne alle Kritik gewonnenen und Wurzeln treibendenMuttersprache besitzt; neben ihr hat das reiche, rege Kindergcmüth auch einen Platzübrig für eine andere, namentlich wenn dieselbe eine seitwärts stehende, nur durch ihrefremdartigen Klänge, noch nicht durch ihren Sondergcist wirkende Spielpnppe ist, oderauch ein Nothbchelf, um sich mit einer fremdsprechendcn Persönlichkeit in Rapport;u setzen. Mehr geben die hiezu dienenden Sprachbonncn u. dergl. auch wirklich's meistens nicht. Wer hat nicht auch schon beobachtet, wie Kinder unter sich eine Gc-1 Heimsprache sich machen durch Einschieben und Versetzen von Buchstaben und Silben' oder ähnliche Kunststücke, und wie sie dieselbe mit erstaunlicher Fertigkeit brauchens. lernen? Es ist dies eine interessante psychologische Erscheinung, welche wiederum auf^ die Freude am technischen Znngcngebrauch, an der Gymnastik mit der Zunge hin-z deutet. Ferner ist bekannt, daß norddeutsche Kinder ganz gewöhnlich neben dem Platt-deutsch des Kindermädchens auch das Hochdeutsch Per Gebildeten sprechen lernen. DasZ ist allerdings beidemal Deutsch, aber doch zumal für Kindcrohr und Kinderfilm einZ recht verschiedenes Deutsch. Schadet nun eines dem andern? Wenn von WaizH entgegnet wird, das Gedächtnis der Kinder werde durch das Erlernen einer fremdenZ Sprache unverhältnismäßig überladen, so ist das gewiß kein triftiger Gcgcngrund. IstEdcnn gerade diese Art des Lernens ein Auswendiglernen? Es ist das eine Verwechs-elung mit dem schulmäßigen Erlernen einer Sprache, aus einem Buche und mit Auf-Z gaben. Weit schwerer fällt allerdings die Auctorität von K. L. Roth ins Gewicht,der sich mit großer Entschiedenheit und Eindringlichkeit in einer an die Eltern gerichtetenAndeutung einiger Umstände, welche das Gedeihen des Schulunterrichts bei Knabeni aus höhcrn Ständen zu erschweren scheinen," ausgesprochen hat. Es heißt darin inAPcziehung auf unsere Frage unter anderem:Ein sehr bedeutendes Hindernis liegtgbei vielen Kindern höherer Stände in der Nöthigung, statt der Muttersprache, zuderen Gebrauch die Organe des Denkens und Sprechens im Kinde prästabilirt sind,.entweder zuerst französisch, oder dieses zugleich mit dem Deutschen zu sprechen. Beiden meisten Knaben, welchen in der frühesten Kindheit die Muttersprache vorenthaltcnstdcr verkürzt worden ist, treten in der Schule die Folgen dieses Verweigerns der' deutschen Laute hervor. Die Kraft solcher Kinder ist für das Erlernen irgend einer^Sprache in wissenschaftlicher Gestalt, meist auch für den rechten Gebrauch der Mutter-sprache, wenigstens für die Wahl und den Zufluß des guten und treffenden AusdrucksH hälftig abgestumpft. Die unvermeidliche Trockenheit der Grammatik stößt solche KinderHab. Die Unstetigkeit in den Anschauungen und Vorstellungen dauert oft weit überIdie ersten Schuljahre hinaus, ja sie läßt bei den einen und andern gar nichts wissen-schaftliches haften." So der bewährte, berühmte alte Schulmann. Er hat unstreitigdarin vollkommen Recht, daß keinem deutschen Kinde beim Erwachen seines Bewußt-' 1'eins seine deutsche Muttersprache vorenthalten werden darf. Ist er aber nicht in der'-von uns bereits bekämpften Ansicht befangen, daß die Deutschen für ihre Sprache-präformirte Sprcch- und Dcnkwerkzeuge besitzen? Und fermer, sind nicht die gerügtenIlebelstände und Schwächen auch bei vielen Knaben zu finden, welche nur ihre Mutter-sprache gelernt haben? Sollten also jene Uebel nicht vielmehr zum guten Thcilwenigstens von ganz andern Ursachen herrühren, welche bei vornehmen, "verwöhntenund verdorbenen Kindern obwalten, neben und außerhalb des bischen Französisch?-Die Erfahrungen, welche einzelne Pädagogen gemacht haben, stimmen nicht ganz'überein; Beispiele von der augenscheinlichen Unschädlichkeit würden sich wohl ebensogut. «»führen lassen, als jene abschreckenden Exempel: freilich werden jene von den Gegnern-. jals Ausnahmen bezeichnet, es seien einzelne starke Naturen, die den gewagten Versuch- -ohne Schaden überstehen. Sicherlich aber haben die verschiedenen Nationalitäten und^Individuen ein sehr verschieden entwickeltes Vermögen der Perccption und Conception:..üstem einen ist's gesund, der andere stirbt dran" ist ein alter Spruch.

Ueberhaupt aber darf die Aufgabe, eine fremde Sprache so rein und vollkommenu sprechen, daß ein Ausländer, dessen Muttersprache sie ist, einen Landsmann zu, ercn glaubt, gar nicht so allgemein gestellt werden. Diese Pcrfection der Aussprache>t nun aber wohl der wesentlichste Erfolg jener frühen Angewöhnung. Eben darum,jstben den weiteren Schwierigkeiten und Äedenken, können wir füglich die besprocheneMethode als eine für Einzelne anwendbare Ausnahme von der Regel bezeichnen.