Muth.
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aeimqe, mit den Künsten der Methode den Verstand aufzuklärcn u. s. w.; sonderndaß durch die anregende Kraft der tüchtigen Persönlichkeit des Erziehers eine kräftigeimd muthige Jugend hervorgebildet werden mäße, die den großen Aufgaben der Zeit«achsen sei. Seitdem wird denn, wenn auch nicht gerade in den Systemen derPädagogen von Fach , auch der Muth als eine der Eigenschaften, zu welchen derdeutsche Knabe zu erziehen sei, häufiger genannt. Merkwürdigerweise hat Jean Pauldenselben den Erziehern mit ganz besonderem Nachdrucke zur Pflege empfohlenPerana, §. 105). Doch gehört auch vieles von dem hierher, was Herbart über'die Charakterstärke der «Sittlichkeit" sagt, und Beneke hat einen Paragraphensl, §. 28) über „die Gewöhnung zu kräftigem Dulden und Widerstreben." Doch ver-laßt man überall gerade das ebenso schöne, als bündige Wort „Muth." Auch inWiese's schöner Betrachtung über „die Bildung des Willens" findet sich des Muthesnur an einer Stelle ausdrückliche Erwähnung gethan.
G. Baur ist es, der in seinen „Grundzügen der Erziehungslehre" (§. 47)rdcm Muthe eine ausgezeichnetere Stelle angewiesen hat, als es sonst in den Lehr-büchern gebräuchlich ist. Nach dem Vorgänge Platons, welcher als die Tugendder Vernunft die Weisheit, als die Tugend des Muthes die Tapferkeit, als diefugend der sinnlichen Begehrungen die Mäßigkeit darstellt, wird dort der Muth alsdie Cardinaltugend des Willens bezeichnet und der pädagogischen Be-achtung mit nicht geringerem Nachdruck empfohlen, als die Pflege der Liebe, als derCardinaltugend des Gefühls, oder der Wahrbaftigkeit; als der Cardinaltugend desLenkend. Wir verstehen aber unter Muth das mit der Hoffnung des Ge-lingens verbundene Bestreben, dasjenige, was die Pflicht for-dert, allen Hindernissen und Gefahren gegenüber durchzusetzen., Tapferkeit ist der in Gefahren anhaltende Muth. Wo die Hoffnung des Ge-! lingens überwogen wird durch die Möglichkeit des Mislingens, da artet der Muth inVerwegenheit, wo die Gewißheit des Mislingens vorliegt, in Trotz aus. Beisdem wahren Muth nun beruht die Hoffnung des Gelingens auf der Ueberzeugung,^daß dasjenige, was durchgesetzt werden soll, mit dem Willen Gottes übereinstimmt,ssimd daß alles, was im Namen Gottes und im Vertrauen auf Gott begonnen wird,lOothwendig und auf die Dauer gelingen muß. Dabei versteht es sich von selbst, daßs der Muthige keineswegs in diesem zeitlichen Leben immer die Früchte seines Kampfes,kenne» will, vielmehr nöthigenfalls selbst das Leben wagt in der festen Hoffnung aufj dm künftigen Sieg der guten Sache. Von diesem „moralischen Muth" hat manPeine» „physischen Muth" unterschieden, welcher auf dem Selbstvertrauen im Gefühl(der physischen Kraft und auf der natürlichen Vordringlichkeit des Temperamentesßeruht und daher vorzugsweise eine männliche Eigenschaft ist, während die entsprechendeimbliche Tugend die Geduld ist. Dieser physische Muth bedarf übrigens der Ver-Widung mit dem moralischen, damit er das rechte sittliche Maß finde. Andrerseits kannKurch Hebung der Kraft, Erweckung des Selbstvertrauens und Anregung der Selbstthätig-M auch in dem von Natur wenig Disponirtcn mit dem physischen Muthe zugleichdsr moralische gefördert werden. Daß auch das weibliche Geschlecht hohen Muthesfähig ist, davon bietet die Geschichte zahlreiche und glänzende Beweise dar; gleichwohlPcgt es in der Natur der Sache, wenn wir im Folgenden vorzugsweise die Erziehungdo» Knaben und Jünglingen im Auge haben.
Bei der Pflege des Muthes kommt es vor allem darauf an, daß in demZögling die richtige Ansicht darüber begründet werde, was zuürchten ist und was nicht. Und in dieser Beziehung hat nun der Heilandübst den leitenden Grundsatz uns vorgeschrieben in seinem Worte (Matth. 10, 28):i,Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib tödten und die Seelenicht mögen tödten. Fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leibund Seele verderben mag in die Hölle." Keine Gefahr also, welche nurMer leibliches Leben bedroht, ist im vollen und eigentlichen Sinne zu fürchten;^huhaft zu fürchten ist nur der Abfall von Gott, womit der Mensch seinem besserenselbst untreu wird und darum Verlust an wahrein Leben erleidet. Neben dieser Er-mntnis muß denn auch die Gesinnung gepflegt werden, welche der Heiland in der«chnmig empfiehlt (V. 89): „Wer sein Leben findet, der wird es ver-