Mittelalterliches Schulwesen.
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Vierte Periode (von der Mitte des dreizehnten bis in die An-fänge des sechszehnten Jahrhunderts).
L. Die Byzantiner. Das von den Paläologen 1261 wiederhergestellte Reichblieb in Wahrheit doch eine Ruine auf sehr unsichern Fundamenten, von der man sichWundern muß, daß sie doch noch beinahe zwei Jahrhunderte widerstanden hat. Aberdie Byzantiner wurden durch ein starkes Gefühl geistiger Ueberlegenhcit aufrecht er-halten, und dies kam ihnen zumeist aus ihrer wissenschaftlichen Bildung. Die Kaiser. selbst schätzten sie und beriefen fort und fort die kenntnisreichsten Männer zu den erstenStellen des Staats oder der Kirche.
^ Zahlreiche Privatlchrer erfreuten sich großen Ansehens. Manche derselben, durchdie andringenden Wetter des Untergangs nach Westen gescheucht, haben dort z. Th.in ganz ähnlicher Weise ihre Thätigkcit fortgesetzt. Maximus Planudes, eine Zeit. Hang in Italien als Gesandter thätig, hat auch durch Uebersetzungen lateinischer Schrift-Weller (Cicero, Cäsar, Ovid) in das Griechische zu nützen gesucht. Unter den Hi-istmkcrn zeigt vor allen Nicephorus Gregoras eine genauere Bekanntschaft mit derEilten Literatur und gewährt überhaupt merkwürdige Einblicke in das geistige Lebenseiner Zeit.
In Trapezunt, wo mit dem gestürzten Geschlechts der Comnenen viele der ebelsten. Familien Constantinopels eine Zufluchtsstätte gefunden und einen neuen KaiserthronWufgerichtct hatten, erhielt sich unter allen Stürmen und Wechseln und neben einemWerk entwickelten Wahnglauben durch Jahrhunderte ein Schimmer wissenschaftlicherBildung. Aber die strebsamsten Geister zogen es vor, nach Constantinopel zu gehen,>vo höherer Lohn winkte.
Das mit Ostrom in so enge Verbindung getretene Rußland hat in dieseran;en Zeit ein eigentliches Unterrichtswesen sich nicht entwickeln sehen. Unter denWahren der mongolischen Oberherrschaft und bei den unaufhörlichen innern Strcitig-citcn konnten auch kräftigere Fürsten nicht daran denken, das in der ersten Zeit der'erbindung mit Ostrom Begonnene fortzusetzen; der Klerus aber blieb in tiefer Un-wissenheit und brachte das Volk über mechanische Religionsübung und düstern Aber-glauben nicht hinaus.
L. Der Orient. Das Bildungswescn der Reiche des Islam war im all-gemeinen im Sinken; aber im Reiche der Osmancn, das über so weite christliche Ge-biete sich ausdehnte, geschah Bedeutendes für Wissenschaft und Unterricht. Der SultanUrchau verwandelte nach der Einnahme von Niccia (1330) die als Versammlungsortder ersten ökumenischen Synode berühmte Kirche in eine Moschee und erbaute nebenderselben eine hohe Schule (Medrcse), in welcher tüchtige Gesetzgelehrte und Philosophenals Lehrer (Muderris) wirken sollten. Mohammed II. ließ nach der Eroberung Con-Mtinopels sogleich die acht bedeutendsten Kirchen dieser Stadt in Moscheen ver-andcln und an denselben ebenso viele Mcdresen errichten, zu deren Unterhalte dieinknnfte der Kirchen verwendet wurden. Als er hierauf die nach ihn: genannteMoschee erbaut hatte, stiftete er an dieser allein acht Medresen und stattete deren Pro-iskssoren mit glänzenden Einkünften aus. Im Zusammenhänge damit stand die Or-ganisation des ganzen Gelehrten- und Vcamtenthums, welche die verschiedenen Unter-sricktssiufen und die für sie vorgeschriebenen Wissenschaften, sowie die mit den einzelnenverbundenen Ansprüche und Belohnungen festsetzte.
, Die Bildungsanltaltcn der Juden bewahrten im ganzen den früheren Charakter;gber der durch die steigende Unduldsamkeit des späteren Mittelalters verstärkte Druck,vier welchem das Volk zu leiden hatte (Inquisition in Spanien), wirkte lähmendsä' auf sie. Dennoch blühte fort und fort das Studium der hl. Schrift und desalmud, wie denn auch jüdische Gelehrte die ersten Drucke des alten Testaments (inDomino 1488, in Brescia 1494) besorgt haben.
0. Das christliche Abendland. Der Sieg der Hierarchie über die Staats-Pvalten in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts schien ihr eine fast unbeschränkteMrichaft über die Geister gesichert zu haben; aber gerade jetzt erschütterte sie durch"sbrauch ihrer Macht ihre eigenen Fundamente, das Papstthum in Avignon offen-mue tiefe Gebrechen; der Klerus lebte in Ucppigkeit und Unzucht, die Orden warenSchlaffheit versunken. Obwohl aber in das Volk überall ein höheres Selbstgefühl