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Mädchenerziehung.
Mädchen, welches oft bis ins 14. und 15. Jahr an diesem Spiele Gefallen findesteinen gewißcn Luxus gestatten; aber man möge nicht meinen, daß die Ausstattung mitallem erdenklichen Spielwcrk an sich einen Nutzen habe, wenn nicht die Umgebung mitRath und That aus die Anwendung desselben eingcht. Das Spiel würde überhauptnicht lange fortgesetzt werden, wenn nicht das reale Lehen der Häuslichkeit das jungeMädchen mit immer neuem Reize anzöge und ihm einen thätigen Antheil gewährte.Dieser Antheil werde von der Mutter allmählich gesteigert, überall aber dazu benutzt,das Pflichtgefühl zu kräftigen und die Gewohnheit zu befestigen, alles mit gleicherLiebe und Treue zu vollbringen. Die gelegentlichen Aufträge möge das junge Mädchenin dem Gefühle ausführcn, daß es ihm zu komme, dergleichen zu thun. Früheschon muß es auch daran gewöhnt werden, sich in seiner Thätigkeit unterbrechenund stören zu lassen. Für das praktische Leben ist diese Gewohnheit äußerstwichtig, und sie führt frühe zu einer gewißen Selbstverleugnung. Aber bald soll dasMädchen nicht mehr auf Aufträge warten, es soll selbst warnehmen, was es wohlthun könnte. Man leite es daher an, mit Aufmerksamkeit die Bedürfnisse aller zuverfolgen und ihnen durch eine stille und bescheidene Dicnstfertigkeit zuvorzukommcn.Diese Dicnstfertigkeit war wenigstens bisher ein Vorzug der deutschen Mädchcncrzichung,und sie ist ein echt weiblicher Zug. Aus der gelegentlichen Theilnahme an denGeschäften des Hauswesens soll allmählich eine geregelte und selbständige werden.Die Mutter mache das junge Mädchen mit einzelnen Geschäften näher bekannt undgestatte ihm, dies oder jenes einmal selbst zu versuchen. Worauf es hier zunächst an-kommt, das ist die Ueberwindung aller Weichlichkeit. Das Mädchen mußetwas kräftig ansasscn, muß auch das Unangenehme berühren lernen und sich vor allerZiererei hüten. Damit im Zusammenhänge steht jene weichliche Furcht vor gewißenThieren, die sich bei manchen bis zur Krankhaftigkeit steigert. Alles dies und ähnliches,wie die Scheu vor dem Anblicke von Wunden, Geschwüren rc. ist frühe schon demMädchen abzugewöhucn. Das Zweite, worauf bei der Einführung in das Hauswesengeachtet werden muß, ist die allmähliche Feststellung gewiß er kleiner Ge-schäfte, die ein für alle mal dem jungen Mädchen anvertraut und in dieTagesordnung eingereiht werden müßen. Erweitert sich so allmählich der Kreis derhäuslichen Pflichten, die dem jungen Mädchen anvertraut werden, wird ihm nach undnach auch eine gcwiße Disposition über die Vorräthe, den Ankauf und das Heraus-geben derselben überlassen, wird es gelegentlich auch zum Waschen und Plätten fürkürzere -Zeit herangezogen und mit einzelnen Geschäften der Küche vertraut gemacht, sohat dasselbe am Ende dieser Periode sich in dem ganzen Bereiche des Hauswesensorientirt und fühlt sich im Hause zu Hause. Das Gelingen dieser Aufgabe hängtwesentlich von dem Geschicke der Mutter ab, dem jungen Mädchen eine angemesseneBetheiligung zu gewähren. Viele Mütter versäumen ihre Pflicht an diesem Puncteaus bloßer Bequemlichkeit; solches Versäumnis ist besonders darum zu beklagen, weiljene häuslichen Beschäftigungen einen tiefen und heilsamen Einfluß auf Geist undGemüth der jungen Mädchen haben. Ohne Zweifel wird der Verstand derselben durchdie Wechselfälle und Vorkommnisse des häuslichen Lebens aus eine Weise geweckt, diedemjenigen Mädchen ganz fremd bleiben muß, welches nur in der Sphäre geistigerThätigkeiten verharrt. Sodann wird dieser Gegensatz des idealen und praktischenLebens selbst, der bei dem Heranwachsenden Mädchen eine so große Rolle spielt, durchdie Bekanntschaft mit dem Hauswesen und die Thätigkeit für dasselbe erheblich ge-mildert. In seinen Spielen und im Unterrichte ganz auf die rein geistige Seite desDaseins gewiesen, von einer leicht erregbaren Phantasie und von dunklen Empfindungentief innerlich bewegt, ist das junge Mädchen zur Zeit der sich ankündigeuden Jung-fräulichkeit, welche ihr die Berechtigung gicbt, in die Welt der Realität einzutreten,leicht geneigt an die Stelle der gesunden Wirklichkeit, nach welcher sie sich sehnt,die Phantasiegebilde zu setzen, die sie im stillen genährt hat, und allen Gefahren desvollen, sich selbst nicht verständlichen Herzens zu verfallen. Nichts kann dieser Ver-kehrtheit so erfolgreich entgegenwirken, als die feste häusliche Lebensordnung und dieGewohnheit der häuslichen Arbeit, die den Blick unverrückt auf die Wirklichkeit gerichteterhält, dem unklaren Gemüthe immer die letzten Zwecke des weiblichen Daseins zeigtund, wie alle Arbeit, durch Stärkung der Willenskraft in das geistige Leben einen.