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2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
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Mädchenerzichung.

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Geistes und Körpers und die Freudigkeit des Willens in Anschlag, welche bei einersolchen Anwendung der Zeit von dem jungen Mädchen erwartet werden darf, so ist esmehr als wahrscheinlich, daß in jener kurzer» Zeit dasselbe oder inehr als das sicherreichen lasse, was bei unserer Zciteinthcilung wirklich erreicht wird. Drei Punctevornehmlich können uns darauf aufmerksam machen, daß die Zeit, welche unsere jungenMädchen ihrer intcllectuellen Entwicklung widmen mäßen, eine übermäßig große sei:1) die überhand nehmende Kränklichkeit und Schwächlichkeit der jungenMädchen, welche nach der Erfahrung aller Schulen auf den untern Stufen immergeringer ist, als auf den obern; 2) der im ganzen dürftige Standpunct derintellektuellen Bildung, welchen trotz so vieler aufgewendetcn Zeit und Mühedas weibliche Geschlecht, selbst in den höheren Ständen, in Deutschland einnimmt und3) die Störung des häuslichen Lebens, welche durch die Ucberladung derjungen Mädchen mit Lehrstunden und Arbeiten dieser Art entsteht und das gemüth-volle, ruhige Zusammenleben der Familienglieder fast ganz aufhcbt. Wie tief diesalles mit den tiefsten Schäden unseres nationalen Lebens zusammcnhängt, wird keinementgehen können, der von der Bedeutung des weiblichen und des häuslichen Lebensfür die Entwicklung eines Volkes eine Ahnung hat. Aber das Verständnis für dieseDinge ist so selten, daß sogar viele Eltern dem Grundsätze huldigen, ein Mädchenmüße, so lange sie die Schule besucht, von allen häuslichen Geschäften befreit werden.Gerade dies ist das Falsche. Es gicbt für das Weib keine Lage und keine Zeitdes Lebens, in welcher es irgend einem höheren Zwecke die Forderungen der Häuslich-keit hintansetzen dürfte. Ist einmal dem jungen Mädchen bis zum 15. oder 16. Jahredie häusliche Pflicht als solche erlassen oder fremd geblieben, so istsehr die Frage, ob sie zu derselben noch einmal die rechte Freudigkeitund für die Erfüllung derselben das rechte Geschick von der Schulbank heim-bringen werde. Es versteht sich von selbst, daß dem Unterrichte seine volle Beach-tung eingeräumt werden muß; aber die Bedeutung der Bildung für das Weib undfür das häusliche Leben wird überhaupt nicht darin offenbar, daß ein großer Theilder Zeit auf die Beschäftigung mit rein geistigen Objecten verwendet wird, sonderndarin, daß die gebildete Intelligenz und das geläuterte sittliche Gefühl alle häuslichenThätigkeiten und Zustände durch drin ge. Ohne Zweifel steht die Mädchenschule demHause näher, als die Knabenschule, denn während diese den Knaben für die Ocffent-lichkeit vorbereiten will, will jene das Mädchen mit dem vollen und klaren Bewußt-sein seines Berufes in das Haus zurückführen. Darum dürfen die Bestrebungen fürdie intellektuelle Bildung des Mädchens dieses niemals dem centralen Pflichtcnkreiseseines Lebens ganz entfremden, und darum muß neben dem Unterrichte für dieBeschäftigung in der Häuslichkeit die nöthige Zeit vorhanden sein.Leider wird diese dann auch noch häufig durch Musik- (besonders Clavier-) Unterrichtbeschränkt. Ucber den Werth künstlerischer Bildung der Frauen ist oben geredet worden.Wo keine Anlage ist, da ist in dem Zögling auch kein Gefühl für eine Pflicht, dieseAnlage auszubildcn; darum ist der musikalische Unterricht in so vielen Fällen so un-wirksam oder wohl gar in seinen Wirkungen schädlich. Es ist aber gerade für dasMädchen von der höchsten Wichtigkeit, demselben alles was es thue, auch das Kleine,unter dem Gesichtspuncte der Pflicht zu zeigen, da die Menge der kleinen Pflichten,aus denen sich der weibliche Beruf zusammensetzt, so leicht diesen Gesichtspunkt ausden Augen rückt. Treue im Kleinen und im Kleinsten ist daher die Regel, welchebei allen häuslichen Geschäften, zu denen das junge Mädchen hcrangezogen wird, fest-gehalten werden muß. Das Mädchen macht zuerst einen idealen Cursus der Häus-lichkeit an dem Spiele mit der Puppe durch. Auch in diesem, in welchem sich alleverschiedenen Geschäfte des Hauswesens wiederholen, sollte die Mutter darauf halten,daß die Grundlage aller häuslichen Thätigkeit, Ordnung und Sauberkeit beachtetwerde. Gern gehen die Mädchen, wenn ihnen das Vorbild gegeben ist, darauf vonselbst ein, auch in ihre spielende Beschäftigung mit der Puppe, mit der Puppenstube,mit der Küche re. eine feste Zeiteintheilung zu bringen. Die Mutter weise das Kindimmer wieder darauf hin, daß die Freude dieses Spieles eben darin bestehe, das ganzeckleine Hauswesen wohlgeordnet zu erhalten. Man mag in diesem Stücke dem jungenPLdag. Handbuch. II. 3