Madchencrzichung.
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sittlichen Halt bringt. Was das Gemüth sieben des jungen Mädchens betrifft, sogilt es, die köstliche Empfänglichkeit des weiblichen Gcmüthes zu schonen und sic dochvor jenen Ausartungen zu bewahren, welche so oft das Unglück der Frauen sind. Denrechten Weg, diese Aufgabe zu lösen, findet die Liebe allein. Wird das jugendlicheHerz durch Unfreundlichkeit und Kälte, wohl gar durch Ironie zurückgeschreckt, so istdas Gelingen der Erziehung auf das ernstlichste bedroht. Wir berauben uns dannaller jener Symptome, welche die stillen Krankheiten des Herzens erkennen lassen(vgl. Hanna Moore a. a. O. S. 52) und leiten das Mädchen an, sich in jene Ver-schlossenheit zurückzuziehen, die dem Charakter so gefährlich ist und schließlich zur Heucheleiführt. So hat auch die List, die Schlauheit, die Jntrigue, welche an demWeibe so oft getadelt worden, wo sie sich im Charakter des jungen Mädchens Heizt,fast immer ihren letzten Grund in der Härte, die den natürlichen Aeußcrungen ihresWesens entgegengesetzt worden ist. Immer sollte das Mädchen nur den edlen undwürdigen sittlichen Zorn kennen lernen, und immer sollte sich derselbe nur auf daswirklich Unsittliche richten. Dem weiblichen Leben, welches so vielfach mehr durchGewohnheit als durch Gesetz bestimmt wird, liegt die Gefahr nahe, das Ungeschicktefür ebenso tadelnswerth zu halten als das Unrechte. Lehren wir das junge Mädchen,das erstere zu meiden, aber machen wir auch einen Unterschied zwischen Verstößen derForm, zwischen verzeihlichen Fehlern und eigentlichen Vergehen. So sehr die natür-liche Offenheit geschont werden und so leidenschaftslos die Zurechtweisung bleiben muß,so darf doch nicht übersehen werden, daß das junge Mädchen schon früh an einengewißen Grad von Zurückhaltung gewöhnt werden muß. Damit hängt die Noth-wendigkeit zusammen, die tief im weiblichen Wesen begründete Reizung zum Wider-spruche und zur Rechthaberei nicht aufkommen zu lassen. Die Tochter soll beiZeiten lernen, ihre Meinung, wenigstens das Bestehen auf derselben aufzugeben. Manmache ihr fühlbar, daß es hiebei nicht auf die Beschränkung des freien persönlichenUrtheils abgesehen sei, sondern darauf, den leidenschaftlichen Streit abzuwehren, unddie Selbstverleugnung zu übeu. Nur zu häufig werden die Untugenden der Un-bescheidenheit und des Widerspruches durch die Erziehung selbst hervorgerufen. NachMad. Nccker sind es die langen Reden, Expositionen und Begründungen, deren dieMütter sich statt des einfachen Gebotes bedienen, welche das Kind zum Widerspruchereizen, weil in^ der Reihe der Gründe auch gelegentlich schwache mit unterlaufen.Ebenso richtig ist die Bemerkung von Hanna Moore, daß Strenge gegen Unbescheiden-heit und Rechthaberei von den Müttern gewöhnlich nur dann angewendet werde, wenndie üble Laune sie energisch macht, und daß dann jene Strenge unwirksam bleibe.Weiter werde das junge Mädchen immer ernstlicher darin geübt, mit Heiterkeit undRuhe den gelegentlichen Freuden zu entsagen, welche sich ihm etwa darbieten. „Eswird nichts aus der Fahrt; die Freundin hat den Besuch abgeschrieben; die gehoffteEinladung ist nicht eingctroffen!" Mit solchen einfachen Worten werde das Factummitgetheilt und der Sache nicht die geringste Bedeutung gegeben. Allenfalls möge einermuthigender Scherz hinzutreten, aber niemals sollte ernstes Bedauern den Kampf derSelbstverleugnung erschweren. Hat aber der Egoismus und die Vergnüguugslust indem jungen Mädchen bereits tiefere Wurzeln geschlagen, so daß es die Vernichtungseiner gehofften Freuden mit leidenschaftlicher Betrübnis aufnimmt, so muß es liebreich,aber auch schon mit ganzem Ernste darauf hingewiesen werden, daß es Undankbarkeitund Ungehorsam gegen Gott sei, den Rcichthum des Glückes, den das jungeMädchen im Vaterhause besitzt, zu verkennen, und ein solches Gewicht zu legen aufFreuden, die vielleicht nur eingebildete seien und die Gott uns aus heiliger Liebe ver-sage. Auch die genossenen Freuden der Art können dazu benutzt werden, dem Mädchendas Vaterhaus Werth zu machen. Selten sind diese Freuden ohne einen Tropfen Bitter-keit gewesen. Es war vielleicht langweilig, es wurde Lieblosigkeit und Zurücksetzungempfunden ec. Man hüte sich, das zurückkehrende Mädchen auszuhorchen; aber manzeige ihm Theilnahme für den erlittenen Schmerz und befestige es durch warme Liebein der Empfindung, daß es doch nirgends in der Welt so schön sei, als daheim, undso helfe man ihm zur Billigkeit des Urtheils und zur Seelenruhe. Wenn so dasjunge Mädchen überall zur Selbstverleugnung, zur Geduld und Sanftmuth angeleitet