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Mädchenerziehung.
freilich, daß dieser Verkehr nicht einseitig auf Knaben beschränkt sei, und daß ihre Spielestets überwacht werden. Geschieht dies, so werden sic auf mannigfache Weise pädago-gisch fruchtbar werden. Mit Recht hebt Dorothee Valentiner (über Erziehung undUnterricht des weiblichen Geschlechts, S. 28) die Bekämpfung der Launenhaftig-keit und der Unfreundlichkeit hervor, welche hier und anderwärts bei Mädchenfrühzeitig cintreten muß. Alles was an Eigensinn und an selbstisches Festhalten einerder Umgebung feindseligen Stimmung erinnert, sollte dem Mädchen als etwas überausUnrechtes dargestcllt, und um jeden Preis sollte verhindert werden, daß das Mädchenin der üblen Laune verharre. Von Wichtigkeit ist es, sie in ihren ersten Regungenzu unterdrücken, was bei dem schnellen Wechsel kindlicher Gefühle anfänglich leicht durcheinen freundlichen Blick, durch ein ermunterndes Wort oder durch einen Lrcherz bewirktwird. Namentlich Mädchen zeigen im Umgänge mit andern Kindern oft eine Neigungzur Verstimmtheit, die später in ein unliebenswürdiges Schmollen ausartet. Je ge-fährlicher für das weibliche Leben die Herrschaft solcher Stimmungen werden kann,desto ernster sollte ihr cntgegengetreten werden. Mag schon daö kleine Mädchen lernen,sich zu fügen und zu restgniren! Ein großer Fehler, den besonders schwache Onkels,Tanten und Großeltern begehen, besteht darin, daß Kinder zu sehr bedauertwerden, wenn ihnen irgend eine Freude gestört worden ist. Namentlich dem Mädchengegenüber sollte man dergleichen Störungen als etwas behandeln, was auf unsereStimmung keinen Einfluß haben dürfe. Je weniger diesem Alter gegenüber eine Be-gründung der sittlichen Vorschriften möglich ist, desto nothwendiger ist eS, die Heilig-keit und Unumstößlichkeit derselben als etwas sich von selbst verstehendes hinzu-stcllen. Das geschieht am besten durch einfache Aeußerungen der Art: „das gefälltGott nicht an dem Kinde," „ein gutes Kind thut das nicht," „ein frommes Kind darfso nicht sprechen rc." Für die mancherlei Rücksichten auf das Besondere des weiblichenLebens, was schon Her gepflegt werden muß, genügt die schlichte Regel, daß ein kleinesMädchen so oder so handeln und sein müße. Hat so das kleine Mädchen gelernt,was ihm geziemt, so wird das Heranwachsende Mädchen dies nicht mehr vergessen.
Die zweite Altersstufe, welche etwa die zweiten sieben Jahre umfaßt, aberbei vielen Mädchen schon früher beginnt und früher endet, unterscheidet sich von dereigentlichen Kindheit hauptsächlich durch das entschiedenere Hervortreten dergeistigen Kräfte und durch die bestimmtere Ankündigung der Geschlechts-differenz. Obgleich die erste dieser Erscheinungen dem Vater einen größeren Einflußgestattet, so fordert die zweite desto gebieterischer die mütterliche Sorgfalt und Theil-nahme. Das Kind wird für die Schule reif. Auch das Mädchen gehört in dieSchule. Th. Waitz (Allgemeine Pädagogik S. 224) hat gezeigt, daß schnelle undrichtige Auffassung der Menschen und ihrer Eigenthümlichkeiten, rege Theilnahme fürdas, was in größeren Lebenskreisen vorgeht und auf die kleineren zurückwirkt, scharfeAusprägung des individuellen Charakters vom Schulleben theils mehr vorbereitet,theils unmittelbarer gefördert werde, als es im häuslichen Leben allein möglich ist.Vorausgesetzt muß werden, daß die Schule noch die gehörige Zeit übrig läßt, um denin der Schule vielleicht nicht vertretenen Seiten der Bildung, den häuslichen Thätig-keiten, der Erholung und dem Familienleben die volle Berücksichtigung gewähren zukönnen, die das weibliche Leben erheischt. Freilich wird gerade in Deutschland dieserVoraussetzung wenig entsprochen. Viele Schulen nehmen die Mädchen, sogar schondie kleinsten, täglich 8—6 Stunden nur für den Unterricht in Anspruch. Das istoffenbar zu viel, wenn daneben noch Musik-, Handarbeit-, Zeichen- und andere Privat-stnnden liegen, und die Schule überdies, wie oft geschieht, energische Forderungen anden häuslichen Fleiß erhebt. Madame Nccker de Saussure (a. a. O. 3. Band S. 177)gewährt dem Mädchen 7V? Stunden für körperliche Uebungen, Erholungen, häuslicheGeschäfte und für das Leben in der Familie und nimmt nur 6'/? Stunden für diePflege der intellectuellen Bildung in Anspruch; d. h. sie verlegt den Schwerpunct desweiblichen Jugendlebens in das Haus, und hält in ihrer Zeiteintheilung ebenso sehrdie Rechte der Weiblichkeit als die der Jugend aufrecht. Freilich geht sie davon aus,daß jene 6'/- Stunden wirklich energisch für die Zwecke der geistigen Bildung an-gewendet, daß Unterricht und Vorbereitung auf denselben, Lehre und Uebung in dasrechte Verhältnis zu einander gesetzt seien. Und bringen wir daneben die Frische des