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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Madchcncrziehung.

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wird, indem man sprachliche Unrichtigkeiten übersieht oder wohl begünstigt, und deminhaltlosen Geschwätz eine Aufmerksamkeit schenkt, die es nicht verdient, rächt sich geradebei dem Mädchen nur zu oft durch die Unfähigkeit, sich sprachliche Corrcctheit anzu-eigncn und der losen Zunge sittliche Schranken zu setzen. In der nächsten Periode,welche die Entwicklung des Bewußtseins enthält, ist die Wirkung auf dasGewissen und die Belebung dieses ethischen Factors durch die Elemente der reli-giösen und sittlichen Bildung die wesentliche Aufgabe. Wenn dies für alle Kindergilt, so gewinnt es nach dem, was oben über die religiöse Erziehung der Mädchengesagt worden, für diese eine noch höhere Bedeutung. Daneben müssen schon in dieserersten Periode bis zum sechsten Lebensjahre die häuslichen Tugenden, welche dasWeib dereinst schmücken sollen, begründet und geübt werden. Wesentlich für das Ge-lingen dieser Absicht ist, daß die Mutter selbst zugleich mit dem früh erwachten Kindeausstehe und es des Abends selbst zur rechten Zeit zu Bette bringe. An diese erstenund letzten Tagesstunden knüpfen sich so viele Gelegenheiten, an Drdnung und Rein-lichkeit zu gewöhnen und auf das Gemüth zu wirken, daß eine rechtschaffene Muttersich dieselben nicht entgehen lassen darf. In den Kleidern wie in den Spielsachen mußdarauf gesehen werden, daß das kleine Mädchen seine Sachen sauber und rein halteund nach dem Gebrauche stets selbst wieder an ihren bestimmten Platz trage.Schon vor dem sechsten Jahre kann dieses der Mutter kleine Hülsteistungen thun.Die Kinder thun dergleichen überhaupt gern, und besonders äußert sich die weiblicheNatur oft schon früh durch feine Beobachtung dessen, was die Mutter thut, und durchgeschäftigen Eifer, es nachzutbun'. Im Umgänge mit kleineren Geschwistern, oder mitder Puppe, ist das kleine Mädchen oft schon das kleine Hausmüttercheu, welches alleHände voll zu thun hat, um allen Bedürfnissen zu entsprechen. Die verständige Mutterwird diesen edlen Trieb auf das Nützliche leiten; sie hüte sich aber, mit der An-erkennung erworbener Geschicklichkeiten zu freigebig zu sein. Auch ist schon hierder lauten Geschäftigkeit vorzubeugen, welche anspruchsvoll hcrvortritt und sichbemerklich machen will. Was oben von der Zärtlichkeit gesagt wurde, gilt auch vonder Beachtung, welche man dem kleinen Mädchen zuthcilwerden läßt. Sie darfnur den Charakter der Billigung oder Mißbilligung tragen und nur so weit dem Kindezum Bewußtsein gebracht werden, als nöthig ist, es zum Rechten zu ermuntern undvom Unrechten abzuleiten. Ueberschreitet sie diese Grenze, so wird vornehmlich beikleinen Mädchen der Anspruch persönlicher Berücksichtigung sich bald in unleidlicher Weisesteigern. Hiehcr gehört auch die Erscheinung, die oft an Mädchen wargenommenworden ist, daß sie mit ihren Plaudereien die Erwachsenen nur zwingen wollen, sichmit ihnen zu beschäftigen. Allen diesen Regungen des Egoismus geht man am bestenaus dem Wege, wenn das kleine Mädchen seinen unbefangenen Spielen so viel wiemöglich ungestört überlassen wird. Gerade dann können diese Spiele selbst ambesten Aufschluß geben über das, was etwa in der Erziehung bisher verfehlt ist.Denn das Mädchen copirt in seinem Leben mit der Puppe und mit andern Kindernnoch mehr als der Knabe das reale Leben; es reflcctirt das erziehende Waltender Eltern darin und tractirt die Puppe nach denselben Grundsätzen, nach denen csselbst erzogen wird oder erzogen zu werden glaubt. Wichtig ist namentlich dieBerücksichtigung des Umganges. Es ist Kindern im allgemeinen nicht gut, nurauf die Gesellschaft der Erwachsenen beschränkt zu werden; sie bekommen dadurchleicht, und dies gilt besonders von dem feiner und rascher als der Knabe beobach-tenden Mädchen, etwas altkluges. Der Umgang mit anderen Kindern muß demkleinen Mädchen um so mehr dargeboten werden, als die weibliche Aengstlichkeitdurch den Mangel solchen Verkehrs leicht bis zur Blödigkeit gesteigert werden kann.Neben der Gewohnheit stiller Selbstbeschäftigung, welche fortdauernd gepflegt werdenmuß, dürfen daher auch die Stunden fröhlicher Gemeinschaft mit anderen Kindernnicht fehlen, lieber die Frage, ob man dem kleinen Mädchen auch Knaben zuSpielgefährten geben solle, ist Verschiedenheit der Meinungen vorhanden.Die Ansicht, daß auf dieser Lebensstufe Knaben und Mädchen in ungehemmter Ge-meinschaft mit einander gelassen werden müßen, welche von den meisten Pädagogengetheilt wird, ruht auf tiefereu Gründen, namentlich auf dem, daß der Gegensatz derGeschlechter nicht auf unnatürliche Weise gespannt werden dürfe. Vorausgesetzt wird