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2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
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Müdchcncrzichung.

zartesten Kindesalter. Und er hat Rechr. Im gesunden Gefühle für die schon inin jenem ersten Lebensalter gesetzte geschlechtliche Individualität und also für die Noth-wcndigkcit ihrer pädagogischen Berücksichtigung unterscheidet das Volk auch in jenerZeit schon das Mädchen durch die Kleidung vom Knaben. Das Mädchen ist schonvon seiner Geburt an thcils durch den zarteren und leichter verletzbaren Organismus,theils durch frühzeitig sich kundgebende Neigung und Gemüthsart ein anderes als derKnabe, und die Berücksichtigung seiner weiblichen Eigcnthümlichkeit vom ersten Augen-blicke seines Lebens an eine Pflicht der Eltern. Diese Pflicht würde um so dringenderwerden, wenn die Bemerkung, welche Madame Ncckcr de Saussure in der Vorredezu ihrem Werke I/eäuegtion prvssrsssivs ou Ltmäs äu oours äo ln vis macht, daßdiejenigen Anlagen, welche über die Bildung des Charakters entscheiden, in dem In-dividuum auch zuerst hcrvortrcten, sich durch weitere Beobachtungen bewähren sollte.Freilich ist die speciclle Darstellung dessen, wie diese erziehliche Berücksichtigung derweiblichen Individualität in jener frühesten Lcbensperiodc im einzelnen sich gestaltensolle, schwierig. Mehr als die von Schleiermachcr ausgestellte Regel, daß bei der Er-ziehung der männlichen Jugend die kühne, bei der der weiblichen die vorsichtige Maximeden Erzieher leiten solle, wird sich im allgemeinen schwerlich sagen lassen; doch fehltes durchaus nicht ganz an spcciellen Zügen aus der Entwicklungsgeschichte des Kindes,welche diese allgemeine Regel durch belehrende Winke praktisch machen. Wenn z. B.Madame Necker in ihrem oben genannten Werke die Regel aufstcllt, daß kindlicheLeidenschaft nicht durch Leidenschaft, sondern durch eine feste und ruhige Behandlungzu überwinden sei, und daß der kindlichen Unstetigkeit nicht durch Darbietung von zuvielen und zu verschiedenartigen sinnlichen Eindrücken Vorschub gethau werden dürfe(vgl. den Art. Erste Kindheit); wenn dann weiter von ihr gefordert wird, daß Be-ruhigung der aufdämmerndcn Leidenschaft und Abwendung der dieselben hervorrufendenAnlässe zu den heiligsten Pflichten gegen das Kind gehöre, daß man den Kindern jenestille Heiterkeit erhalten soll, zu welcher sie so viele Neigung haben, daß mau siemehr mit Sachen als mit Personen beschäftigen soll: so sind dies goldene Regeln,die dem weiblichen Geschlcchte gegenüber mit besonderer Strenge und Gewissenhaftigkeitsestgchalten werden sollten, weil demselben alle Leidenschaftlichkeit des Wesens überhauptferner bleiben soll, als dem männlichen. Zu den wichtigsten Beförderungsmitteln dieserGemüthsruhe gehört eine feste Lebensordnuug, welche allen Functionen deskindlichen Daseins gegeben werden muß , und von der bei dem weiblichen Geschlcchteum so weniger abgewichen werden darf, je mehr alle Befriedigung und alle Wirksam-keit desselben dereinst in der Gewöhnung an eine solche Lebcusordnung und in dergewissenhaften Aufrechterhaltung derselben aufgehen soll. Wenn die spielende Lhätigkeitdes Kindes beginnt, ist cs von besonderer Wichtigkeit, das kleine Mädchen daran zugewöhnen, daß cs für sich allein spiele. Ein so gewöhntes Kind wird sehr baldmehrere Stunden hinter einander in ungetrübter Heiterkeit forrspielen, und wird dieseGewohnheit der stillen Sclbstbeschäftigung nicht durch spätere Fehler der Erziehungwieder zerstört, so ist der Grund zu vielem guten gelegt. Das unablässige Schwatzenmit den Kindern, das stete Umhertragen derselben, die heftigen Bewegungen, zu denendie Kinder oft veranlaßt werden, sind nicht nur der körperlichen Entwicklung schädlich,sic versetzen auch das Gcmüth in eine Aufregung, die nur zu bald eine habituellewird. Auch die Art, wie wir den Kindern in jenen ersten Jahren unsere Liebe be-weisen, sollte, namentlich dem weiblichen Geschlcchte gegenüber, eine vorsichtigeresein, als sie es gewöhnlich ist. Eigentliche Liebkosungen sollten weder häufig noch allzulebhaft geschehen, und nur den nächsten Verwandten gestattet sein. Werden die Kindermit äußerlichen Liebkosungen abgespcist, so werden sic selbst sehr bald mit dergleichenauch uns abspeisen, beherrscht aber eine übertriebene Zärtlichkeit den Umgang mit ihnen,so wird Weichlichkeit und »Sentimentalität in ihr Herz gepflanzt; in beiden Fällenwird ihnen das Wesen der Liebe verflacht und verdunkelt. Diese sollte ihnen durchgleichmäßige Freundlichkeit, durch ein thätiges Wohlwollen und durch solche Liebkosungenbewiesen werden, welche dem Kinde für Zeichen der Zufriedenheit und Billigung geltenkönnen. Das Sprechenlernen der Kinder und insbesondere der kleinen Mädchen solltevon vorn herein gewissenhafter befördert werden, als es so oft geschieht. Das leicht-fertige Spiel, welches mit der durch das Wort an den Tag tretenden Seele getrieben