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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Mlidchciierziehung.

Frauendicnst hcrvorrief. Und so war es ja auch eine tiefere sittliche Anschauung vomweiblichen Leben, welche unfern Schiller bewog, die vollkommenere Erscheinung desMenschen in der weiblichen Natur zu suchen. Gleichwohl muß auch gegen diese An-schauung protcstirt werden. Dieser Cultus des Weibes, den auch die zweite klassischePeriode unserer Literatur gesehen hat und der dann in der romantischen Schule ge-legentlich wieder bis znm Mariencultus sich steigerte, ist von einer poetischen Auf-fassung des Lebens ausgegangcn. Schon dadurch wird er bedenklich, denn die Poesiedarf nicht die leitenden Normen für das Leben aufstellcn wollen; aber noch bedenklicherwird er dadurch, daß die ganze Zeit, welcher dieser neue Cultus der Frauen angchörte, demChristenthume viel ferner stand als jene Zeit des MinnegesangeS. Wäre cs nicht eineunumstößliche ethische und religiöse Wahrheit, daß keines der beiden Geschlechter einenabsoluten sittlichen Vorzug in Anspruch nehmen darf, so würde schon die Geschichteselbst den Beweis dafür liefern, wie unberechtigt die Ansicht sei, daß das Weib sittlichhöher steht als der Mann. Der hervorragende Einfluß der Frauen bezeichnet nicht diePerioden sittlicher Energie im Leben der Völker, und der überschwenglichen Huldigungder Frauen geht im großen und ganzen immer ein Verlust männlicher Würde undTüchtigkeit zur Seite. Man kann jene Achtung vor dem Weibe, welche durch diechristliche Welt geht, durchaus würdigen und als einen der erfreulichsten Züge modernerCultur betrachten, aber inan wird sich die unzähligen Verirrungen in Lüge und Schein,in Eitelkeit und Oberflächlichkeit, in Sinnlichkeit und Roheit, die sich daran ange-schlossen haben, nicht verbergen dürfen. Wenn indessen von jenen Uebcrschwänglich-keiten immer gehofft werden kann, daß das gesunde Leben des Volkes sic auf dasrechte Maß zurückführen werde, so ist dagegen jene andere Ansicht, welche den Unter-schied des Gcschlechtscharaktcrs aus die bloße Sphäre des eigentlichen Geschlechtslebensbeschränken und im übrigen das Weib völlig dem Manne gleichstellcn will, als einedurchaus gefährliche zu bezeichnen. Es wird an diesem Orte überflüßig sein, gegendie sogenannte Emancipation der Frauen ein Wort zu verlieren. Was unserer Zeitan einigen Beispielen emancipirter Frauen zu sehen und zu lernen verstecktet war, dashat deutlich genug die sittliche Roheit, aus welcher solche Bestrebungen stammen, auf-gcdeckt und denselben zugleich den Stempel der Lächerlichkeit so gründlich aufgedrückt,daß diese Form: derselben fürs erste als abgethan erachtet werden darf. Aber nicht diecrassen Jrrthümer sind überhaupt die gefährlichen, sondern die abgcschwächten, die halben.Von solcher Art sind die von Rob. König (lieber weibliche Erziehung von HannaMoore" rc.) mit Recht getadelten Vorschläge, die von Julie Burow und sogar von derVerfasserin derPerle der Tage", Barbara H. Farquhar, dahin gemacht worden sind,daß (I. Burow) man die unverhciratheten Damen zu Uhrmachern, Graveurs, Wund-ärzten ec. bilden und (Farquhar) den Frauen als Hüterinnen des Familienwohles einegründliche Kenntnis der Arzneiwissenschaft ins Leben mitgeben solle. In allen solchenwohlgemeinten, aber unreifen Vorschlägen steckt doch eben das Princip der Eman-cipationsidce, in dieser aber die Entfremdung des Weibes von seiner Bestimmung unddie Entsittlichung des ganzen Lebens. Denn der eigentliche Grundirrthum der Eman-cipationsidee besteht darin, daß der Unterschied der Geschlechter nur als ein leiblichergefaßt und der geistige Unterschied geleugnet wird. Hiemit ist aber dem natürlichenUnterschiede seine ideale Bedeutung genommen und das Verhältnis der Geschlechter derfreien geistigen und also der sittlichen Sphäre entzogen. Wenn die Ausübung gewißerGewerbe bloß darum dem Weibe zugänglich gemacht werden dürfte, weil sie derschwächeren leiblichen Organisation desselben entsprechen, so würden sich sehr vieleAemter und Geschäfte Nachweisen lassen, die füglich von Mädchen und Frauen könntenversorgt werden und in der Wirklichkeit geschieht dies auch, öffentlich und im geheimengar nicht so selten. In Frankreich wird in unzähligen Fällen die Buchführung kauf-männischer Geschäfte von Frauen besorgt, in England sind umfassende Versuche mitGlück gemacht worden, gewiße Berufsthätigkeiten der Männer durch weibliche Kräfteausführen zu lassen, und in Deutschland ist beim Post- und Telegraphendienst unlängstdamit begonnen worden. Es hat wohl niemals daran gezweifelt werden können, daßes den Frauen durchaus nicht versagt sei, an den männlichen Berufsthätigkeiten ge-legentlich einen selbstthätigen Antheil zu nehmen. Aber zwischen diesen Ausnahmezu-ständen und zwischen einem solchen Zustande, in welchem die gleiche Betheiligung beider