Mädchener,Ziehung.
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für das Weib bleiben. Welche ihn wagt, wird einem tragischen Conflict zwischenihrer Natur und ihrer selbst gewählten Aufgabe schwerlich entgehen, wie Schiller diesesin der Jungfrau von Orleans so herrlich darstellt.
Nimmt aber das häusliche Leben eine solche Stellung in der Entwicklung derMenschheit ein, daß cs dem öffentlichen Leben nebengeordnet werden muß als völliggleichberechtigt und gleichen Inhalts mit ihm, decken auf der anderen Seite die ethischenForderungen des häuslichen Lebens und die natürlichen Anlagen der Weiblichkeit ein-ander so vollständig, daß kein wesentlicher Vorzug der weiblichen Natur über jeneForderungen hinausragt, so ist offenbar beides gegeben, worauf es in der ganzen Frageankommt: es ist nicht nur ein Ausdruck für den Begriff der Weiblichkeit gegeben, derweit genug ist, um alle wesentlichen Seiten der weiblichen Bestimmung zu umfassenund doch bestimmt genug, um für das Ganze der Mädchenerziehung eine ausreichendeGrundlage darzubieten, sondern es ruht auch diese ethische und pädagogische Auffassungder weiblichen Bestimmung auf einer solchen Würdigung der Geschlechtsdiffercnz, welcheebenso sehr die Identität der persönlichen Gleichberechtigung, als die natürlichen Unter-schiede der Begabung zur Geltung bringt. Wenn F. H. Ehr. Schwarz („Grundrißeiner Theorie der Mädchenerzichung") die Mütterlichkeit zum Prineip der Mädchcn-erziehung gemacht hat, so ist, falls dabei an die Pflichten einer wirklichen Mutter ge-dacht werden soll, diese Grundlage offenbar zu eng, weil die Mutterliebe zwar dietiefste und herrlichste Offenbarung des weiblichen Lebens ist, aber nicht die einzige; zuunbestimmt ist sie aber, falls die Mütterlichkeit in jener Allgemeinheit der Anlage unddes Begriffes gedacht wird, in welcher sie sich als hülfreichcs Dienen durch das ganzeWesen der Weiblichkeit hindurch zieht. Ebenso leidet die Grundansicht A. Monodsin seinen vorerwähnten Reden, die zu dem Besten gehören, was in neuerer Zeit überdiesen Gegenstand geschrieben ist, an dem Mangel einer absrracten und darum un-bestimmten Allgemeinheit. Er sieht die Aufgabe des Weibes darin, daß es „Liebe inTemuth" üben soll/ Aber soll das der Mann nicht? Gewiß soll er es, aber in dereigenthümlichen Lebensform des männlichen Daseins. Es sind andere Formen undBedingungen, an welche sich für ihn die Erfüllung dieses Gebotes knsipft, als diejenigen,an welche das Weib gebunden ist. Alle diese Bedingungen weisen das Weib in dieheilige Stille des Hauses und so dürfte schwerlich ein präciserer und umfassendererAusdruck für das Ganze der Mädchenerzichung gefunden werden, als dieser, daß dasMädchen für das Haus gebildet werden solle. (Vgl. Palmer, Ev. Päd.Z. Aust. S. 446.)
Von hier ans ergiebt sich sofort die Unrichtigkeit gewisser Bestrebungen und An-sichten auf diesem Gebiete, welche in ihrer Gesammtheit das Eigenthümliche haben, daßsie die weibliche Begabung überschätzen, indem sie den Unterschied der Geschlechterentweder in einer solchen Weise unnatürlich spannen, daß das Weib als die voll-kommenere und reinere Erscheinung der Menschlichkeit angesehen wird,oder ihn auf die äußerliche Sphäre des Geschlechtslebens beschränken,jede andere Verschiedenheit leugnen und darum auch.stne sittlichen Schranken, in welche dasweibliche Leben nach dem Zeugnis der Geschichte überall gestellt ist, nur durch die. Macht des Jrrthums in der Welt erklärlich finden. Beide Ansichten gehören demmodernen Geistesleben an, dock ist in Beziehung auf ihren ethischen Charakter einwesentlicher Unterschied zwischen ihnen. Jene Jdealisirung des Weibes, die namentlichin der Minnepoesie ihren Ausdruck gefunden hat, stellt sich als eine cxcentrischc Auf-fassung jener Idealität dar, welche die christliche Weltanschauung über das Wesen derWeiblichkeit auSgegossen hatte. Der Frauencultus des Mittelalters steht ja in innigsterBeziehung zum MariencultuS. Wenn nun auch die Geschichte die innere Unnaturdieser Richtung deutlich genug offenbart, und als die Kehrseite dieser hyperidealenFrauenverehrnng die crasse Sinnlichkeit gezeigt hat, welche ein Reich der freien Liebeund eine souveraine Herrschaft der Frauen aufrichten möchte, um jedes andereu sitt-lichen Zwanges ledig zu werden, so darf doch nicht verkannt werden, daß dieser über-schwängliche Idealismus noch immer eine Wurzel in der Idee hat. Es war dock ebendas Ahnungsreiche und Unaussprechliche, das Herzgewinnende und Liebeathmende indem Wesen des reinen, edlen Weibes, was germanische Innigkeit von jeher empfundenund nun im Lichte des Glaubens unendlich schöner wiedererkannt hatte, was jenen abstracten