Mädchenerziehung.
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Fülle solcher Beziehungen dar, die ein frommer Sinn aufzufassen und darzustelleuweiß. Was oben von der Art der intellcctuellcu Bildung des Weibes gesagt wordenist, daß nämlich der ideale Inhalt des Wissens dem Weibe aufgeschlossen werden muß,tritt so in die innigste Uebereinstimmung mit der Aufgabe der religiösen Bildung, denngerade an diesen idealen Inhalt knüpft sich am natürlichsten die religiöse Betrachtung.Und wie mit dem Unterrichte, so verhält es sich mit der Erziehung. Nicht die bloßeVermehrung der religiösen Uebung an sich ist es, welche hier das Beste thut, sonderndas Beispiel der Pflichttreue, die im Glauben wurzelt, und die Forderung, daß allesThun unter dem höchsten Gesichtspuncte der heiligen Pflicht betrachtet und geübtwerde. Wird so dem Geiste des Mädchens im Denken und Leben ein heiliger In-halt gegeben, so wird das Gefühl sich dieses Inhaltes von selbst bemächtigen und sichzum frommen GemüthSlcbcn verklären. Dadurch wird denn das Weib der Mittel-punct auch des christlichen Hauses und von ihm gerade geht still und unbemerkt rechteigentlich die religiöse Wirkung aus, die oben dem Hause der Idee nach zugeschriebeuwerden mußte.
Alles, was über den Parallelismus des häuslichen und des öffentlichen Lebens untersich und beider Lebensformen mit der Geschlechtsdifferenz gesagt worden ist, gewinntaber für die Pädagogik eine besondere Wichtigkeit durch die sittliche Bedeutung, welchediesem Parallclismus als einer göttlichen Ordnung zukommt. Dem Weibe, welcheseben für das Haus mit allen seinen geistigen und leiblichen Eigenthümlichkeiten ge-schaffen ist, ist es höchste Pflicht, in der Sphäre, in den Schranken desHauses zu verharre n. Alle cigenthümliche Sittlichkeit des Weibes läßt sich zurück-führcn auf die Forderung der Häuslichkeit. Im Alterthum wurde dieses Gesetz desWeibes besonders als'Pietät gedacht, als Hingebung an die substantielle Einheitder Familie. Aber weil die antike Lebensanschauung die sittliche Freiheit der Frauennicht anerkennt, so erinnert jene Forderung der Pietät auch mehr an den Druck undan die persönliche Rechtlosigkeit der Frauen jener Zeit, als an einen inneru Vorzugund Reichthum der weiblichen Natur. Dieser Vorzug konnte erst durch das Christen-thum sichtbar werden. Wiese (über die Stellung der Frauen im Alterthum und inder christlichen Zeit S. 11) hebt mit Recht hervor, daß der geschichtliche Anfang desChristenthums die heilige Familie sei; Heiligung der Familienverhältnisse ist nochimmer das Erste, womit die Schöpfungen des Christenthums im Leben der Völker be-ginnen. Ja, man kann sagen, das Christenthum hat erst die eigentliche Bedeutungdes Familienlebens für die Menschheit offenbart und hat eben dadurch demäußern Staatsintercsse das Ucbergewicht genommen und der Öffentlichkeit und ihrenKräften gegenüber das Haus und mit ihm das Gemüth des Menschen in ihr vollesRecht eingesetzt. Und die Erhebung des Weibes war eben die Bedingung für die Er-hebung des Hauses. Die antike Pflicht der Pietät, der nur die Bewahrung derFamilieneinheit oblag, ist im Christcnthum unendlich erweitert und in Beziehung ge-setzt zu den höchsten Aufgaben der Menschheit. Es gilt für das Weib nicht wenigerals für den Mann, das Reich Gottes zu bauen, und daß das Weib berufen ist, dem-selben Herrn zu dienen, wie der Mann, das ist eben seine Freiheit und Erhebung.Aber wenn alles Wirken für die ewigen Zwecke des Himmelreichs ein Dienen ist,so ist doch dieser Dienst, sofern er als Wirkung des Menschen auf den Menschen be-trachtet wird, nothwendig wiederum an den Gegensatz des Herrscheus und Dienensgebunden. Dieser Gegensatz, der das ganze Leben der Menschen durchdringt und daherauch in jedem einzelnen wirksam wird, ist auf principielle und habituelle Weise an denGegensatz der Geschlechter geknüpft, wie schon der psychologische Unterschied der vor-herrschenden Spontaneität auf der männlichen, und der vorherrschenden Receptivitätauf der weiblichen Seite cs ausspricht. So ist die natürliche Ordnung Gottes, daßdas Weib Gott dienen soll in der habituellen Form des persönlichen, den Ihrigengewidmeten Dienstes, daß aber der Mann Gott dienen soll in der vorherrschendenRichtung auf Beherrschung anderer. Und diese Ordnung der Natur hat das Christen-thum mit schärfster Betonung des Geschlechtsunterschiedes aufrecht erhalten, ja es hatsie geheiligt und erläutert durch den Vergleich des ehelichen Bandes mit dem Ver-hältnis Christi zur Gemeinde.
Zweierlei ist es überall, worauf das Neue Testament in den sittlichen Vor-