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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Mädchemrzichung.

Gefühle. Das Haus bietet aber auch dem Bewußtsein jene ersten objectiven That-sachen, Ideen und Verhältnisse dar, welche das Gefühl mit einem religiösen Inhalteerfüllen können. Vater und Mutter werden ewig die wahrsten und tiefsten Symboleder göttlichen Macht und Liebe bleiben. Und hier trifft denn in auffallender Weisedie psychische Organisation der weiblichen Natur zusammen mit der Ausgabe des häus-lichen Lebens. Denn wenn der Vater das Haupt der Familie ist, so ist die Gattin,die Mutter die Seele desselben; sie ist in ihrer vorherrschenden,Innerlichkeit selbst dasUrbild dessen, was das häusliche Leben sein soll: ein Herzensleben, ein Gemüthsleben.Ebendaraus erklären sich so viele Aeußerungen über die Geschlechtsdifferenz, welchedarauf hinausgehcn, daß an dem Weibe zu schätzen sei, was es ist, und an demManne, was er thut; denn da das Weib unmittelbarer von der Substanz der Objecteberührt und bestimmt wird, als der Mann, der in: Gegentheil zu einer bedeutenderenspontanen Einwirkung auf die Objecte berufen ist, so kommt für das Weib allesdarauf an, durch welche Objecte cs von vornherein bestimmt ist. Wenn daherdas vorherrschende Gefühl die weibliche Natur besonders empfänglich macht, wie füralle Eindrücke, so auch für die religiösen, so fordert eben diese Erregbarkeit der Empfin-dung, damit sie nicht zur Charakterlosigkeit entarte und der Macht zufälliger Eindrückeanheimfalle, daß die Gefühle des Weibes von Anfang an in die Bahn der Reli-giosität geleitet und dauernd in ihr erhalten werden.

Daß die Frömmigkeit in dem Manne eben nur momentan, in gewißen Inter-vallen und auf gewißen Höhepuncten des Glaubens, bei der Frau aber in ununter-brochener Stetigkeit sich äußert, daß sich die Richtung des Mannes aus das Gött-liche viel dauernder in der intellectuellen Ausgestaltung des religiösen Triebes darstellt,als in der Stetigkeit religiöser Empfindungen, darin offenbart sich ein ebenso unleug-barer als bedeutsamer Unterschied der Geschlechter. Der polarische Gegensatz der Ge-schlechter läßt sich also in Beziehung auf die Form, in welcher das religiöse Leben inihnen waltet, dahin präcisircn, daß es dem Weibe eignet, continuirlich und ebendarum in jeder Lebensäußerung von vornherein religiös bestimmt, dem Mannedagegen, aus die Erkenntnis und Darstellung des Göttlichen als auf den letzten de-finitiven Zweck aller Wirksamkeit gerichtet zu sein. Wenn nun immer wiederdarauf hingewiesen werden muß, daß es sich hier nur um einen relativen Gegensatzhandelt, so wird doch für die Erziehung und den Unterricht beider Geschlechter durchjenen relativen Gegensatz ein Anhalt gegeben, der nicht übersehen werden darf. Nurmuß man diesen Unterschied nicht so ausdrücken, daß das Mädchenvorzugsweise"religiös gebildet werden solle, denn die Religion ist aller menschlichen Bildung gleichwesentlich, sondern so, daß das Mädchen von vornherein und continuirlich inder religiösen Anschauung festgehalten werden müße, während demKnaben zugemuthct werden darf und soll, von der religiösen Betrachtung der Dingeauf kürzere oder längere Zeit zuweilen abzusehen. Für die praktische Bethätigung dieserMaxime in der Erziehung und im Unterrichte wäre es indessen eine irrige Folgerungaus dem Obigen, wenn bei Mädchen wesentlich dahin gearbeitet würde, das religiöseGefühl als solches, bei Knaben dagegen dahin, den religiösen Gedanken als solcheneinseitig zu wecken. Soll das Gefühl der weiblichen Seele zum religiösen Gefühleerhoben werden, so ist eben nothwendig, daß dem Mädchen in allen Gebieten des Lebensund Wissens die religiösen Beziehungen zum Bewußtsein gebrachtwerden. Nicht daher in dem eigentlichen Religionsunterrichte, obwohl auch in diesemgewiße Unterschiede der Behandlung nöthig werden, auch nicht immer in einer exten-siven Erweiterung desselben ist die Bethätigung der Maxime, daß das Mädchen inder religiösen Lebensanschauung erhalten werden müße, zu suchen, vielmehr darin, daßbei allem, was das Mädchen lernt, der religiöse Gesichtspunct in den Vordergrundgestellt und dieser, allerdings nicht auf tendenziöse und einseitige Weise festgehaltenwerde. Hier überall ist es nicht eine gefühlsmäßige, sentimentale und weichliche Dar-stellung, am wenigsten eine solche, die darauf ausgeht, gewaltsam die Empfindung zuerwecken und die Phantasie zu entzünden, welche heilsam wirkt, sondern umgekehrtgerade eine einfache und klare Hervorhebung derjenigen Gesichtspuncte, welche dieWahrheit des göttlichen Wortes in einem neuen Lichte wiedercrkennen lassen. AlleWissensgebiete, und wir nehmen selbst das Rechnen davon nicht ganz aus, bieten eine