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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Mädchencrziehung.

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gebundenen, persönlich - gcmüthlichen Veickehrs, die Ocffentlichkeit dagegen in der Formdes gesetzlich bestimmten, allgemein-geistigen Lebens. Darum wird das häusliche Lebendurch die Sitte getragen, denn diese ist nichts anderes, als der familicnhafte undindividuelle Ausdruck der Volkseigenthümlichkeit. Was aber zur Sitte werden soll,das muß aus den tiefsten Lebensbedingungen, aus der Natur und der Geschichte einesVolkes hervorgegangen sein, und alles, was von dieser Art ist, soll auch zur Sittewerden. So dringen die religiösen und politischen, die künstlerischen und alle anderenInteressen des nationalen Lebens in das Haus und erst dort ist die volle und rechteHäuslichkeit, wo diese Interessen in der ganzen Sitte des Hauses einen Ausdruck undeine Pflege gewonnen haben. In diesem Sinne ist dann der paradoxe Satz W. H. Riehls(die Familie S. 61)daß das echte Familienleben an sich schon eine Form desöffentlichen Lebens sei," zu verstehen, und so erfüllt sich das Wort I. I. Wagners,daß sich das Volk in seinen Familien selber anschauc. Blicken wir von hier aus aufdas Weib, welches die eigentliche Repräsentantin und die Trägerin des häuslichenLebens ist, so ergeben sich daraus sehr wichtige Folgerungen für das Wesen der weib-lichen Bildung. Findet sich die Bethätigung eines Factors des nationalen Lebensvorzugsweise nur in der Qcffentlichkcit, dringt das Interesse dafür nicht in die Häuserund Familien, so hat ein solcher Factor keine Wurzel im Volke. Mit Recht erwartenwir darum erst dann ein wahrhaft kirchliches Leben wiedcrkehren zu sehen, wenn derhäusliche Gottesdienst wieder hergestellt sein wird. Aber mit den patriotischen, bürger-lichen, künstlerischen Interessen ist es dasselbe; sie wollen und sollen alle ihre tiefsteWurzel im Familienleben finden. Verhält cs sich aber so, so muß auch das Weibfür diese Interessen Sinn und Verständnis haben. Der richtige Begriff der Häuslich-keit schließt daher die geistige Bildung keineswegs aus, sondern fordertdieselbe vielmehr. Am wenigsten ist es zuläßig, das Wesen der Häuslichkeit aufdie Haushaltungskunst zu beschränken, denn diese ist selbst ohne Bildung nicht denkbar.Die Entdeckungen der Naturwissenschaften, die Vortheile des freieren Handelsverkehrs,die Fortschritte der Gewcrbsthätigkeit und der gesammten Industrie üben auf dasHaus einen fortdauernden und unermeßlichen Einfluß, den zu würdigen, in seinen gefähr-lichen Wirkungen abzuwehrcn, in seinen heilsamen zu benutzen, nur eine gebildete Frauvermag. So hat z. B. das Spinnen und Weben, worin die deutsche Hausfrau einstihren Reichthum und ihren Ruhm fand, für unsere Zeit diese Bedeutung nicht mehr,seitdem die Handarbeit gegenüber der Fabrikindustrie zur Verschwendung geworden ist;und cs ist keine Frage, daß mit dem Zurücktrcten dieser Beschäftigung das gesammtehäusliche Wirken der Frauen in ein gcwißes Schwanken gerathen ist. Amalie Marschner(Der Erziehungsberuf der Frauen S. 89) hat sehr gut die sittliche Wirkung dar-gestcllt, welche mit dem Spinnrocken dem deutschen Hause verloren gegangen ist. Aberso wahr dies ist, so bleibt es noch immer eine rühmliche und wichtige Eigenschaft einertüchtigen Frau, die Qualität des Gewebes, welches sie kaufen will, beurtheilen zukönnen. Selbst das Spinnen und Weben sollte ihr nicht so ganz fremd sein, denn

was im großen und ganzen gilt, gilt noch nicht für jeden spccicllcn Fall. Es giebt

noch Localitäten, es giebt noch mancherlei Zustände, in denen namentlich das Spinnenwohl angebracht ist, denn eine gute Wirthin weiß, daß auch der geringste Erwerb, derunter gcwißen Umständen möglich ist, in sittlicher und ökonomischer Hinsicht einen

unschätzbaren Werth hat gegenüber der Unthätigkeit und Trägheit, welche ohne jenen

Erwerb eintrcten müßte. Ganz ähnliche Veränderungen sind cingctretcn in der Artder Ernährung, in allen Puncten der leiblichen Diät, in der Beleuchtung, in der Aus-stattung unserer Zimmer und Häuser, in den Mitteln, die Reinlichkeit derselben aufrechtzu erhalten u. s. w. Wenn es in alle dem, ganz so, wie auf den allgemeinsten Lebens-gebieten, eine gewisse Berechtigung des Alten und eine solche des Neuen, einen Scheinund eine Wahrheit des Calculs, einen Unterschied giebt zwischen dem, was nothwendigesBedürfnis und was Luxus ist, so ergiebt sich, daß eben zur rechten Führung desHaushaltes neben gewißen sittlichen Eigenschaften auch eine intellcctuelle Bildung not-wendig ist. Aber auch die Art und Eigenthümlichkeit intellectuellerBildung der Frauen wird durch die wohlverstandene Bedeutung des häuslichen Lebensund durch den häuslichen Beruf des Weibes gegeben. Denn wie harmonische Gesammt-bildung aller Kräfte dem Weibe überhaupt entspricht, so fordert auch das Haus von