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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Mädchenerziehung.

seines Weibes ist, sondern es entwickelt sich auch eine höchst gefährliche Abstractionin der Ansicht von dem, was für die Pflicht und die Tugend der Frauen gehaltenwerden mäße. Denn es werden dann gcwiße Forderungen wie die der Nachgiebigkeit,der Milde, der Freundlichkeit an die Spitze von allem gestellt, was die Frau demManne schuldig sei. Aber sobald diese in reflectirtcr Absichtlichkeit geübt werden,hören sie auf, das zu sein und zu wirken, was sie sein und wirken sollen, und werden,wenn es im Herzen sonst nicht recht bestellt ist, wohl gar dazu angewendet, dem natür-lichen und gottgeordneten Uebergewichte des männlichen Willens in unlauterer Weiseentgegen zu wirken. So dringt in die Ehe die gemachte, mit Bewußtsein geübteSentimentalität hinein, welche der Tod des reinen Gefühls ist. Ja so wird schonin das Mädchen, dem Manne gegenüber, ein Zug von Absichtlichkeit gepflanzt, der denzarten Blumenstaub echter Jungfräulichkeit nothwendig von der Seele abstreist. Fürdie Ehe zu erziehen ist schon darum ein vergebliches Unternehmen, weil niemand denCharakter des künftigen Gatten, und also niemand die speciclle Aufgabe, welche dieconcrete Gestaltung der Ehe dem Weibe stellen wird, kennt. Für die Ehe erziehenkann niemand als der Gatte selbst. Immer wird die Ehe gerade so, wie die keimendeLiebe, als der Ausdruck der unmittelbaren Beziehung der Person zur Person, allesausschließen, was durch Belehrung oder praktische Maximen ein solches Verhältnis imvoraus gestalten will. Und wo bleiben denn alle die Mädchen, die nicht heirathen?Sollen sie wirklich angesehen werden als Wesen, die ihre Bestimmung verfehlt haben?Aber die Erfahrung lehrt ja täglich, daß solche Wesen den segensreichsten Einfluß aufihre Umgebung ausüben und daß sie dies oft thun in der weiblichsten Art. Die eigent-lichen Wesensbestimmungen der Weiblichkeit, die Häuslichkeit und die Mütter-lichkeit, sind keinem Weibe fremd und können auch ohne die Eingehung der Ehe vonjedem Weibe geoffenbart und geübt werden. Wenn die Geschichte so viele Mütterpreiset, welche in den Herzen ihrer Söhne die Keime künftiger Heldengröße, Glaubens-stärke und sittlicher Hoheit geweckt haben, so nennt sie neben den natürlichen Mütternauch geistige Mütter, die dasselbe gethan. Warum endlich fällt es niemanden ein,den Mann für die Ehe zu erziehen? Isis nicht eben darum, weil wir nur zu sehrdaran gewöhnt sind, das weibliche Leben an sich geringer anzuschlagen als das männ-liche, weil wir in der Ehe den Mann nicht nur als das Haupt, das er ja nachdem Willen Gottes sein soll, sondern gleich als den ganzen Menschen denken,dem dann das Weib nur noch als ein Appendix ncbenhergeht mit dem Aufträge,gcwiße Pflichten zu erfüllen, die es eben darum erlernen müße? An diesem ganzenquantitativen Unterschiede des Geschlechtscharakters, der solchen Theorien zu Grundeliegt, offenbart sich eben die heidnische Grundlage derselben, denn das Christenthumkennt nur einen qualitativen Unterschied, einen Unterschied der gleichberechtigten Gabezwischen Mann und Weib.

Viel tiefer in der Wahrheit ist diejenige Ansicht gegründet, welche die Mädchen-erziehnng vor allen Dingen auf die Häuslichkeit gerichtet wissen will. Wohl-verstanden enthält sie vielleicht die ganze Wahrheit der Sache. Schleier-macher hat das eigentliche Verhältnis zwischen Weib und Mann ans den Ausdruckgebracht, daß es im allgemeinen dem zwischen Haus und Öffentlichkeit entspreche,und damit wird die Ansicht aller Völker und Zeiten auch am meisten übereinstimmen.Es kommt aber darauf an, wie dies Verhältnis zwischen dem häuslichen und öffent-lichen Leben gefaßt wird und welchen Inhalt man beiden Sphären vindicirt. Jemehr in einer Zeit eine Ueberschätzung des öffentlichen Lebens hervortritt,desto beschränkter und niedriger wird die Sphäre des häuslichen Lebens gedacht. Undso identificiren auch in unseren Tagen die meisten von denen, welche die Häuslich-keit zum Principe der Mädchenerzichung machen wollen, die Häuslichkeit ohne weiteresmit der H aus Haltung skunst. Sie dringen vor allem darauf, daß die Mädchenzu tüchtigen Wirtschafterinnen und allenfalls zu Kinderpflegerinnen gebildet werden,und erwarten davon die Heilung des socialen Uebels.- Aber sie nehmen nicht war,wie sehr durch diese ganze Richtung das Haus seiner tieferen Bedeutung beraubt wird.Häusliches und öffentliches Leben sind gleichberechtigte Factorenim Leben des Volkes und mäßen den ganzen Inhalt der nationalenEntwicklung zur Erscheinung bringen, nur das Haus in der Form des natürlich