Miidchcnerziehung.
19
die weibliche Bildung so oft vorzugsweise in dieser Richtung gesucht wird, manchenErklärungsgrund, wie den, daß gerade der Unterricht in diesen Gegenständen durchleicht bemerkbare Fortschritte erwas ermunterndes für alle Theile hat, daß er also dochgewiße, einem jeden sichtbare und hörbare Resultate zu liefern pflegt; aber der tiefsteund allgemeinste Grund dieser Vorliebe ist dies nicht. Die Einseitigkeit und die Rast-losigkeit, mit welcher die Ausbildung dieser Fertigkeiten angestrebt wird, sowie dieimmer weiter um sich greifende Richtung auf Virtuosität in denselben, deutet vielmehrziemlich bestimmt darauf hin, daß man die Mädchen mit diesen Fertigkeiten schmückenwill. Diese ganze Richtung der weiblichen Erziehung, wo sie in solcher Einseitigkeitauftritt, ruht auf der Ansicht, daß das Weib vornehmlich gefallen, daß cs durch äußereVorzüge gefallen solle, daß es sich dort zur Geltung bringen müße, wo nicht derErnst des Lebens, sondern das Bedürfnis der Erholung die Menschen zusammcnführt,daß das Weib also nicht zur Gefährtin des Mannes im vollen Sinne des Wortes,sondern nur zur heitern Genossin in seinen Ruhestunden, zum anmuthigen Spielzeugseiner Launen dienen solle. — Wie herabwürdigcnd diese Ansicht für das weiblicheGeschlecht ist, ebenso gefährlich ist diese einseitige Pflege der Talente für die Entwicklungedler Weiblichkeit. Tenn wenn es bei diesen Dingen ihrer Natur nach doch wesentlichdarauf ankommt, daß die Anlagen der Mädchen zur Schau gestellt werden, so wirdgerade dadurch die weibliche Natur auf das empfindlichste in ihrem Wesen gefährdetund verletzt. Dazu kommt noch etwas anderes. Der Reiz edler Weiblichkeit bestehtin der von dem Gemüthe getragenen, harmonischen Gesammtbildung aller geistigenKräfte. Wird diese Harmonie durch irgend eine einseitig hervortretende Kraft zerstört,so wird eben mit dieser L-chönheit der Seele auch die Weiblichkeit selbst aufgehoben.Auch werden nur zu leicht Interessen, z. B. die der Häuslichkeit, getödtet, ohne welcheein Weib nicht gedacht werden kann. Der Neigung des weiblichen Gemürhes zurUebertrcibung und Leidenschaftlichkeit, die aus dem Borwalten des Gefühles und derPhantasie so leicht sich entwickelt, kommt nichts so sehr entgegen, als die Pflege derkünstlerischen und geselligen Talente, und es erwachsen auf diesem Boden die aller-traurigsten Entartungen des weiblichen Lebens. Keine Leistung und wäre sie dievollendetste, kann einem Weibe zur Entschuldigung gereichen dafür, daß sie ihren natür-lichen Pflichtenkreis vernachläßigt; und da ein solcher niemals fehlt, wo man ihn nurzu suchen weiß, so wird die Ausbildung aller geselligen und künstlerischen Talente beidem Weibe immer nur den Zweck haben dürfen, dasselbe noch tüchtiger zu machen fürseinen natürlichen Beruf. Alle diese Talente eines Weibes sollen dazu dienen, dasFamilienleben zu verschönern, zu vergeistigen und zu veredeln, aber nicht dazu, an denStätten der Zerstreuung Triumphe der Bewunderung zu erstreben. Die einseitigePflege der Talente gehört einer gefährlichen, bedenklichen und im Grunde das Weiberniedrigenden Richtung der Zeit an, die zuletzt bei den: nur zu oft vorhandenen Mangelwirklicher Befähigung für diese Tinge und bei der oberflächlichen Art, sie zu treiben,auch dadurch sich hart genug bestraft, daß sic das Weib in den Augen des ernstenund tüchtigen Mannes mehr herabsetzt als erhebt.
In Frankreich ist in neuerer Zeit mehr als einmal geradezu die Mahnung aus-gesprochen worden , daß man die Mädchen für die Ehe, ja daß man sie zur Liebeerziehen solle. Die Bestimmung des Weibes wird in der Ehe gesucht, und auf diesealles bezogen, was für die Mädchen gethan wird. Aber auch in diesem Gedankenliegt eine entschiedene Unklarheit und eine geringschätzige Ansicht von dem weiblichenWesen. Wenn man, wie oft geschehen, den weiblichen Beruf unter dem dreifachenGesichtspuncte der Haushälterin, der Gattin und der Mutter ausfaßt-, so übersiehtman, daß der zweite Gesichtspunct den beiden andern durchaus nicht coordinirt werdenkann. Die Ehe ist nur die volle Realität des von Gott geordneten Verhältnisses derGeschlechter zu einander. Für dieses Verhältnis giebt es daher nur die beiden Grund-bedingungen, daß das Weib zur wahren Weiblichkeit, der Mann zur wahren Männ-lichkeit gereist und respective erzogen sei. Daher giebt es für das Weib in Wahrheitkeine Erziehung zur Ehe, sondern nur eine zur echten Weiblichkeit. Ist diese vorhanden,st sthssb sie sich auch in der Ehe bewähren. Wird aber die Erziehung mit bestimmterRücksicht auf die Ehe geleitet, so geht nicht nur von vorn herein die tiefe Unmittel-barkeit des Gefühles verloren, welche für den Mann der edelste Schatz im Herzen