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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Miidchemrziehung.

menschlichen Sündhafrigkcit und der allgemein menschlichen Berufung zum Heileverschwinden, hier ist das Axiom gegeben, daß die höchsten Rechte der sittlichen Per-sönlichkeit beiden Geschlechtern gemeinsame sind. Aber in diesem Axiome ist diechristlich-ethische Anschauung von dem Verhältnis der Geschlechter nicht erschöpft. DasChristenthum erkennt in diesem Verhältnisse eine Naturbestimmtheit, welche den Cha-rakter göttlicher Bestimmung trägt, und cs kann schon darum diese Naturbestimmtheitnicht gering schätzen oder übersehen. Vielmehr ist es gerade das Eigenthümliche desChristcnthnms, daß es den Unterschied der Geschlechter ebenso entschieden, wie diepersönliche Gleichberechtigung derselben betont.

Es ist ersichtlich, daß alle verschiedenen Ansichten über das Wesen der Weiblichkeitund demgemäß über die Aufgabe der Mädchenbildung an diesen beiden Momenten derchristlich-ethischen Grundanschauung des Geschlechtscharakters ihr Correctiv haben. DieVerirrungen auf diesem Gebiete lassen sich unter die beiden Hanptkategoriecn subsumiren,daß entweder in dem Gegensätze der Geschlechter die Identität der persönlichen Berech-tigung verkannt oder der Unterschied des Geschlechtscharakters übersehen wird.

Von der ersten Art ist die am weitesten verbreitete Verirrung diejenige, welchedas weibliche Geschlecht in absoluter Unterscheidung von dem männlichen als dasgeringere, das niedriger stehende ansieht. Diese Ansicht macht das Weib zur Sklavinnach dem scheinbaren Rechte der Natur. Denn sie geht aus von der sichtbaren Schwächedes weiblickwn Organismus, die bald auch als Symbol für sittliche und intellektuelleUnreife, Unvollkommenheit und Untnchtigkcit genommen wird. Wir können diese Ansichtdie antike nennen; aber die antike Geringschätzung des Weibes zieht sich bis in unsereZeiten hinein als eine Seite des Paganismus, die noch nicht überwunden ist.

Natürlich haben sich die Formen geändert, in denen diese Grundanschaunng sichin unfern Tagen ausspricht. In trivialster Weise tritt sie uns oft in der naivenFrage entgegen, was denn ein Mädchen zu lernen brauche, in dem ironischen Seiten-blicke auf die Bemühungen, welche die neuere Zeit der weiblichen Erziehung zuwendet,und welche zum größten Theile als ein entbehrlicher Luxus, wenn nicht gar als Ver-kehrtheit angesehen werden. Man geht nicht so weit, den weiblichen Unterricht in seinenSchwächen anzugreifcn, und diese aufzudccken, sondern man läßt sich die Vortheiledesselben gefallen; aber man geht innerlich viel weiter, man zerstört die unterrichtlichenund erziehlichen Zwecke durch geringschätziges Urtheil, durch Widerstand gegen jedenErnst der Forderung, durch Verleugnung jedes bestimmten Principes für die Erziehungder Mädchen. Fenelon in seinem noch immer lesenswerthen Büchlein »Us l'scknoatiouckss Mos« beginnt mit der Klage über diese Gewissenlosigkeit.Nichts," sagt er,wird mehr vcrnachläßigt, als die Erziehung der Mädchen. Gewohnheit und Launeder Mütter entscheidet in dieser Angelegenheit über alles. Die Erziehung der Knabengilt für eine der wichtigsten Angelegenheiten des öffentlichen Wohles, und wiewohl manin derselben nicht weniger Fehler macht, als in der der Mädchen, so hegt man dochwenigstens die Uebcrzeugung, daß große Erleuchtung dazu gehöre, um einen glücklichenErfolg darin zu erzielen. Für die Mädchen dagegen, meint man, sei es genug, wennsie lernen, dereinst die Wirthschaft zu führen und ihren Männern zu gehorchen re."Daß dieses Urtheil noch heute in weitem Umfange Geltung hat, bedarf keiner Ver-sicherung. Auch heute beruft man sich gern auf die naheliegende Bestimmung desMädchens für die häuslichen Geschäfte und für die Ehe, um jede weitere Sorge ab-zuschneidcn. Aber mit dem häuslichen Berufe selbst ist es dieser Gesinnung keineswegsErnst, sonst würde erkannt werden, daß eben diese Seite des weiblichen Berufes einesehr ernste Rücksicht auf die Erziehung der Mädchen fordert.

Sehen wir ab von den rohen und niedrigen Erscheinungen dieser Art, so bietetdoch die Gegenwart weit verbreitete Richtungen dar, welche auf verwandten Anschauungenberuhen. Dahin gehört diejenige Erziehung der Mädchen, welche es hauptsächlich aufdie Pflege der sogenannten Talente abgesehen hat, zu denen in erster Linie die Musik(Klavierspiel, Gesang), ferner das Zeichnen, Malen, Tanzen, das Sprechen fremderSprachen w. gerechnet wird. Man wird keins dieser Gebiete der weiblichen Bildungüberhaupt verschließen wollen, ja noch mehr, sie werden vielleicht alle für die höherenStände als relativ nothwendige angesehen werden müßen und der hervortretendenAnlage wird auch hier eine Berechtigung einzuräumen sein. Auch giebt es dafür, daß.