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Luther.
„Lies du, liebe Käthe, den Johannen: und den kleinen Katechismum, davon du sagtest:Es ist doch alles von mir in dem Buch gesagt." Auch in den Tischreden rühmt erden Katechismus als die beste und nöthigstc Lehre in der Kirche und mahnt, daßmau nicht disputire von heimlichen und verborgenen Dingen, sondern einfältig beimKatechismo bleibe. Dort findet sich auch eine Zusammenstellung kurzer Sprüche desKatechismus, wie ihn Luther in seinem Hause lchretc.
Der Katechismus Luthers, der bereits zu MathesiuS Lebzeiten in mehr als100,000 Exemplaren gedruckt war, wurde bald in ganz Deutschland die Norm fürden Religionsunterricht. Der Segen davon wurde überall sichtbar. Schon 1530schreibt Luther an den Kurfürsten Johann: „Es wächst gesund daher die zarte Jugendvon Knäblein und Mägdlein mit dem Katechismo und Schrift so wohl zugericht, daßmirs in meinem Herzen sanfte thut." Die Katechismuslehre wurde ein Hauptbestand-thcil des Gottesdienstes und bald wurde es allgemein, daß die Nachmittagspredigtfür den Katechismus bestimmt war. Bei den späteren Visitationsfragen wurde in derSchule zuerst ermittelt, ob der Küster auch den Katechismus nebst Luthers geistlichenGesängen und den Psalmen fleißig in der Schule lehre. In dem von Mclanchthonausgearbeitctcn Schulplaue des Bisitationsbüchleins (1528) wird für „den andernHaufen" ein Tag, Sonnabend oder Mittwoch, zu christlicher Unterweisung bestimmt.Alle Kinder, eines nach dem andern, sollen das Vater Unser, den Glauben und diezehn Gebote hcrsagcn: der Schulmeister seinerseits soll bald das eine, bald das anderedieser Stücke richtig und einfältig erklären und den Kindern wohl einbildcn, was nothist recht zu leben, als Gottesfurcht, Glaube, gute Werke. Daneben soll der Schul-meister etliche in diesem Sinne ausgewählte Psalmen zu lernen geben, als den 112.34. 128. 125. 127. 133. Au diesem Tage soll mau noch Matthäum expouircn (ausdem lateinischen Texte), auch wohl die Briefe an Timothcum und die 1. EpistelJohannis, wenn die Kinder erwachsen sind, oder die Sprüche Salomonis, aber keineanderen schwierigeren Bücher.
Aus diesem Plane ersieht man zugleich, in welchem Umfange die Erklärung derheiligen Schrift damals in den Schulen getrieben wurde. Zu dieser Auswahl,die nicht einmal für alle bestimmt war, kam nur noch die Lesung der Psalmen undeinzelner Abschnitte aus dem Neuen Testamente in den Wochengottesdiensten durch dieSchüler. Man ist oft zu weit gegangen, indem man geglaubt hat, daß unmittelbardurch die Reformation die Bibel das Lesebuch in der Schule und Familie gewordensei. Die Unterweisung in Gottes Wort war in jener Zeit hauptsächlich auf denKatechismus gestellt, den mau auch „der Laien Biblia" nannte. Von der Bibel selbstwurde vorzugsweise das Neue Testament gebraucht, von dem Alten am meisten derPsalter und die Sprüche Salomonis. Aber der große Grundgedanke war ausgesprochenund fand in immer weiteren Kreisen Geltung, daß die heilige Schrift in allen Schulendie vornehmste Lection sein müße. Es ist unschätzbar, welche Bedeutung die Bibel-übersetzung Luthers für das Schulwesen hatte. Wie dadurch die Muttersprache eineBerechtigung in den Schulen bekam und durch sie der Grund für allgemeine Bildunggelegt wurde, so wurde auch die Bibel allmählich ein Bilduugselement, welches ebensoder Erweiterung alles Wissens diente, wie es geschickt machte für ein Verständnis derDinge auf allen Gebieten des geistigen Lebens. In dem poetischen Gehalte der hei-ligen Schrift fand die Poesie und Gesangeskunst gleichmäßig Nahrung und Befriedi-gung. Der reiche Liederquell, der daraus hervorgieng in dem evangelischenKirchengesange, hauptsächlich dem Choräle, hatte von Anfang an eine volkstüm-liche Bedeutung, indem diese Lieder anfangs mehr in Häusern und Werkstätten, aufMärkten und Feldern gesungen wurden, als in den Kirchen. Die Lutherischen Kirchen-lieder, deren er 37 dichtete, wurden ein Gegenstand des Lernens in den Schulen. Inder „ersten und alten Vorrede über die geistlichen Lieder" sagt er, daß er gern wollte,„daß die Jugend, die doch sonst soll und muß in der Musica und andern rechtenKünsten erzogen werden, etwas hätte, damit sie der Buhllieder und sleischlischen Ge-sänge los würde und au derselbigen Statt etwas heilsames lernete und also das Gutemit Lust, wie den Jungen gebühret, eingienge. Auch daß ich nicht der Meinung bin,daß durchs Evangelium sollten alle Künste zu Boden geschlagen werden und vergehen,