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Luther.
lange solche unflätige Worte. Das Wort des Herrn: „Wer ärgert dieser Geringsten-einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals ge-hänget würde und er ersäufet würde im Meer, da es am tiefsten ist" beweise genug-sam, wie groß die Sünde eines den Kindern gegebenen Aergcrnisses sei, da Gott selbstauf den Todtschlag keine leibliche größere Strafe gesetzt habe.
Lutber klagt bitter, daß die Eltern ihre Pflicht nicht in der rechten Weise er-füllen. ' Von dieser Vernachlässigung der Kinderzncht komme es allein her, daß soungezogen und wild Volk unter den Deutschen und Christen ist, dergleichen man keinein der Welt findet. Insbesondere straft er die Gleichgültigkeit, mit der die Schul-bildung vernachlässigt wird. „Mein lieber Geselle, ruft L., hast Du ein Kind, daszur Lehre geschickt ist, so bist Du nicht frei, dassclbige aufzuziehen, wie Dichs gelüstet,stehet auch nicht in Deinem Willküre, damit zu fahren, wie Du willt, Du bist Gottschuldig, seine beide Regiment zu fördern. Gott bedarf eines Pfarrherrs, Predigers^Schulmeisters in seinem" geistlichen Reick, und Du kannst ihm dcnselbigen geben undthust cs nicht: ficke, da raubest Du nicht einen Rock den Armen, sondern viel tausendSeelen aus dem Reich Gottes und stoßest sie in die Hölle, so viel an Dir ist: dennDu nimmst die Person weg, die dazu tüchtig wäre, solchen Seelen zu helfen." Mitheiligem Gifer wandte sich daher der Reformator der Aufbesserung der Schulenzu, die er für das unentbehrlichste Mittel erkannte, „beide Regiment Gottes", dasgeistliche wie das weltliche, zu fördern.
Zwar die Idee einer deutschen Volksschule lag L. noch fern. Er hatte, wo erSchulen empfahl, meist gelehrte Schulen im -sinne, in denen die elastischen Sprachenobenan standen. Als Ziel schwebte ihm immer die Bildung derjenigen vor, die Pre-diger werden wollten oder weltlich Regiment führen. Allein wenn auch so die Bildungausschließlich noch durch das Lateinische bedingt blieb, so wurde doch durch L?s Bibel-übersetzung, den Katechismus und seine geistlichen Lieder zugleich die erste Veranlassungzur Einführung eines neuen zeitgemäßen Volksunterrichtes gegeben, der seine Grund-lage entschieden in der religiösen Bildung hatte.
Das volksthümliche Element der L.üchen Pädagogik lag somit recht eigent-lich in dem Religionsunterrichte, der bald durch ihn eine neue Bedeutung und-eine neue Gestalt gewann. Wie er alle Ordnung der Kirche und des Gottesdienstesnicht um deren willen stellen wollte, die bereits Christen sind, sondern am allermeistenum der Einfältigen und des jungen Volkes willen, welches soll und muß täglich inder Sckrift und Gottes Wort geübt und erzogen werden, so hatte er auch die Jugendbesonders im Auge bei den katechetischen Arbeiten, in die er die Hauptstücke des Christen-thums zusammenfaßtc. Nachdem Luther bereits 1516—17 über die zehn Gebote, 1517in den Fasten über das Vater Unser gepredigt hatte, gab er 1518 die „Auslegungdeutsch des Vater Unsers für die einfältigen Laien" heraus, darauf 1520 die „kurzeAuslegung des heiligen Vater Unsers vor sich und hinter sich" und endlich in dem-selben Jahre die bereits erwähnte „Kurtze Form die zehen Gebote, Glauben und VaterUnser zu betrachten." In der Vorrede zu derselben schrieb er, daß es nicht ohne son-derliche Ordnung Gottes geschehen sei, „daß für den gemeinen Christenmenschen, dendie Schrift nicht lesen mag, verordnet ist, zu lehren und zu wissen die zehen Gebote,,den Glauben und das Vater Unser. In welchen drehen Stücken fürwahr alles, wasin der Schrift stehet und immer gepredigt werden mag, auch alles was einem Christennoth zu wüsten, gründlich und überflüssig begriffe,: ist. Und mit solcher Kürze undLeichte verfasset, daß niemand klagen noch sich entschuldigen kann, was ihm noth istzur Seligkeit, denn dreh Dinge sind noth einem Menschen zu wissen, daß er seligwerden möge. Das erste, daß er wisse, was er thun und lassen soll. Zum andern,wenn er nun stehet, daß er es nickt thun noch lassen kann, daß er wisse, wo ers-nehmen, suchen und finden soll, damit er dassclbige thun und lassen möge. Zum dritten,daß er wisse, wie er es suchen und holen soll." Auch an andern Orten spricht er sichüber die Wichtigkeit dieser drei Stücke auf das nachdrücklichste aus. In den methodi-schen Vorschriften, die er darüber in seiner Schrift von der deutschen Messe und Ord-nung des Gottesdienstes s1°526) gab, zeigte er, daß er es verstand zu der Fassungs-kraft der Kinder herabzustcigen. Er wollte, daß dieselben die ganze Summa deschristlichen Verstandes in zwei Stücke, als in zwei Säcklein fassen im Herzen, welches