Luther.
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man die Kinder also ziehen, nicht daß sie ihre Eltern fürchte», sondern daß sie wissen,daß sie Gott erzürnen, wenn sie ihre Eltern nicht fürchten." — Keiner sollte ein Vaterwerden, er hätte denn gelernt, daß er seinen Kindern kann predigen die Gebote Gottesund das Evangelium, also daß ein Vater eigentlich ein Bischof und Pfarrhcrr seinesHauses sein soll. L. hält cs für die Schuldigkeit eines jeglichen Hausvaters, daß erdie Woche zum wenigsten einmal seine Kinder und Gesinde Umfrage und verhöre, wassie von Religion wissen, und wo sie es nicht können, mit Ernst dazu halte. Ins-besondere verlangte er, daß die Eltern ihren Kindern etliche sonderliche Gebctlein ver-ordnen und sprechen lassen, wenn sie zu Tisch oder Bette gehen wollen, in welchen sicdie Sünde bekennen und Gott beide, ihre eigene und gemeine Gefahr und Noth vor-tragen. Von den Predigten in den Kirchen erwartete er für die Jugend wenig, dadie Kinder nicht viel davon lernen und behalten. Darum wollte er, daß die Elternin den Häusern dasselbige, das sie in der Kirche gehört haben, ihre Kinder undGesinde fleißig lehren und darüber verhören. Das Straf amt der Eltern hielt erfür ein Werk der göttlichen und christlichen Liebe. Eltern sollen ihre Kinder auch mitRuthen und Schlägen züchtigen, auf daß etwas gutes aus ihnen werden möge, gleichwie das deutsche Sprüchwort lautet: Je lieber Kind, je schärfere Ruthen. Es ist„ein Werk der Barmherzigkeit, das Gott belohnen will, wo böse Kinder und Gesindim Hause ist, daß man einen eichenen Butterwecken in die Hand nehme und schmiereihnen die Haut damit voll. Solches ist eine geistliche Salbe wider der Seelen Krank-heit, die da heißt Ungehorsam gegen Vater und Mutter." Ein solches Zürnen derEltern soll aber kein böser Zorn sein, sondern ein Zorn der Liebe. Welcher Zorndazu dient, daß die Liebe hernach desto hitziger und ganz neu wird. Darum lobte L.die Eltern, die, wenn sie die ungehorsamen Kinder nach Verdienst gestrafet haben, ihnendarnach wieder gute Worte geben und sie also gleichsam wieder versöhnen. Kurz undtreffend sagte er über das Verhältnis der Strenge zur Milde: Man muß also strafen,daß der Apfel bei der Ruthe sei. Aber die Eltern sollen sich auch nicht durch falscheNaturliebe verblenden lassen, daß sie ihre Kinder hätscheln und verzärteln, indem siedas Fleisch derselben mehr achten denn die Seelen. „Eltern, die ihre Kinder allzusehrlieben, lassen ihnen den Muthwillen, die thun nichts anderes, als daß sie dieselbenhassen. Sie erziehen einen Bösewicht, den sie einmal zum Rabenstein begleiten müßcn,und der seinen eigenen Eltern die Nasen abbeißet."
In dem Gebote der Schrift, daß Kinder ihren Eltern gehorsam sein sollen indem Herrn, findet L. für die Eltern die Mahnung, daß sie nicht allein Eltern seinsollen nach dem Fleisch, wie die Heiden. „Wo die Eltern, sagt er, die Kinder weltlichziehen, sollen die Kinder ihnen in keinem Gebote gehorsam sein. Denn Gott ist inden ersten drei Geboten höher zu achten, denn die Eltern. Weltlich aber ziehen,heiße ich das, so sie lehren nicht mehr suchen, denn Lust, Ehre und Gut oder Gewaltdieser Welt." Er klagt darüber, daß viele allein darauf gedenken, daß sie die Kinderschmücken und machen, daß sie gesehen werden vor der Welt; bereiten ihnen Neich-thum, hängen den Drccksack Gold an den Hals. „Die verderben ihre Kinder, dieihnen Anlaß geben, die Welt lieb zu haben, die nicht weiter für die Kinder sorgen,denn daß sie tapfer einhertreten, springen, tanzen und sich zieren können, den Leutengefallen, ihre Begierden reizen, sich der Welt gleichstellen." Andererseits aber will erkeineswegs, daß die Jugend auf m önchi s ch e Weise von der Welt abgesondert werde.„Salomon, sagt er, ist ein rechter königlicher Schulmeister. Er verbeut der Jugendnicht, Lei den Leuten zu sein und fröhlich zu sein; denn da werden eitel Hölzer undKlötze draus. Es ist der Jugend gefährlich, also allein zu sein, also gar von Leutenabgesondert zu sein. Darum soll man junge Leute lassen hören und sehen und allerleierfahren; doch daß sie zur Zucht und Ehren gehalten werden. Jungen Leuten istFreude und Ergötzen so hoch vonnöthcn, wie ihnen Essen und Trinken ist; denn siebleiben auch desto eher bei Gesundheit".
Ten größten Werth aber legt L. darauf, daß die Eltern sich befleißigen, daßihre Kinder nicht böse, ärgerliche Excmpel sehen und dadurch verletzt und ver-führt werden. Insbesondere sündigen die schwer, die schandbare Worte reden vorjungen, unschuldigen Knaben und Mägdlein. Denn das zarte und unerfahrene Alterwird gar leichtlich mit solchen Reden beflecket, und was noch ärger ist, cs behält gar