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Locke.
Letztere Forderung an den Erzieher legte es L. nahe, der Hofmeiitcrerziehung:vor der Schulerzichung entschieden den Vorzug zu geben, umsomehr da seine persön-lichen Erfahrungen ihn den Schulen abgeneigt gemacht hatten und seine pädagogischeThätigkeit auf einzelne Sprößlinge vornehmer Familien sich bezog. In dieser ein-seitigen Bevorzugung der Hofmeistercrziehung besteht die Hanptschwäche der L.'schenRathschläge, und L. hat damit, obwohl er der Pflichten des Zöglings gegen die Gesell-schaft stets eingedenk bleibt, doch der egoistischen Jsolirung desselben, in welcher späterRousseau über dem Rechte des Zöglings die Rechte der Gesellschaft an diesen völligübersah, wesentlich Vorschub geleistet.
In einem abschließenden § leitet L. von diesen „Gedanken über Erziehung einesjungen Mannes im allgemeinen" zu „einer umständlicheren Betrachtung derverschiedenen Zweige des Erziehungsgeschäftcs" über. Er leitet dieseein mit der Bemerkung: „Was jeder gesittete Mann, der für die Erziehung seinesSohnes einige Sorge trägt, ihm außer dem Erbaute an baarem Vermögen zu hinter-lasscn wünscht, ist, glaube ich, in folgenden vier Stücken enthalten: in Tugend, Klug-heit, Lebensart und Kenntnissen . . . Um zur Tugend den Grund zu legen, mußman der Seele des Menschen zeitig einen richtigen Begriff von Gott beibringenals dem unabhängigen höchsten Wesen, dem Urheber und Schöpfer aller Dinge, deruns liebt, und von dem wir alles, was wir haben, und alles, was uns gutes wider-fährt, empfangen. Als eine Folge hiervon muß man ihm auch Liebe und Ehr-furcht gegen Gott cinflößen." Mit einem so allgemeinen Begriff von Gott sollaber, nach L?s Meinung, der Erzieher sich auch begnügen, und wenn er nachher esals eine Nothwendigkeit bezeichnet, daß das Kind „das Gebet des Herrn, die Glaubens-artikel und die zehn Gebote ohne Anstoß auswendig lerne," und zwar durch wieder-holtes Vorsagen schon che es nur lesen kann; so steht das mit seiner Erziehungsthcoriein keiner organischen Verbindung, sondern bekundet nur seine Abhängigkeit von derkirchlichen Sitte seines Vaterlandes, wie denn seine philanthropischen Uebersetzer undCommentatoren darüber billig in nicht geringes Entsetzen gcrathen. Statt von derErkenntnis Gottes handelt er im weiteren Verlaufe von Beseitigung der Gespcnster-furcht Tie Klugheit ist ihm „die Kunst, seine Geschäfte in der Welt mit Ge-schicklichkeit und Vorsicht zu behandeln," und wohl zu unterscheiden von der List,„welche nichts weiter ist, als der Affe der Klugheit." „Die nächstfolgende guteEigenschaft, die ein Mann von Bildung haben muß, ist Lebensart. Der Mangelderselben äußert sich auf zweierlei Weise. Einmal durch einfältige Verschämtheit unddann durch ungeziemende Nachläßigkeit und Unachtsamkeit im Betragen. Beideswird vermieden, wenn man folgende Regel gehörig beobachtet: Habt Achtung füreuch selbst und habt Achtung für andere."
Seine Bemerkungen über Kenntnisse und Unterricht eröffnet L. mit denWorten: „Ihr wundert euch vielleicht, daß ich von Kenntnissen zuletzt rede, zumalwenn ich euch sage, daß ich sie für das unwichtigste Stück halte." In der Thatenthält denn auch, was er über dieses „unwichtigste Stück" sagt, am wenigsten er-sprießliche Vorschläge und die meisten, welche zum Widerspruch auffordcrn, indem L. dieWerthschätzung jedes Unterrichtsgcgenstandcs in höchst äußerlicher, um nicht zu sagenplumper Weise von dessen unmittelbarer Anwendbarkeit im täglichen Leben abhängigmacht, die Realien über Gebühr vor den Sprachen bevorzugt undnamentlich die bildende Kraft des Unterrichtes in den alten Sprachen völlig verkennt.Noch .verletzender ist die Art und Weise, wie er nicht etwa nur mit philiströser Seich-tigkeit, sondern geradezu mit vornehmer Roheit über die Kunst abspricht, von derenWesen und Bedeutung er gar keinen Begriff zu haben scheint. So geht cs über dieMusik folgendermaßen her: „Ich habe unter Leuten von Talent und unter Geschäfts-männern so selten einen Mann wegen vorzüglicher Geschicklichkeit in der Musik lobenoder "schätzen hören, daß ich glaube, ihr unter allen Dingen, die auf die Liste der Ge-schicklichkeit kommen können, den letzten Platz anwcisen zu müßcn." In allen diesenBeziehungen ist L. weit mehr, als Rousseau, der Vorläufer und Lehrer der Philan-thropisten geworden, wenn auch selbst diese es für nöthig Hielten, seine gar zu para-doxen Behauptungen über den Unwcrth der Kunst in etwas zu ermäßigen.
Nicht viel günstiger kann man L.'s Bemerkungen über die Unterrichtsmethode