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und für das, was er praktisch nicht erreichen konnte, durch'um so extremere theoretischeBehauptungen sich schadlos hielt, blieb L.' unter allen Stürmen des Lebens in männ-licher Besonnenheit immer sich selbst gleich, und unablässig war sein Lürcben daraufgerichtet, seine Kräfte zun: Besten seines Vaterlandes und der Menschheit zu verwenden.Während Rousseau in seinem blmils der pädagogischen Revolution ihren Codex ge-schrieben hat, ohne jedoch in dem Lande, für welches er zunächst schrieb, in dieser wiein andern Beziehungen stets wiedcrkehrcnde Rückfälle aus der Willkür der Freiheit indie Willkür der Herrschaft verhindern zu können, zeigt sich L. überall als der Mannder besonnen und ohne Lärm, aber sicherer ihrem Ziele entgegengchenden Reform.Dabei blieb er, von jeder citeln Rechthaberei frei, der Berichtigung seiner Ansichtenstets zugänglich: literarischer Ruhm war nicht die Palme, wonach er rang, und seineSchriften übergab er der Oeffentlichkeit großenteils nur auf dringendes Bitten seinerFreunde.
Dies gilt ganz besoud-rS von seinen »8omo tlion^llts oonobrnin§ säu-oation.« L.'s praktisches Interesse für die Erziehung wurde durch sein Verhältniszu Shaftcsbury erweckt. Aus der Rücksicht auf seine eigene und seines Zöglings, desjungen Shaftcsbury, schwächliche Constitution erklärt sich die starke Betonung derleiblichen Gesundheitspflege. Durch die Erfahrungen einerseits, welche er selbst inBezug auf die mechanische, äußerliche Zucht in der Schule wie in Dxsord gemachthatte, und andererseits durch die ihn: gestellte Aufgabe, einen jungen Gentleman zuerziehen, erklärt es sich, daß er einer die individuelle Anlage und Neigung des Zög-lings berücksichtigeisten eigentlichen Erziehung das Wort redet und der Privaterziehungvor der öffentlichen Schule den Vorzug giebt. Aus seiner Abneigung endlich gegenden in den englischen Schulen herrschenden abstracten Formalismus des Unterrichtes,sowie wiederum aus seiner besonderen pädagogischen Aufgabe geht die vorzugsweiseWerthleguug ans solche Untcrrichtsgegenstände hervor, welche auf das praktische Lebenunmittelbare Anwendung gestatten. Das Buch verräth auch in seiner jetzigen Gestaltnoch hinlänglich die Art seiner Entstehung aus gelegentlichen Aufzeichnungen. Eineeigentlich wissenschaftliche Anordnung ist weder angedcutct, noch vorhanden. Doch kannman im allgemeinen 3 Hanpttheile unterscheiden. Der erste 1—30) handeltvon der Erziehung zu leiblicher Gesundheit, der zweite 31—133) von den Er-ziehungsmitteln, durch welche der Zögling seinen Willen dem des Erziehers unter-ordnen lernt, und der dritte 134—217) von den durch die Erziehung zu erzielendenResultaten und insbesondere dem Unterrichte. An diese Eintheilung schließt die folgendeUebersicht des Inhaltes sich an.
L. beginnt mit den Worten: „Eine gesunde Seele in einem gesundenLeibe — das ist eine zwar kurze, aber vollständige Beschreibung eines glücklichenZustandes in dieser Welt," und motivirt dann mit Hinweisung ans seine mcdicinischenStudien, daß er zuerst und ausführlicher, als gewöhnlich, von der leiblichen Gesund-heit handelt. Im allgemeinen glaubt er seine Vorschriften dem Publicum, welchemsie zunächst und vorzugsweise gelten, in die Regel zusammensi.sscn zu können, „daßLeute aus den höheren Ständen mit ihren Kindern ebenso verfahren sollten, wie unsereehrsamen Pächter und wohlhabenden Landleute mit den ihrigen." Im einzelnen wirddann zuerst die Abhärtung des Körpers gegen die Einflüsse der wechselnden Witterungbesprochen. Gegen L.'s Bevorzugung der vegetabilischen Nahrung vor der animalischenwürde die neuere Physiologie der Nahrungsmittel vieles cinzuwendcn haben, wenigergegen die des Kernobstes vor dem Steinobst, und daß er mit dem letzteren auch dieWeintrauben verpönt, wird man „auf Schlesiens Bergen" vielleicht begreifen, aberauch der Rheinländer dem Engländer zu gute halten können. L.'s Dringen auf mög-lichste Einfachheit im Essen und Trinken und namentlich darauf, daß in der Zwischen-zeit zwischen den täglichen drei Hauptmahlzeiten den Kindern nur Brot gegeben werde,verdient alle Anerkennung, wie diese seine Warnung vor zu weichen und warmenBetten glücklicherweise auch in Deutschland mehr und mehr gefunden hat. In seinerVerwerfung zu warmer und enger Kleidung hat L. auch bereits den fruchtlosen Kampfgegen die Schnürbrüste eröffnet. Ausführlicher aber, als dieses alles, bespricht er denunschätzbaren Werth eines regelmäßigen Stuhlganges, welchen er durch consequenteHebung und eine Art von Stuhlgymnastik auch der widerstrebenden Natur glaubt