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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Locke.

Nuvistor ^.rtium promovirt werden konnte, sondern widmete sich daneben mit leben-digem Interesse und glänzendem Erfolg dem Studium von Des Cartes und denNaturwissenschasten, insbesondere der Medicin. Zu Oxford inachte L. durch einenZufall die für ihn so folgenreiche Bekanntschaft mit Lord Ashley. Letzterer fand anL. so großes Wohlgefallen, daß ein wahrhaft freundschaftliches Verhältnis zwischenbeiden Männern entstand. Für L. war diese Bekanntschaft von der größten Wichtig-keit, da Ashleys Haus einer der Hauptsammelplätze für die gesellschaftlichen und poli-tischen Größen der Hauptstadt war. In London, von wo er zur Fortsetzung seinerwissenschaftlichen Studien häufige Ausflüge nach Oxford machte, beschäftigte L. dieErziehung des damals ungefähr sechszehnfährigen ältesten Sohnes von Lord Ashley,dessen körperlicher Schwächlichkeit auch die medicinische Bildung seines Erziehers zugute kam. 1668 war L. zum Mitglied der königlichen Gesellschaft soeistx)

ernannt worden; 1670 begann er seine eingehendere Beschäftigung mit der Theoriedes menschlichen Erkennens, wurde aber der wissenschaftlichen Muße wieder entzogen,als Lord Ashley 1672 zum Grafen von Shaftesbury und Großkanzler, er selbst aberzum Lserstar^ ok tbs xrsseutations ok böN6Üt8 ernannt wurde. Einmal in dieheftigen und aufregenden politischen Controversen jener Zeit verwickelt, theilte L. mit7H D Shaftesbury Gnade und Ungnade und folgte demselben MW in die Verbannung nachHolland, ein Aufenthalt, der für seine geistige Entwicklung und schriftstellerische Thätig-keit besonders fruchtbar wurde.

1689 hatte L., der es 1685 nach Karls II. Tod verschmäht hatte, die königlicheGnade Jakobs II. anzurufen, die Genngthuung, mit demselben Geschwader, welchesdie Prinzessin von Oranicn ihren: bereits eii: Jahr vorher in England gelandetenGemahl, Wilhelm III., nachführte, in sein Vaterland zurückzukehren, und wurde jetztder eigentliche Theoretiker der politischen Praxis, welche durch Wilhelm III. in Eng-land zur Herrschaft kam. Auch seine 1695 veröffentlichte Abhandlung »Mw rsaso-nablknsss ok Ollristianit^, as äslivsrsä in tlls Leriptures« diente durch das Be-streben, die confessionelle Differenz und die theologischen Streitigkeiten durch Zurück-gehen auf die, als mit der Vernunft völlig übereinstimmend dargestellte, Lehre derheiligen Schrift aufzuheben, dem Wunsche des Königs, eine Versöhnung zwischen derStaatskirche und den Dissenters zu «Ltande zu bringen. Aus dem aufregenden Treibender Hauptstadt rettete sich L. zur Pflege seiner Gesundheit von Zeit zu Zeit auf dieLandsitze seiner Freunde und Verehrer. Einen solchen hatte er namentlich an FrancisMasham zu Oates in Essex, und noch mehr an dessen Gattin, einer Tochter vonCudworth, eine warme Verehrerin, die ihren einzigen Sohn ganz nach L.'s Methodeerzog und so die praktische Probe auf seine 1693 publicirten »8oms tllouxllts eonesr-ninA eäueation« machte. Obgleich Locken von seinen einflußreichen politischen Freundendie nach den Rücksichten auf seine Gesundheit zu treffende Wahl gelassen wurde zwi-schen verschiedenen bedeutenden Gesandtschaftsposten, so begnügte er sich doch mit derbescheidenen Stellung eines Uommissioiwr ok appsals.

Von 1700 an lebte L. ganz in Oates und zu der äußeren Ruhe, welche ihm derAufenthalt bei der befreundeten Familie Masham gewährte, suchte er die innere Ruhein der Beschäftigung mit der heiligen Schrift, welcher er sich jetzt ausschließlich wid-mete. Seit 1703 wurden feine asthmatischen Beschwerden heftiger. Wenige Monatevor seinem Tode empficng er im häuslichen Kreise mit einigen Freunden das heiligeAbendmahl. Am Tage seines Todes ließ er sich von Madame Masham aus denPsalmen vorlesen. Als er sein Ende nahen fühlte, bat er sie aufzuhören, und starbwenige Minuten nachher am 28. Oktober 1704.

Während bei gar manchen epochemachenden Pädagogen ihre Theorie die Tendenzzu haben scheint, dem Heranwachsenden Geschlechte die bessere Erziehung zu verschaffen,welche sie selbst haben entbehren müßen, und während ihr eignes Leben mit ihrerTheorie häufig sehr wenig im Einklänge sich befindet, theoretisirt dagegen L. in derThat nur was er als Zögling und Erzieher erfahren und versucht hat. Namentlichfindet zwischen ihm und Rousseau bei aller Uebereinstimmung in einzelnen Ansichtenein sehr bestimmter Unterschied statt. Während Rousseau infolge der Eigenthümlichkeitseines Temperaments und der Mängel seiner eigenen Erziehung von den wechselndenWinden des Lebens ohne rechten inneren Widerstand hin- und her geworfen wurde