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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Französische Sprache.

Sammlung befinden, sonst kann es nicht Gesetze und Regeln, Vocabclnformen zursteten Auswahl bereit halten; seine Urtheilskraft muß frisch und elastisch sein, sonstwird sie sich nicht in den ungleichartigen Denk- und Ausdruckssormeu beider Sprachenhin und her bewegen; sein Geschmack muß jene beiden wachsam begleiten, sonst ist ernicht im Stande, das Zutreffende zu erlesen, und nur wenn alle drei einheitlich wirken,gelingt die erforderliche fremdsprachliche Form. Mau ersieht hieraus, daß auch dasfranzösische Compouiren eine Schule der Kraft ist, und das gestammte geistige Ver-mögen des Schülers in anhaltender Weise in Anspruch nimmt. Das aber ist jagerade der einzige und naturgeordnete Weg, um die Geisteskräfte, zu entwickelnund eine gleichmäßige formale Ausbildung derselben zu gewinnen. Rechnet man nochdazu, daß der Geist des Schülers den im Ucbersetzuugsthema dargcbotencn Gedankenstoffkeineswegs umsonst durcharbcitet, sondern daß er sich daran nährt und bereichert, sobegreift man, daß durch das rechtbctricbcne französische Compouiren die geistige Aus-bildung nach der formalen wie materiellen Seite hin in einem vorzüglichen Gradegewinnen muß. Zu den besonderen Wirkungen rechnen wir aber noch die, daß derSchüler im Verlause dieser Uebungen nicht bloß die Fähigkeit, an gegebenen Stoffensich mit Erfolg geistig auzustrengcn, mit Gewandtheit etwas auszufassen, durchzudenkenund durchzusprcchen, sondern auch die Neigung und die Kraft zu geistiger Selbstthätig-keit in sich wachsen fühlt.

Nicht minder werthvoll in ihrer Art sind die Vortheile, welche solche Compo-sitionsübungcn der Sprachbildung selber eintragcu. Vor allem erweisen sie sich alsdas sicherste Mittel, um in Herz und Leben der französischen Sprache einzudringcnund sich ihrer in Wahrheit zu bemächtigen. Sodann läuft hier allein der Weg durch,welcher zum gründlichen Verständnis der Schriftsteller führt; durch das Französisch-schrciben lernt man das Französischlesen, d. h. je bildender das französische Componirenbetrieben wird, desto fertiger wird man im Exponiren, desto umfangreicher und be-friedigender gestaltet sich die Lektüre. Diese Arbeit giebt endlich dem deutschen Schülerauch die naturgemäßeste Anleitung, seine eigenen Gedanken richtig und gefällig in dasfremde Gewand zu kleiden, so oft ihm die Umstände diese Aufgabe stellen.

Dies die Vortheile schulmäßiger französischer Compositionsübungen. Will jedochein Lehrer dieselben seinen Schlickern wirklich in vollem Maße verschaffen, so ist freilichunerläßlich, daß er mitcomponire, das Thema zuvor selber auch übersetze. Durchdiese Vorarbeit allein stellt er sich ganz in die Sache hinein und weiß vorher beider vorbereitenden Besprechung und nachher bei der Correctur, sowie in Bezug aufdie altern versio das Erforderliche cinzuleiten und das Zweckmäßigste zu geben.

Li. Mündliche Uebungen.

Französische Sprechübungen oder nicht? Ueber diese vielumstrittene Frage sichklar zn werden, ist für den Schulmann von großer Erheblichkeit. Bekanntlich habenbis jetzt nur wenige berufene Stimmen sich mit Entschiedenheit dafür ausgesprochen,nicht wenige dagegen diese -Uebungen aus dem Gebiet des Schulunterrichts aus-gewiesen. Unseres Erachtens ist seither eine befriedigende Behandlung dieses Gegen-stands in und außer der Schule, und somit die Gewinnnng eines klaren Ergebnissesallermeist durch zwei Dinge erschwert worden, durch ein Misvcrständnis und durcheinen Misstand.

Erstercs hatte seinen Grund in dem Worte Französischsprechcn. Wer dachte danicht an das französische Sprechen überhaupt und über alles? an den mündlichen Ge-brauch dieser Sprache in: ganzen Umfang? an ein correctes und fließendes Sprechen?Letzterer, der Misstand, rührte davon her, daß jeder fürchtete, mit dem Französisch-Sprechenlerncn müße durchaus auch das Sprachmeisterthum vergangener Tage unddas armselige Bonnenlehrverfahren, jenes pädagogische Unwesen mit dem äußerlichenAnlernen der nothwendigsten Vocabeln, hausbräuchlichen Redensarten und Rede-wendungen, in unsere Schulen hereingebracht werden.

Wer nun an unsere Schüler denkt und an das, was ihnen bis zum 14. oder15. Jahre erreichbar ist, wird sich sagen, daß französische Konversation für sie ein Dingder Unmöglichkeit ist und daß Konversationsstunden im öffentlichen Unterricht imeigenenUnfuge" zunichte werden mäßen. Wie hievon nicht die Rede sein kann, soaber auch nicht von dem Gouvernantenunterricht. Weil er aufkurzem Wege" in