Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
Seite
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Dummheit.

Ehrgefühl.

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gönnen, einem jeglichen nach seiner Art, wenn's auch dabei verbleiben soll, daß wirbeim Feldzug dummer (Schwaben-) Streiche die Reichssturmfahne vorantragcn alsdie hicrinnendeutschesten Deutschen."

Duzen, s. Achtung.

E.

Ekel, s. Abneigung.

Egoismus, s. Selbstsucht.

Ehrerbietung, s. Achtung.

Ehrgefühl, Ehrtrieb, Ehrliebe, Ehrbegicrde, Ehrgeiz, Ehrsuchtsämmtlich Bezeichnungen eines subjektiven Verhaltens zu einen: objektiven sittlichenGut, deren Scala zugleich das Uebergehen des Sittlichen an jenem Verhalten insUnsittliche, das Umschlagen des Erlaubten ins Unerlaubte, des Natürlichen ins Leiden-schaftliche veranschaulicht. Jenes Gut ist die Ehre; wir werden zuerst den ethischenWerth derselben zu bestimmen haben, um das richtige pädagogische Einwirken aufdas Streben nach diesem Gut ins Licht setzen zu können.

I. Die Ehre nimmt unter den Gütern, die für den menschlichen Willen einObject bilden und als einzelne Momente des höchsten Gutes von der Moral aner-kannt werden müßen, einen der höhern Plätze ein aus dem dreifachen Grunde, weilsie 1) ein schon vorhandenes, irgendwie sittlich bestimmtes Gemeinschaftsleben voraus-setzt; 2) niemals mit Gewalt errungen werden kann, sondern immer auf freiwilligerAnerkennung des persönlichen Werthes beruht; und weil sie 3) ihrem Wesen nachdurchaus immateriell ist; sie ist ein geistiges Gut, das seine Realität im Gemüthund in der Phantasie hat. Aus letzterem Grund sind der Ehre äußerliche Zeichen,Symbole wesentlich, eben weil sic als etwas immaterielles eines Bildes bedarf, umin die Erscheinung zu treten; ists auch kein Titel, keine Uniform-, kein Mandarinen-knopf, so ists doch das Abziehen des Hutes. Nach Punct 1) nun ist die Ehre nurmöglich auf dem Boden einer sittlichen Genreinschaft: erst aus der Korrespondenz vonmindestens zwei subjektiven Stimmungen entspringt die Ehre als ein Gut, als reellerBesitz, ähnlich wie die Freundschaft, nur daß die Stimmung zu dieser und in dieseranders modificirt ist. Das zu Grund liegende Gefühl ist ein Wohlgefallen, undzwar wesentlich dasselbe, wie es in der Liebe enthalten ist, nur daß die Liebe esnicht mit Eigenschaften, sondern einzig mit der Person zu thun hat, während dasEhren auf etwas objektives, allgemeines geht, dessen Träger die Person ist, das ichin dieser verkörpert sehe und in ihr ehre. Das Kind liebt Vater und Mutter, weilsie Vater und Mutter sind, aber es ehrt in ihnen die Auciorität, die StellvertreterGottes; jenes Wohlgefallen nimmt also den Charakter der Ehre und Ehrerbietungan, wenn es die Freude an einem objectiven, der sittlichen Welt irgendwie zuge-hörigen Gut, das ich als eine Größe erkenne, also kurz gesagt: an einer gött-lichen Gabe und Kraft ist. Solche göttliche Kraft steht mir in einem hohen Talent,in einem edlen Kunstwerk, mehr aber noch in jeder sittlichen Trefflichkeit, in Charakter,Wort und That gegenüber. Das Große, das Hohe in demselben bringt mich ineine Gemüthsverfassung, daß ich zu dem, was mir so in seiner Würde erkennbar ist,mich mächtig hingezogen fühle, aber zugleich auch ebenso stark inne werde, es sei etwas,das ich nicht antasten, mit dem ich nicht nach Belieben verfahren darf. Daraus gehtauch die einfache Konsequenz hervor, daß, wer dieses Gefühls nicht mehr fähig ist,ein unsittlicher, ein geistig todter Mensch sein muß; jene göttlichen Gaben undKräfte, die in Form von Talenten und Charakteren dem Menschengeschlechte ver-liehen sind, existiren für ihn nicht mehr. Für denjenigen sofort, dem Ehre wider-fährt, der sie empfängt, ist sie ein Gut, das durch Gottes Wort im 8. Gebot aus-drücklich in Schutz genommen ist; ein Gut, welches der, dem cs zufällt, annehmen,dessen er sich freuen darf, ohne cS doch jemals so zum Zwecke werden zu lassen, daßer, was er rechtschaffenes thut und tüchtiges leistet, nicht thun, nicht leisten würde,