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1 (1877) A - Liebe
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Kunst.

Lachen.

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kriege genommen hat. Auch für das zartere Kindesaltcr ist unterdessen gesorgt wordendurch sinnige und ansprechende Fabeln, in welchen das Lehrhafte nicht in plumperAbsichtlichkeit hervortritt, durch geistliche und weltliche Liedchen und durch den reichenSchatz des Volksmärchens (vgl. d. Art. Märchen). Bedenklicher dürfte es sein, daßunsere neuen Kinderlieder nicht selten aus dem Kindlichen in das Kindische hinübcr-tändeln. Dadurch wird die Mahnung nahegelegt, so viel wie möglich an eigentlichElastisches sich zu halteu, wovon ja die oben genannten und die ihnen verwandten. Dichter selbst für das kindliche Alter reichen Stoff darbietcn, welcher zugleich der nichtgenug zu beherzigenden Forderung Dahlmanns gerecht wird,ein gutes Kinderbuchmüße, statt den Kindern nachzukriechcn, neben dem Verständlichen einen stachelndenZusatz von noch nicht verständlichen Dingen enthalten."

L.

Lachen ist eine stoßweise Ausathmung der Luft, hcrvorgcrufen durch den Reizdes Komischen, also durch die Urtheilskraft vermittelt, obwohl es auch ein hiedurchnicht vermitteltes, pathologisches Lachen giebt. Mit letzterem hat es die Pädagogik inder Regel nicht zu thun.

Lachen wie Weinen gehört zu den Vorrechten des Menschen, von welchen geradedas Kindes- und angehende Jugcndalter den ausgedehntesten Gebrauch macht, so zwar,daß die Lust zum crstern mit den Jahren in demselben Verhältnis zunimmt, in welchemder Drang zum andern schwindet, während in der Mitte dieser Periode beide sich indie Herrschaft theilen, wie Sonne und Regen im April. Kant nennt sie die Affccte,durch welche die Natur die Gesundheit mechanisch befördere, und haben hierüber diePhysiologen Auskunft zu geben, deren Untersuchungen übrigens gerade hier der Unter-stützung des Experiments an ihren Kaninchen u. dgl. entbehren müßen, weil diese Opfer-thiere der Mcdicin nicht lachen. Kant giebt auch folgenden Rath:Kinder, vor-nehmlich Mädchen mäßen früh zum freimüthigen, ungezwungenen Lächeln gewöhntwerden; denn die Erheiterung der Gesichtszüge hiebei drückt sich nach und nach auchim Inneren ab." Es dürfte jedoch eine hierauf besonders gerichtete Einwirkung wedernöthig noch räthlich sein. Morosem Aussehen muß man begegnen, freundliches kannman nicht künstlich erzeugen.

Daß man der Kindheit und Jugend die Motive des Lachens nicht verwehren soll,bedarf so wenig eines Beweises, als daß man ihnen die Bewegung in freier Luft ge-statten muß. Ist doch ersteres gleichsam eine Bewegung der frischen Luft in Lungeund Blut, und der im Wachsthum begriffene Körper bedarf mehr Luft als der gealterte.Dagegen ist darauf zu sehen, daß jene natürliche Lebensäußerung nicht ausartc, nochihr durch Unrechte Mittel gedient werde. Es giebt eine Verwilderung im Lachen. DasBenehmen eines Erwachsenen, der in Gesellschaft rohe Witze reißt und dazu selbst dasSignal unmäßigen lauten Gelächters giebt, ist pöbelhaft. Findet sich unter einerSchaar junger Heute der eine oder der andere, welcher hierin seine Vorstudien zu machenanfangen will, so ist dem ernstlich zu begegnen. Lustige Kinder sind auch wohl zuunterscheiden von Possenreißern, welche sich selbst herabwürdigen und in der Regelschnell die Grenzen des Anständigen überschreiten. Lachen soll nie Zweck werden, son-dern darf nur Folge sein. Es kann ansteckend werden unter gewissen Umständen. Inder Nähe von Ferien oder Kinderfesten sind die Schüler oft von einer kann: zu bän-digenden Lachlust eingenommen, und eine Kleinigkeit reicht hin zum allgemeinen Aus-bruch. Aber auch bei länger dauernder Depression des Gcmüths tritt oft die Reactiondurch jenen Asfcct ein, durch welchen die Natur die Gesundheit mechanisch und chemischbefördern will; so während der Dauer langer und schwerer Krankheiten und sogar inden Häusern wirklicher Trauer. Junge Leute, welche unvernüuftig streng erzogen unddaran gewöhnt werden, die heiteren Regungen der Lebenskraft für Sünde anzusehen,kann man zuweilen über eine Kleinigkeit in nicht endcnwollendes Gelächter ausbrechensehen eine momentane Selbsthülfe gegen unnatürliche Hemmung.

Aristoteles läßt das Lächerliche aus einerunschädlichen Ungereimtheit" entstehen,