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ABC, das deutsche. Die Buchstabenschrift, welche für einen einfachen Lautauch ein einfaches Zeichen setzt, wird gemeiniglich den Acgvptcrn und Phönicicrn zu-geschrieben. Von dort her ward sie unter Griechen, Etruskern und Römern ein-heimisch und drang mit der römischen Cultur allmählich in das übrige Europa.Unter den zur germanischen Sprachfamilie gehörigen Stämmen nahin^ sie zum Theilsehr verschiedene Gestalt an. Die erste germanische Buchstabenschrift ist die Runen-schrift, d. h. Geheimzeichcnschrift, so benannt als eine nur von Gelehrten geübte Kunst(Runs, im Gothischen, Althochdeutschen Geheimnis, rünön, raunen, flüstern). Aller Wahr-scheinlichkeit nach reicht der Gebrauch der Runen bis inS höchste germanische Alterthum,jedenfalls vor die Bekehrung zum Christenthum hinauf. Im Zusammenhänge mit derRunenschrift steht sodann das gothische Alphabet des Ulfilas (richtiger Wnlfila),von 348 bis 383 oder 388 Bischofs der Westgothcn in Mösien, das jedoch nicht vonlanger Dauer war, indem die römische Kirche im Abendlandc bei den deutschen undromanischen Völkern das lateinische Alphabet einführte.^ Im Laufe des Mittel-alters blieben sich jedoch die Gestalten der lateinischen Buchstaben nicht gleich. Wieder Charakter der bildenden Kunst überhaupt und der Architektur und ihrer Ornamentikinsbesondere von der runden Linie zum Spitzbogen übcrgieng, so gestaltete sich auchin der Schreibkunst die Rundschrift in die eckige um. So entstund die sogenannteMönchsschrift, die man wohl auch gothische Schrift genannt^ hat, aber ebenso unrichtig,als man die altdeutsche Baukunst die gothische heißt. Besser würde man sie die ger-manische oder deutsche Schrift nennen, denn sic entstund in der Zeit, da die Deutschenin Europa die erste Rolle spielten, und kam in Gebrauch außer den germanischenLei allen abendländischen Völkern, aus deren «Lprachbildung das germanische ElementEinfluß geübt hatte, sowie bei den sich lediglich an die deutsche Bildung anlehnendenSlawen, Letten, Finnen, Ungern. Später hielten die germanischen Völker allein siefest, während mit der zur Antike zurückkehrcnden Umwendung des Kunslgcscbmacksdie romanischen Völker und die halbromanischen Engländer etwa vom 16. Jahrhundertan zu einem der alten Rundschrift ähnlichen Alphabete sich zurückwandten. Das Gleicheempfehlen neuerdings viele auch für Deutschland, vor allen unser großer Sprach-forscher Jakob Grimm. Erwägt man aber namentlich, daß die deutsche Schrift analogmit der ganzen künstlerischen Entwicklung des Volkes sich ausgebildct hat, und daßdie Deutschen die so entstandene Schrift festhicltcn, während die Romanen, ihremeigenen Ursprung wieder nähertretcnd, ihr untreu wurden, so bleiben wir wohl mitRecht bei der Schriftform im wesentlichen stehen, die nun einmal im ganzen undgroßen Germanen von Romanen abscheidet.
ABC-Buch, s. Leseunterricht.
ABC-Schützerr, ein Spottname für die jüngsten Elemcntarschüler, worin sichauch in den niedersten Schulen etwas von dem Pennalismus fortgeerbt hat, der untermanchfachcn Formen in allen Lehranstalten seit dem Aufblühen derselben im Mittcl-
Pcidag. Handbuch. ^