Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Kant.

K.

Kalligraphie, s. Schreibunterricht.

Kameraden, s. Gespielen.

Kant, Immanuel. 1. Allgemeine Bedeutung Kants für Er-ziehung und Cultur. Dieser außerordentliche Mann verdient auch in der Geschichteder Erziehung und Cultur eine ausgezeichnete Stelle. Die hohen Verdienste, die ersich um die Entwicklung und Bildung des deutschen Geistes erworben hat, sichern ihmunter den Männern einen Ehrenplatz, die wir als Lehrer und Erzieher der Menschheitbezeichnen können. Während er diese allgemeinen Wirkungen auf die Entwicklung desdeutschen Volkes, ja der ganzen Menschheit durch seine Schriften hcrvorgebracht hat,so war er zweitens auch einer der ausgezeichnetsten Universitätslehrer seiner Zeit. Erbeherrschte als solcher fast das ganze Reich der allgemeinen Wissenschaften. Auch diePädagogik, sofern sie die Erziehung des menschlichen Individuums betrachtet, be-handelte er in seinen Vorlesungen; dieselben enthalten einen Schah von fruchtbarenGedanken und Vorschriften und tragen das lichte Gepräge der Weisheit und derErfahrung. Endlich aber verdient auch das Leben Kants*) die sorgfältigste Beach-tung der Lehrer und Erzieher aller Art, weil es ein Muster einer wohlgeleiteten Selbst-erziehung ist. Wegen dieses innigen Zusammenhanges, in welchem bei K. die Ver-fassung und Entwicklung seines individuellen Lebens mit seinen allgemeinen Leistungenfür deutsche Wissenschaft und Cultur steht, ist es daher auch möglich, die Schilderungdes großen Mannes an den Verlauf seines Lebens anzuschlicßen.

2. Kants Ausbildung bis zum Antritt seines öffentlichen Lehr-amtes. Immanuel Kant wurde am 22. April 1724 zu Königsberg geboren. SeinVater war ein in mäßigen VermögenSumständcn lebender Sattlermeistcr, ein sehrrechtschaffener Mann, der nebst seiner Frau der religiösen Richtung ergeben war, dieman mit dem Namen des Pietismus bezeichnet. Es ist von Interesse zu hören, wasKant später, wo er nichts weniger als ein Pietist war, über diese Richtung urthcilte.Waren auch die religiösen Vorstellungen der damaligen Zeit," sagt er,und die Be-griffe von dem, was man Tugend und Frömmigkeit nannte, nichts weniger als deutlichund genügend, so fand man doch wirklich die Sache. Man sage dem Pietismus nach,was man will, genug, die Leute, denen es ein Ernst damit war, zeichneten sich aufeine ehrwürdige Weise aus. Sie besaßen das Höchste, was der Mensch besitzen kann,jene Ruhe, jene Heiterkeit, jenen inneren Frieden, der durch keine Leidenschaft beun-ruhigt wurde. Keine Noth, keine Verfolgung setzte sie in Mismuth, keine Streitigkeitwar vermögend, sic zum Zorn zu reizen. Mit einem Worte, auch der bloße Beobachterwurde unwillkürlich zur Achtung hingerissen." Ganz besonders concentrirte sich jenereligiöse Tüchtigkeit in dem Herzen seiner Mutter. Ihr Bild stand K. auch nochin seinem Alter lebhaft vor Augen; er rühmt ihren natürlichen Verstand, ihr edlesHerz, ihre echte Frömmigkeit. Sic übte auch den bedeutendsten Einfluß aus auf dieerste Erziehung ihres Sohnes und bestimmte seine Gemüths- und Geistesrichtung; siewar cs, die die Fassungskraft, die Wißbcgierde und die scharfe Beobachtungsgabe anihrem Sohne bemerkte und ihm die Wege zum Studircn bahnte. Sie führte ihnnämlich zu ihrem Gcwissensrath, dem damaligen Haupte der Königsberger Pietisten,vr. Franz Albert Schultz, Prediger und Professor der Theologie, um ihn über dieweitere Erziehung ihres Lohnes, der bis dahin eine Elementarschule besucht hatte, umRath zu fragen. Schultz rieth ihr, den Kaben auf eine höhere Lehranstalt zu bringenund ihn dann Theologie studiren zu lassen ein Rath, der mit den innersten Wün-schen der Mutter übereinstimmte. Ta Schultz in dieser Zeit das Tirectorat eines

*) Kants Leben findet man besonders in folgendem Hauptwerk dargestellt! I. KantsBiographie zum großen Theil nach handschriftlichen Nachrichten dargestellt von F. W. Schubert1842 in Kants Werken von Rosenkranz und Schubert B. XI. Abth. 2. Wenn später Kant?Werke citirt werden, so ist eS immer nach dieser Ausgabe geschehen.