Furcht.
Gebet.
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Dic Furcht vor wirklichen Gefahren kann dein Kinde nicht in jedem Falle er-spart, sie soll nur durch Belehrung und durch dic Ruhe und den Muth der Erziehergemäßigt werden. Das Beispiel ist auch in diesem «stücke von besonderer Wichtigkeit.— Am tiefsten steckt in dem natürlichen Menschen die Furcht vor dem Tode; ihre Be-kämpfung fällt in gewißem Sinne mit der Aufgabe der Erziehung im allgemeinen zu-sammen, sofern nämlich diese dazu helfen will, daß der natürliche Mensch in einengeistlichen umgewandelt werde. — Eine weitere Art von Furcht, die Furcht vor derStrafe, ist in dem Art. Strafe zu besprechen.
Nebcr Furcht in phyfiol. und psychol. Hins. vgl. Domrich, psych. Zustände,Jena 1849. Lotze, medicin. Psychologie 440 ff. Volkmann, Grundr. der Psyck.
127. Schwarz, Erziehl. 2. Aust. II, 212 ff. „Erziehungsresultate,"Hannover 1857. s. 234 ff. (Vgl. die Art. Aberglaube, Aengstlichkeit, Blödigkeit.)
G.
Gebet (für die Kinder und mit ihnen). Das Gebet ist sowohl ein Mittel alsein Zweck der Erziehung; der Erzieher betet für den Zögling und er lehrt den Zög-ling beten, weil dieser soll beten können, weil er, als Mensch, die dem Menschen ge-bührende Stellung zu Gott einnehmen soll. Eine Erziehung, die den Zögling nichtbeten lehrt, bringt ihn mit allem, was sie ihm sonst an Bildung beibringen mag, überdie Roheit nicht hinaus.
Also erstlich: der Erzieher soll für das Kind beten. Wer sich des Gebets be-harrlich entschlägt, der verräth damit entweder, daß er es mit seiner Erzieheraufgabeüberhaupt leichtsinnig nimmt, daß er vielleicht zwar das Nöthige seinerseits thut, abernur, um sich keinem Vorwurf anszusetzen, während ihm am endlichen Erfolg, am Heiledes Zöglings nicht so sehr gelegen ist; oder hat er jene hohe Meinung von der All-macht seiner Erziehnngsweisheit und etwa auch von der Vortrefflichkeit des Zöglingsselber, daß er weiter keine Garantie für seine glückliche Entwicklung zu bedürfen glaubt.Wer aber von diesem Wahne frei ist, der kann als Erzieher das Gebet gar nichtentbehren; er weiß, daß das Gedeihen allein von Gott kommt und daß auch dieserErtrag der Erzieherarbeit von Gott erbeten werden muß. Ucbrigens wird ein Beteniür den Zögling nothwendig auch ein Beten des Erziehers für sich selbst; daß ihm selberWeisheit, Geduld und Liebe nicht ausgehe, daß er alle Tage wieder mit frischem Mutheund neuer Kraft Hand anS Werk lege, das muß Gott ihm geben, aus sich selbst nimmter es nicht. Zeller (Lehren der Erfahrung I, S. 240f.) macht insbesondere daraufaufmerksam, wie nur durch solches Gebet der Lehrer unter den Sorgen, die ihn außerdem Amtsleben noch persönlich drücken mögen, sich den Frieden Gottes im Herzenbewahren könne, die Ruhe und Fassung, ohne dic er gar nicht im Stande ist, aufdie Kinder zu wirken.
Dem Gebete für die Kinder geht das Gebet mit den Kindern zur Seite, und zwarzunächst in der Absicht, daß sie beten lernen. Das Beten ist ja in der That eine Kunst;es muß gelernt sein, wie das Sprechen selber gelernt werden muß (Luc. 11, 1). DemKinde wird vorgebetet, es spricht nach, man lehrt es (nach abendländisch-germanischerLitte, worin aber der katholische und der evangelische Brauch sich wieder unterscheidet)die Hände falten, als Symbol der Abgeschiedenheit von allem andern und als Symbolder innern Geschlossenheit, Gefaßtheit, Gebundenheit. Dies ist möglich und muß be-ginnen. sobald das Kind reden lernt; es wird zuvörderst beim Aufstehen und zu Bettegehen sowie bei Tische geschehen, als den drei Momenten des Tageslebens, die nichtnur Momente der Sammlung im Gegensätze der Zerstreuung in Arbeit und Spielsind, sondern in welchen sich auch der Stoff des Gebets, der Gegenstand von Dankund Bitte von selber darbietet. Weil aber gerade in diesen Momenten das kleinereKind von der Mutter besorgt werden muß, so ist es auch das natürlichste, daß siePädag. Handbuch. I. 32