Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
Seite
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Cötus.

Dankbarkeit.

Cötus bilden; doch ist alsdann entweder der Unterricht nicht gemeinsam, wenn auchvon ein und demselben Lehrer besorgt, oder die Classentheilung ist nur nominell.

Die Wichtigkeit des durch den Cötus bedingten Zusammenlebens ist zum Theilin die Augen springend. Nicht nur entspinnen sich hier zwischen einzelnen IndividuenSympathieen oder Antipathien, die oft für das ganze Leben von entscheidender Be-deutung sind, sondern der Einzelne muß auch mehr oder weniger das Gepräge derGesammtheit annehmen, mit der er so enge verbunden ist. Jeder Cötus nimmt nacheiniger Zeit seinen bestimmten Charakter an, von dem der Charakter eines Einzelnengehemmt oder gefördert, gezügelt oder fortgerissen werden kann. Der eine Cötus istsanft und ruhig, der andre rebellisch; der eine offen, der andre versteckt und zu Ver-heimlichungen hinneigend, der eine solid, der andre genialisch. Daß dies nicht nurAbstractionen im Geiste der Lehrer, sondern wirkende Eigenschaften sind, zeigen diegroßen Veränderungen, welche oft mit einzelnen Schülern Vorgehen, wenn sie in einenandern Cötus versetzt werden. Minder beachtet bleibt gewöhnlich die Erscheinung,daß selbst der Rang der einzelnen Schüler nach ihren Leistungen in den Unterrichts-gegenständen keineswegs bloß durch Anlegung eines abstracten Maßstabes an fertigeIndividuen gebildet wird, sondern daß er zum Theil ein Product lebendiger Wechsel-wirkung ist. Dies zeigt sich z. B., wenn aus einem großen Cötus einer der bestenSchüler entfernt wird. Sein Platz wird alsbald durch einen andern ausgefüllt, derbisher noch unter dem Druck des stärkeren Nebenbuhlers litt, nun aber sich so ent-faltet, daß seine Leistungen denen des entfernten Mitschülers bald gleichkommen.Umgekehrt wird der Primus einer Classe alsbald etwas Nachlassen, wenn man denzweiten und dritten Schüler nach ihin entfernt. Noch deutlicher werden leider dieseThatsachen bei den schwachen und trägen Schülern. Entfernt man den schwächsten,so sinkt der Folgende nach und kommt bald auf einen Nullpunkt der Leistungen, überden er früher um einige Grade erhaben war. S. Wetteifer.

Cretinismus, s. Schwachsinnigenunterricht.

Cursus, s. Cötus.

D.

Dankbarkeit. Dank nennen wir die im Gefühl wurzelnde, in den Willenübergehende, unmittelbare sittliche Wirkung, die ein von einem andern empfangenesGut sei es eine Gabe von materiellein Werth, eine Befreiung von irgend einemUebel, oder sei es bloß die Bezeugung seines Wohlwollens durch Wort und Mienein uns hervorbringt; Dankbarkeit also die Stimmung und Bereitwilligkeit dazu, jedersolchen Ursache jene Wirkung folgen zu lassen; in der Dankbarkeit wird jenes Mo-mentane und vom zufälligen Anlaß Abhängige zu einem Innern Habitus, zu einerTugend. (Ein schwächerer Ausdruck dafür ist Erkenntlichkeit). Genauer nun be-steht jene Wirkung darin, daß ich mich nicht begnügen kann mit der egoistischenFreude über den Empfang des fraglichen Gutes, sondern daß diese Freude gleichsamrückwärts strömt in der Richtung auf den Geber desselben; hiedurch erst beweist sichdie Dankbarkeit als wesentlich eins mit der Liebe, daß sie sich der Gabe nur freut,indem sie den Geber hinzudenkt, und sich ihm für immer verpflichtet weiß. So weißsich der dankbare Empfänger in der Schuld des Gebers; aber diese Schuld hat fürden, der selbst Liebe in sich trägt, nichts drückendes, außer wenn die Persönlichkeit desGebers, seine Zudringlichkeit oder egoistische Absicht die Dankbarkeit gegen ihn zuetwas lästigem, die Gabe selbst zu etwas unerwünschtem macht; in diesem Fall suchtman sich baldmöglichst durch einen Gegendienst quitt zu machen. Die Dankbarkeitist wesentlich die empfangende Liebe, wie sie der gebenden die Hand reicht. Geradehierdurch aber erscheint sie nicht bloß als eine Tugend unter vielen, sondern als eineder tiefsten Wurzeln des Höchsten, was der Mensch hat, seiner Religion. Das Be-dürfnis, einen Gott zu haben, wurzelt keineswegs bloß in dem Bewußtsein unsererSchwäche, so daß wir einen Gott nur brauchten, um von ihm zu verlangen, was wirnicht selber erobern, es liegt vielmehr darin, daß das Menschenherz ein Wesen sucht,