Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Französische L-prachc.

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(4. Das Componiren.

Mit dem größten Rechte sieht die Lateinschule seit Jahrhunderten in den Expo-sitions- und Compositionsübungen die zwei Hanptmittel zur Lösung ihrer sprachlichenAufgabe. Besonders die letzteren, als geist- und sprachbildend in gleich hohem Maße,haben bei ihr von jeher in unerschütterlichem Ansehen gestanden, ja sind das ersteKriterium sprachlichen Wissens und Könnens geworden. Von der Vorstufe desComponirens, sofern man unter demselben das Verfertigen eines französischen THLincsaus Grund einer deutschen Vorlage versteht, haben wir beim Grammatikunterrichtschon gehandelt. Dort galt es eine grammatische Regel um die andere oxpononäound componsnäo einzuüben; die Compositionsübungen erfolgten daher vornehmlich anabgerissenen einzelnen Sätzen. Je weiter aber der Schüler sich des Gebiets derGrammatik bemächtigt, desto häufiger legt man ihm zusammenhängende deutsche Ma-terialien (als Exercitien) vor und diese französisch componiren zu lernen, ist eine Haupt-aufgabe der Grammatikstunden. Es liegt nun auf der Hand, daß die Schule beiLösung derselben vor allem auf die Beschaffenheit des Nebersetzungsmaterialsihr Augenmerk zu richten hat. Weil die Aufgabe allerlei L>chwierigkeiten in sichschließt, hat unsere Zeit auch hier auf Erleichterung gesonnen und den alten streng-bürgerlichen Weg gründlicher Anstrengung namhaft geebnet. Aber anstatt zu zeigen,wie der Schüler mit diesen Schwierigkeiten ringen soll, um sie selber zu überwinden,hat man vorgezogcn, dieselben geradezu aus dem Wege zu räumen: man hat nämlichdie zu übersetzenden Stücke zuvor französisch hergcrichtct, in Satzgliederung und Satz-fügung eigens französischdeutsch zubereitct. Hat man dabei das Rechte gcthan? Esist doch unbestreitbar, daß bei einer so gestalteten deutschen Vorlage dem Schüler dasProduciren der französischen Satz- wie Stilformen, also die wichtigsteund werthvollste geistige Arbeit, großentheils abgenommcn ist; daß ihm nur die Re-produktion des vorgelegtcn Inhalts, und eben damit die kleinere Hälfte geistiger An-strengung und geistigen wie sprachlichen Nutzens verbleibt, daß folglich sein Geschäftin einen: ziemlich äußerlichen Uebersetzcn ohne viel Anstrengung der Urtheilskraft, seineLeistung in einem französischen Abdruck einesvorgearbeiteten" deutschen-Satzes be-steht. Wie ganz anders gestaltet sich das französische Componiren, wenn man echtedeutsche Geistes- und Gemüthsproducte in ihrer deutschen Form vorlegt, Mustcrstückeaus deutschen Schriftstellern, von anregenden: Inhalt und ansprechender Formschönheit.Allerdings fällt diese Arbeit den: Schüler viel schwerer, sofern er nicht nur den ge-gebenen Inhalt zu reproduciren, sondern dazu noch die freie Production der fremdenForm zu besorgen hat. Er darf nicht die Wörter übersetzen, muß aber jedes Wortdes Originals berücksichtigen, er kann nicht vorgelcgte Satzformen abdrucken, sondernsoll echte deutsche Formen in regelrechte französische umsetzcn. Eben deswegen lohntes sich aber auch der Mühe, wenn wir uns hier noch genauere Rechenschaft von denArbeiten geben, welche ihm bei diesen: Uebersetzcn zugcmuthet werden.

Ehe wir dies thun, haben wir jedoch noch eine Voraussetzung namhaft zu machen,nämlich die, daß das deutsche Thema dem Schüler nichts biete, was er nicht verstehenkann, und daß es überhaupt in den Schwierigkeiten das rechte Maß halte; denn nurwenn sich diese in angemessenen Schranken bewegen, ist aus ihrer Ucberwindung einwahrhafter Gewinn zu ziehen.

Das erste Geschäft des componirenden Schülers besteht nun darin, den Inhaltdes deutschen Stückes nach seinen Vorstellungen, Begriffen, Urtheilen in: einzelnen undnach den vorliegenden Verbindungen und Beziehungen sich schnell klar zu machen. So-bald er das gethan und demzufolge den Inhalt in seine Gewalt bekommen hat, mußer sich anschicken, ihn von der deutschen Ausdrucksweise abzulösen und in französischenSprachformen wiederzugeben. Diese haben aber ihre Eigentümlichkeiten und sindwohl in der Mehrzahl der Fälle den deutschen nicht congruent. Hier gilt es, auf derHut zu sein und theils die sich verdrängenden Germanismen abznweisen, theils dieergänzenden und ausgleichenden Materialien und Formen aus den: Wortschatz, denParticipial- und andern syntaktischen Constructionen, den Gallicismen u. s. w. aufzu-suchen und das alles in: Sinn und Geist der französischen Sprache anzuwendcn. Sollder Schüler nun gegenüber von so viel Schwierigkeiten Erfolg haben, so muß erfreilich mit aller Anstrengung beim Werke sein: sein Gedächtnis muß sich in voller