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1 (1877) A - Liebe
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Französische Sprache.

den Sylben und Wörter beträchtlich zugenommcn hat. Erfahrungsgemäß wirkt auchhier ein einziges verständig vorbereitetes Dictat mehr Gutes als ein halbes Dutzendunvorbereiteter. Greift man indessen aus diesen: oder jenem Grunde doch einmal zueinem unvorbereiteten Dictate, so ist in: allgemeinen zu verlangen, daß es sich durch-aus innerhalb des durchlaufenen sprachlichen Bereiches bewegen muß; bei unterenElasten sodann ist nothwendig, daß der Lehrer, weil doch alles von seinem Mundeabgesehen werden muß, zuerst aufs deutlichste den Satz vorspreche, dann ihn ganz oderin seinen Thcilcn langsamer wiederhole, dann nachsagen und hie und da wohl nochübersetzen lasse; bei oberen Elasten mag das deutliche Vor- und das sichere Nach-sprcchen genügen. Wie dem Dictat die Vorbereitung vorausgeht, so folgt ihm dieFchlervcrbcsserung nach. Daß diese nur wirksam sich erweist, wenn der Lehrer dieArbeiten seiner Schüler selbst corrigirt, d. h. die Fehler angestrichen und hernach imUnterricht besprochen hat und die Verbesserung selber wieder durchsieht, wird vonjedem erfahrenen Lehrer bestätigt werden mäßen.

So planmäßig betriebene Dictirübungen können nicht anders als vortheilhaftwirken. Die gehörig vorbereiteten der unteren Elasten nöthigen jeden Schüler zumscharfen Anfmerkcn, verbessern sein Lesen, weil er zu einem genaueren Sehen kommt,und greifen auch der grammatischen Unterweisung unter die Arme; die vorbereitetender oberen bewirken diese Gründlichkeit in noch höherem Grade und machen jedenfallsans die mittleren Schüler den Eindruck, als arbeiten sie an einen: Thema. Die un-vorbereiteten Dictate vollends sagen dir auf einen Schlag, wie weit die Schüler imFranzösischen überhaupt sind, im Wortreichthnm und Sprachformenverständnis, imFranzösischhörcn, Auswendigwisscn, in: Verstehen und im Construiren, im Recht-schreiben, Lesen und Exponircn. Bis zun: 14. Jahre sollte aber der Schüler soweit sein, daß er nicht nur ans' allem, was im Laufe des Jahres gelesen worden ist,sondern auch aus einfacher stilisirtcn unvorbereiteten Stücken unter sorgfältiger Aus-sprache ein richtiges Dictat niederschreibcn kann.

I). Das Memoriren.

Es genügt nicht, gute Sprachstücke zu ^lesen und gutes sprachliches Materialdictirt zu schreiben, man muß auch, und zwar frei von weichlicher Schonung desGedächtnisses, von beiden: das gehörige Quantum memoriren, richtig und sicher ein-prägen, daß das Sprachgefühl sich bilde, das sprachliche Wissen fest werde und allerleisprachliche Stoffe und Formen jederzeit zur Verfügung stehen.

Auch hier ist wieder mit Nachdruck von einem rationellen, geregelten und metho-dischen Verfahren zu reden. In ersterer Beziehung halten wir an dem Worte:Gedächtnis und Denken sind leibliche Verwandte; wir machen demnach die Memorir-aufgabe faßlich für den Verstand als erste Stütze des Gedächtnisses, und weisen dasMemoriren von dem, was der Schüler grammatisch und sachlich noch nicht fastenkann, auf allen Stufen des Unterrichts ab. Sodann sehen wir auch im Auswendig-lernen kein besonderes Fach, sondern ebenfalls wieder ein Hülssmittel, das wir gerneergreifen, sei es im Lese- oder im Grammatikunterricht, bei der Lectüre wie bei derComposition, so oft sichs eben darum handelt, nothwendigcs oder sonst wcrthvollessprachliches Material dauernd einzuprägeu.

Was soll nun mcmorirt werden? 1) Vocabcln. Es wird aber jedes neue Wort,wenn möglich und wenn lehrreich, nach seiner Etymologie ins Auge gefaßt, um diewurzelhafte tiefere Bedeutung darzulegcn und das Wort nach seiner Siuusülle zurlebendigen Anschauung zu bringen. 2) Die Schemata der Declinationen und Con-jugationcn. Hat man sie auf genetischem Wege und in gemeinsamer Arbeit vor denAugen der Schüler entstehen lasten, so sind sie als reine Gedächtnissache zu behandeln,und es kann hierin so wenig eine harte grammatistische Speise als dort beim Vocabel-lernen eine geistlose lexikologische Plage gefunden werden. 3) Mustersätze fürdie wichtigsten grammatikalischen Regeln; sie geben einen festen Normalstoff; festeMittelpuncte grammatischer Erkenntnis und grammatischen Wissens. 4) Mustcrstücke,besonders Erzählungen in Prosa oder Versen. Erstere dürfen allmählich auch etwasfreier nacherzählt werden. Im übrigen ist als selbstverständlich vorauszusetzen, daßjeder Elaste ihr wohlabgcstuftes Mcmorirquantun: im Lehrplan zugeschieden wird;ebenso ist unabweislich, daß man in den untersten Elasten die Memornübungen so