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Französische Sprache.
ist er sich der Wichtigkeit seines Vorbilds meistens nicht bewußt und liefert keinMuster. Wenn der Lehrer hier seinem eigenen Wirken keinen Abbruch thun will, so hater viel, aber auch gut vorzulesen. Daß die Schüler ihm dabei mit geschlossenemBuche zuhören müßen, versteht sich von selbst. Er aber wird Biegung, Verstärkungund Abschwächung der Stimme eintreten lassen, überhaupt so vortragen, wie es einefrische und ansprechende Darstellung fordert. Dem Vorbilde streben dann die Schülernach, und zwar in regelmäßiger Einübung von Absatz zu Absatz.
Genügt es das Lesenlcrnen ein für allemal durch- und abzumachcn? Nach unfernErfahrungen darf man es im Interesse eines soliden Lernens nicht für ausreichenderachten, den Elementarcursus des lautrichtigen und des geläufigen Lesens nur einmaldurchzunehmcn; auch nachher sind noch besondere Leseübungeu d. h. regelmäßige Wieder-holungen nothwendig. Bloß gelegentliches Wiederlesen etwa in übrigen fünf Minutenthuts nicht; nur durch das geregelte Wieder- und Weiterüben kann dem Schüler seinetechnische Lesefertigkeit erhalten werden, und da mögen in der Schule diese regelmäßigenLeseübungen mit den oben geforderten technischen Ausspracheübungen meistens zusammen-gebracht werden können. Was sodann die höhere Lesestufe anbclangt, so denke ich, daßdie Chrestomathiestundcn immer neue Veranlassung zu fortgesetzten Ucbungen auch imlogischrichtigen und schönen Lesen geben werden.
0. Das Dictirtschreiben.
Hier besonders auch erfährt der Schulmann, wie viel es in Wirklichkeit mit der sooft gehörten Behauptung, die französische Sprache sei leicht und werde daher schnell gelernt,eigentlich auf sich hat; hier, wo sich Hören, Aussprcchen, Lesen und Grammatik aufsinnigste verbinden und daher das Nichthören, das Ueberhören, das Nichterfassen u. s. w.sich so unerbittlich strafen. Was der gewöhnliche Schüler noch ziemlich erträglichbemeistert, wenn er es su toutos Isttrvs im Buche vor sich hat, das dünkt ihm nichtselten fremd und seinem Verständnis unerreichbar, wenn man es ihm nicht zu lesen,sondern gut französisch zu hören giebt; ja sogar der vorgerücktere muß oft sein gram-matisches Wissen ernstlich zusammennehmen, wenn er das Vivtsg frei von bösen Feh-lern niederschreiben will. Was macht denn dasselbe für den Schüler so schwierig?Da er sprachrichtig nicdcrschreiben soll, was vorgesprochen wird, so handelt es sich vorallem um ein aufmerksames und verständiges Hören, also um das Festhalten, Unter-scheiden und Verstehen der vernommenen Laute, Wörter und Sätze. Darauf mußschnellstens ein rasches Eindringen in den Sinn des Vorgesprochenen, also ein stillesExponircn folgen, und zuletzt beim Niederschreiben hat ein Componiren stattzufinden.Das Oietss stellt demnach an den Geist des Schülers eine doppelte Forderung, diedes fertigen und sicheren Erfassens und die des geschickten Verarbeitens, nimmt alsoAufmerksamkeit, Gedächtnis und Verstand in erheblichem Maße in Anspruch, lieberdiese Schwierigkeiten hat man sich im französischen Unterrichte nicht selten keine Rechen-schaft gegeben und, ohne von wohldurchdachten Grundsätzen auszugehen oder gar völligprinciplos, eben von Zeit zu Zeit etwas dictirt. Da man aber durch das bloße Dictirt-schreiben nicht einmal bei phonetischem Schriftsystem Orthographie lernen kann, sobekamen die Uebungen im französischen Dictat vorherrschend etwas unerquickliches undungedeihliches; ja sie erzeugten nicht selten so viel Enttäuschung und Verdruß, daßman sie nur wenig trieb oder gänzlich fallen ließ: zum Schaden für einen erfolg-reichen französischen Unterricht. Denn wer immer das Vivtss recht betrieben, mußin ihm eine ungemein eingreifende Beschäftigung, ein werthvolles Hülfsmittcl gefundenhaben. Der rechte Betrieb aber ist nur der methodische. Je mehr man auch imfranzösischen Dictat auf vernünftige Principien und angemessene Behandlung dringt,desto mehr wird cs in Aufnahme kommen und sich als fruchtbringend bewähren. Wasnun sowohl Grundsätze als methodisches Verfahren betrifft, so möchte das Wesentlichein folgenden Puncten enthalten sein.
u) Die französische Orthographie ist vorherrschend eine historische. Dein Schülerkann nur in einer kleinen Minderzahl von Fällen schreiben, wie er spricht, er hatsich vielmehr eine gegebene, im Laufe der Zeit so gewordene Schreibung genau ein-zuprägcn.
d) Diese Orthographie ist dem Anfänger nur Sache des Buchstaben- und Wort-gedächtnisses, dem Vorgerückteren aber Gedächtnis- und Vcrstandessache.