Französische Sprache.
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Formenlehre beigebracht wird, also durch die neben dem Fibelimtcrricht bald hergehcndcund auf ihn materiell sich stützende Unterweisung in der Grammatik.
Ist das lautrichtige Lesen zu Stande gebracht, so handelt es sich darum, dieAufgabe der zweiten Stufe in Angriff zu nehmen. Wie bringt man nun die Schülerzum geläufigen Lesen? Wohl am sichersten, wenn man für diese Anfänger einekluge Theilung der Schwierigkeiten eintreten und sie nacheinander durch das Sylben-,das Wörter- und das Sätzelesen hindurchführt. Zuerst übt man also das Sylbcn-lcsen. Der Lehrer liest jedes Wort des zu behandelnden Satzes oder Absatzes nachSprechsylben vor, und die Schüler lesen ebenso und mit scharfem Absctzcn bei jederSylbe nach, erst im Chore, dann einzeln, und so pünctlich, daß jeder Buchstabe seinegenaue Beachtung findet. Der ganze Absatz muß aber so lange in Sylben gelesenwerden, bis die Schüler auch bei rascherer Bewegung ohne Anstößen Sylbe für Sylbeübersehen und lautrichtig und sicher zugleich lesen. Ist dies erreicht, so nimmt mandenselben Absatz im Wortlescn durch. Der Lehrer geht wieder voran; die Schülerhaben bei ihrer Uebung das schon Erreichte durchaus fcstzuhalten und dazu noch dasleichte Ueberschaucn der zusammengehörigen Sylben und das Zusammcnfassen zumWorte zu lernen. Hiebei gewinnt der aufmerksame Schüler aber nicht bloß das Wortals Lautgcbilde, sondern es prägt sich ihm auch als orthographisches Wortbild bleibendein. Ist in dieser Uebung das Erforderliche erzielt, so liest der Lehrer von Satzzeichenzu Satzzeichen, faßt demnach all das zusammen, was dem Sinne nach zusammcn-gehört; die Schüler üben wieder bis zur Geläufigkeit, und so sind sie schließlich wohlbefähigt, den ganzen Absatz technisch fertig vorzulcscn. Der Weg durch diese gründ-lichen, wohlabgestusten Hebungen hindurch sieht von weitem fast wie ein Umweg ans,er ists in Wirklichkeit nicht und führt jedenfalls sicher ans Ziel; wer aber ohne dieseoder ähnliche vorbereitende Schritte sogleich aufs Geläufig- oder gar Schnelllesen ab-zielt, kommt unfehlbar beim Schlechtlcsen mit seinem Hudeln und Stocken an, undhat dazu noch der Erlernung der Orthographie übel mitgespielt. Ein solches eilfertigesVerfahren kann aber auch schon deswegen nicht gebilligt werden, weil unsere Schülerbei ihren Elementarleseübungen doch Schwierigkeiten genug zu bezwingen haben. Nichtnur sind alle diese Wortbildcr durchaus neu sondern auch fremd, und dazu tretenimmer diese unbequemen Forderungen der pünctlichen Aussprache auf; besonders machtes Mühe, wenn man nun auch beim Lesen die Sylben einerseits vorherrschend kurzund leicht, fast flüchtig und andererseits doch scharf ausgebildet und volltönend hören,auch eine fast gleichmäßige Betonung erzielen will.
Den Grammatik- und vornehmlich den Chrestomathiestunden fällt die Aufgabezu, auf Grund des technisch fertigen Lesens zunächst das logisch richtige und zu-letzt das schöne wirksam zu pflegen. Beide Stufen bieten Schwierigkeit genug undfordern viel Hebungen. Da man nicht logisch richtig lesen und richtig betont Vorträgenkann, was man nicht versteht, so muß jeder Leseübung in der Chrestomathie dasgehörige Verständnis des Lesestücks vorausgehen; daß man ferner in dem Grammatik-unterricht die einzelnen Satzformcn nicht bloß verstehen und übersetzen, sondern auchgut betont Vorträgen lernen soll, ist einleuchtend, nur geschieht es nicht oft. DenSchluß der Lesekunst bildet das Vortragen mit Ausdruck, das kunstschöne Lesen. Esbewegt sich allmählich in allen stilistischen Formen, hält aber alle declamatorischcnKunststücke sorgsam fern, sowie ja überhaupt in diesen Dingen die Forderungen anunsere Classcn nicht hoch gehen dürfen. Hie und da mag es einigen Schülern ver-möge besonderer Begabung noch ziemlich leicht werden, eine gefällige Modulation zuerlangen, aber im allgemeinen müßen wir uns begnügen, wenn wir der Mehrzahldazu verhelfen, daß sie", vor einem Auf- und Abwiegen im Satze sich hütend, in an-muthigcr leichtschwcbendcr Bewegung vorträgt, daß sie leichtere Prosastücke mit Ge-läufigkeit und nicht ohne Wohlklang liest und vor allem mit jenem Ausdrucke, derdas Verständnis bezeugt.
Um ein solches Lesen mit Ausdruck zu erzielen, giebt es keine bessere Hand-reichung als die Mnstcrleistung des Lehrers. Wie steht es in dieser Hinsicht in unfernSchulen? Wird hinreichend und ansprechend vorgelesen? Wir bedauern, diese Frageauf Grund unserer vicljährigen Beobachtungen verneinen zu müßen. Erstens hörendie Schüler ihren Lehrer durchschnittlich zu wenig vorlesen; zweitens, wenn er vorliest,