Französische Sprache.
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Hiemit wollen wir die Besprechung der deutschen Ausspracheeigeuthümlichkeiten undzugleich das Register der Schwierigkeiten schließen.
Es versteht sich nun von selbst, daß in keiner Schule und bei keinem Schüleralle die bezcichneten Uebelstände sich vereinigt finden, wobei ja gar kein Französischmehr herauskäme; gleichwohl ist nicht zu leugnen, daß jedem sein mehr oder minderansehnliches Theil Hindernisse in den Weg treten, je nachdem seine Organe spröde undwiderstrebend, oder aber bildsam sind, und daß er sich wacker halten muß, um zu einerwahrhast guten Aussprache zu gelangen.
c) Wollen wir nun die für uns sich ergebende Arbeit in kurzen Worten zu-sammensassen, so können wir sagen: Wer immer es in der Aussprache zu einem fran-zösischen Französisch bringen will, hat ein Doppeltes zu leisten: fürs erste mußer lernen die deutsche und mundartliche Weise der Aussprache abzulösen und beiseitezu legen, wann er und so oft er Französisch treibt, d. h. er muß lernen, über seinenationale und provinciellc Eigenart im gesummten Aussprechen so weit Herr werden,daß er, so oft das Bedürfnis dazu vorliegt, auch aus ihr heraustretcn kann; fürsandere muß er lernen, die fremde, oft fast entgegengesetzte französische Art zu verstehenund suchen, sic für den Gebrauch sich anzueignen.
ä) Weil nun also die rechte französische Aussprache bei den meisten Schülern nurdie Frucht andauernder Bemühungen sein kann und weil sie ein förmliches Kunst-product des Unterrichts ist, so muß die L-chule, um ihre Aufgabe mit Sicherheit zulösen, das Aussprechenlernen durchaus als ein Geschäft für sich inLehre und Uebung betreiben und zwar vom Beginn des französischen Unterrichtsan. L>ie wird also durch eine geordnete systematische Folge von Uebungen einerseitsallmählich das richtige Hören, andererseits das mundgerechte und mundsertige Nach-ahmen der fremden Sprachelemcnte lehren.
o) Das wichtigste Hülfsmittel hiezu liegt bekanntlich im Muster des Lehrers,insofern er nicht nur bei der anfänglichen Erlernung der Aussprache in der Fibel diefremden Laute, Wörter und Sätze correct und deutlich vorbildet, sondern auch sonstim späteren Unterricht stets bemüht ist, jegliche Mangelhaftigkeit zu bessern. Sacheder Schüler aber ist es, dabei stets genau zu sehen und zu hören, damit sie ihreOrgane nach des Lehrers Beispiel stellen und brauchen und den vorgebildeten Lautu. s. w. nachahmen können. Diese Nachahmung geschieht erst im Chor, dann einzeln,und ist diese Gymnastik der Gehör- und Dprachwerkzcnge unverdrossen so lange fort-zusetzen, bis die einzelne Uebung und Aufgabe frei von offenbarer Flüchtigkeit, leidlichrichtig und leidlich geläufig von statten geht, und keinem gebildeten Ohre wehe thut.Dabei überzeugt man sich bald, cs reicht nicht aus, diese Reihe besonderer Uebungen derFibel einmal durchgenommen zu haben, sondern wie der Klavierspieler durch^äglichemethodische Fingerübungen allein recht fingerfertig bleibt, so haben auch unsere Schüler,sollen sie anders ihre oft so eigenartigen oder gar hartnäckigen Sprachorganc geschmeidigerhalten und zu einer wirklichen Herrschaft über sic gelangen, alle Tage einige Minutenlang pure Ausspracheübungen zu pflegen; daß dabei nicht Künsteleien oder allerleiAussprachekunststücke gemeint sind, sondern nur die Kunst der Aussprache, betonenwir ausdrücklich.
t) Eben diese wird stets als Pfahl im deutschen Fleische und als Kreuz deröffentlichen Schule empfunden werden, auch wenn man, wie schon bemerkt, auf dieseinen Eigentümlichkeiten des französischen Lautsystems wie billig bei den Schülernverzichtet, auch an elegantes oder modernstes Aussprcchen dieser oder jener Laute oderWörter entfernt nicht denkt; umsomehr aber wird auch das nothwcudige Streben nacheiner brauchbaren, klaren und angenehmen Aussprache unsere Sprach Werkzeuge undunser Sprachgchör heilsam ausbilden, in nicht unerheblichem Maße zur ästhetischenBildung beitragen, auch wohlthätige Geisteszucht schaffen und jedenfalls das bewirken,daß man fortan auch auf sorgfältiges Sprechen seiner eigenen hochdeut-schen nationalen Sprache den gehörigen Werth legt. Oder, wenn man sicht, wiehoch der Franzose seine Sprache halt, wie er sie nur rein und angenehm gesprochenhören will, muß man sich da nicht mit Schmitz fragen: „WaS thust du, damit deineMuttersprache so vorteilhaft klinge, als sie zu klingen im L-tande ist?" Wer sollte
Pädag. Handbuch. I. > öd