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Französische Sprache.
III. Welches sind die leitenden Grundsätze im französischen Sprachunterricht?
so werden wir finden, daß es großenteils dieselben sind, welche nach dem heutigenStande der Methodik beim guten schulmäßigen Sprachunterricht überhaupt, handle essich um Alterthum oder um neuere Zeit, durchaus in Anwendung kommen müßen.
a) Vor allem wird vom französischen Unterricht verlangt, daß er materielldem gegenwärtigen, unbestrittenen Bestände der Wissenschaft ent-spreche, demnach auf den Boden der germanischen wie der romanischen Philologiesich gründe. Damit ist natürlich nicht gesagt, er habe ohne Ausnahme alles, wasdort sestgestellt worden, auch schulmäßig zu verwcrthen; noch weniger ist damit alsZweckmäßig bezeichnet, wenn man das historische und vergleichende Moment in gelehrterGestalt in Schülerclassen einsührt, in welchen noch gar kein sicheres grammatischesWissen vorhanden, noch nicht die nothwcndigste Fertigkeit im guten Lesen und Uebcr-sctzcn erzielt worden ist. Oder, kann es von Nutzen sein, diese historisch-comparativeGelehrsamkeit Schülern vorzutragen, welche vor den schlimmsten grammatikalischenSchnitzern nicht sicher sind? Sondern das ist fürs erste gesagt, daß wie jede Spracheals Organismus, als geistiges Naturproduct anzusehen ist, so auch diese abgeleitetefranzösische. Weg also mit der mißbräuchlichen Vorstellung als habe man es in derfranzösischen Wortlehre nur mit trümmerhastcn Formen, abgestorbenen, entwurzeltenoder gar rein conventicnellen Bildungen zu thun. Ferner: dieser Organismushat eine glückliche Entwicklung durchlaufen. Ursprünglich und mancheJahrhunderte hindurch war er zuvor nur in Gestalt einer vulgären Volkssprache vor-handen; aber erfüllt von dem im Volke lebenden Sprachgeist und sorgsam gepflegtvon den geistlichen wie höfischen Kulturträgern der Nation, hat sich die Sprache schonim 12. Jahrhundert zur Schriftsprache Nordfrankreichs emporgeschwungen und erschienbereits damals den Gebildeten Mitteleuropas monlt ciolitudls. Seit dieser Zeit hatsie sich ohne Rückfall und ohne Unterbrechung formell gefügiger und materiell reichergemacht, so daß heutzutage auch in dieser Sprache jedes Wortes Geschichte überschautund jedes Gedankens genaueste Fassung erzielt werden kann. So lasse man sich nunnicht bereden, das Französische sei, wenn auch kein corrumpirtes, so doch ein unvoll-kommenes und nicht aus dem Geist und Gemüth des Volkes geborenes Gebilde; manhöre auch nicht auf jene, welche viel davon zu sagen wissen, als habe diese Sprachefür allerlei logische Verhältnisse keinen adäquaten Ausdruck finden können, als besitzesie für viele deutsche Begriffe kein Wort und Teclinationen seien vollends gar nichtvorhanden; sondern man lasse sich von Diez, Hofmann, Fuchs, Mätzner u. a?auf demromanischen Gebiete das Richtige weisen wie über die Geschichte der französischenSprache im Großen und Ganzen, so der einzelnen Flexionsformcn und Sprach-materialien und der damit zusammenhängenden Begriffsentwicklung insbesondere; dannwird man in der französischen Wortforschung wie Sprachbehandlung allezeit auf demguten Wege bleiben.
b) Ter französische Unterricht erfülle aber auch seinen materialen Zweck;dies ist die andere Forderung. Er bringe den Schüler also dahin, daß er in Wahr-heit das Französische lerne, d. h. bis zu einem gewißen Grade fertig werde im Ver-ständnis wie im Gebrauch dieser Sprache. Sieht mau sich diese allgemeine Forderunggenauer an, so ist klar, daß sie in Bezug auf Kenntnisse und Fertigkeiten etwa folgendeeinzelne in sich schließt: der Schüler muß im Verlaufe des französischen Unterrichts,wie ihn die verschiedenen Species der Mittelschulen bis zum 14. oder 15. Jahre er-thcilen, lernen 1) französisch vorgesprochene oder vorgclesene kleinere Sätze richtig nach-sprcchen und verstehen; 2) französisch Geschriebenes von mittlerer Schwierigkeit lesen,vorlragen und übersetzen; und 3) aus seiner Muttersprache jede leichtere Prosa insFranzösische übertragen, so wie seine eigenen Gedanken in leidlicher Weise mündlich undschriftlich ausdrücken. Wenn nach diesen drei Seiten hin nur vom Können, nicht auchvom Wissen die Rede ist, so ist zu bemerken, daß hier nur das wahre Können gemeintwird, ein Können, welches das Wissen einerseits voraussetzt und andererseits vollendet,und demgemäß Kern und Krone alles rechten Lernens bildet. Aus dem Obigen folgtweiter: unser Schüler muß den französischen Sprachschatz dem Wesentlichsten nach,desgleichen die gebräuchliche Wortformlehre ins Gedächlnis bekommen und sicher hand-haben lernen, dazu die erforderliche Satzlehre richtig verstehen und anwcnden können.