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Französische Sprache.
aber der böse Geist der Oberflächlichkeit? Unbekümmert um rationelles Darlegen dersprachlichen Thatsacken, vollbrachte man im crsteren Falle mechanische Arbeit, sroh,wenn überhaupt etwas beigebracht wurde; ebenso wenig methodisch gerichtet, streifteman im andern mit leichtein Fluge, tastend, rathend, probircnd durch Grammatik wieLesebuch; aber beidemal empfand man keine Bangigkeit darüber, daß so am Ende desCursus weder ein gründliches Erlernen der Sprache noch ein Eindringen in einenAutor stattgefunden hatte, noch weniger quälte das böse Bewußtsein, daß durch solchesLehrverfahren das Fach überhaupt hcrabgewürdigt werde. — Doch zur Ehre der deutschenSchule sei cs gesagt, cs gab auch andere Praktiker, Lehrer, die mit ihren Schülernim Französischen schlicht und streng den altehrwürdigen Gang der lateinischen Gram-matik verfolgten, und ebenso auch noch manche hervorragende Philologen, wissenschaft-lich gebildete Schulmänner, welche ein lebhaftes Streben nach Selbständigkeit desDenkens und zugleich ein unermüdlicher Eifer für Verbesserung der Unterrichtsmethodein den neueren Sprachen erfüllte. Ihnen allen verdanken wir cs, daß neben dieserOberflächlichkeit und Ungründlichkeit hier und jener Geistlosigkeit und mechanischenUnterrichtsweise dort auch edlere Leistungen im neuipracklicken Unterricht sich zeigten,durch die, obschon vielfach noch ungenügend, doch das Ansehen desselben bei Freundund Feind gehoben wurde. Unter den Männern aber, deren ernsteste Bemühungeneiner richtigen Methode galten, verdienen die Analytiker zuerst hcrvorgehoben zuwerden. Ihre Principien und ihre Wirksamkeit sind großer Beachtung wcrth. Mittenin ein ganzes Lesestück, also in die volle Sprache hinein strebten sie schon die Anfängerzu stellen; aus den lebendigen Elementen der Sprache selbst, wie sie sich nach einanderim Texte darboten, sollten dieselben auf einmal die ganze Sprache lernen, Aussprechenund Lesen und Ucbersetzcn, Grammatik und Konversation, alles in allen:. Leider ent-sprach bei aller Begeisterung der Meister und der Jünger der analytischen Gruppe derSchulerfolg weder den Bestrebungen noch den Erwartungen. Er konnte unmöglichentsprechen, das wissen wir jetzt. Sie wandelten auf einem Wege, der sprachgcrcisteoder doch grammatisch durchgebildete, also wohlvorbereitete Leute wohl zu einem erkleck-lichen Ziele führen kann, nimmermehr aber Knaben, am wenigsten solche, die nichtvom Lateinischen her tüchtig in der Grammatik geschult waren. Für sie alle hattediese analytische Methode im-Französischen durchschnittlich unerquickliche Folgen: einverwirrendes Durcheinander von Kenntnissen, ein haltloses Wissen und ein unsicheresKönnen.
Nicht mindere Beachtung verdient die Gruppe der Genetiker. Ihnen erschiendie uralte elastische Gliederung der Wortlehre nach den zehn Redetheilen und die syn-thetische Behandlung derselben durchweg logisch schadhaft und praktisch geringen Werthes;daher zogen sie es vor, den Schüler sofort im Geist in die Syntax zu führen; indiese hinein aber verlegten sie mit großem Scharfsinn neben der Lehre von den Satz-sormen und Satzgliedern auch noch die Wort- und die Lautlehre, also die ganze Gram-matik der Sprache. Umsonst hielt man ihnen vor, daß so die doch ebenso wesentlicheWortlehre nie zu ihren: Rechte komme, daß es ihr zum Verderben werden müße, wennman sie in tausend Partikelchen zertrenne und über die ganze Satzlehre hin zerstreue:sie blieben bei ihrer an und für sich richtigen These, daß die volle Bedeutung irgendeiner Wertform nur erkannt werden könne, wenn man sie im lebendigen Satzzusammen-hänge sieht. Aber in ihrem Streben, über die unvollständige Erkenntnis, welche dieWortlehre den: Anfänger verschafft, hinauszukommen und sogleich die volle und ganzezu gewähren, welche allerdings erst aus dem Einblick in die mancherlei syntaktischenBeziehungen kommt, verwechselten sie eben den schulmäßigcn und den wissenschaftlichenStandpunct und daher waren auch die Erfolge, welche selbst die eifrigsten Genetikerin der Schule erzielten, nur sehr mäßige, ja es ist unanfechtbare Tharsache, daß diegroße Mehrzahl der Schüler, gleichviel ob Lateiner oder nicht, bei ihnen ihres Lernensnicht recht froh wurden; sie waren eben außer Standes, Wortlehre und Satzlehrezugleich gründlich zu erlernen.
So viel über die Praxis im damaligen französischen Schulunterricht. — Rcckmetman nun schließlich alle diese Factoren zusammen, nimmt man zu den unklaren Vor-stellungen über das Wesen des Fachs die unrichtigen Unterrichtsprincipien mit diesenoft so unzweckmäßigen Methoden, und zu all den: noch die vielen untauglichen Lehr-