Französische Sprache.
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kräfte, so kann man sich über die unbefriedigende Entwicklung unseres französischenUnterrichts nickt mehr verwundern. Daß derselbe unter solchen Umständen sein Wesenauch bei den Schülern und der feindlich gcgenüberstcbcnden Lchrerwclt nickt entfaltethat, ist selbstverständlich. Bei den Schülern nicht. Woher sollte ihnen auch Interesseund Liebe für das Fach kommen, wenn so geringe Resultate erzielt wurden? Bei derLchrerwclt nicht; sie sab zu wohl, daß diese französischen Stunden geistige Interessenweder weckten noch nährten und von einem Ruhen fürs spätere Leben hörte sie auchnickt viel Rühmens. — Doch halten wir uns nicht länger bei den Erfolgen auf. Daßnur diese, d. h. vorherrschend ungenügende erreicht wurden, hatte, wie schon bemerkt,allermeist in unserer lückenhaften Erkenntnis über das Was, Wozu und Wie desFaches seinen Grund. Aber im Hinblick auf die ganze Sachlage und den Sachvcr-lauf müßen wir doch nun mehr sagen: Hatte man früher, im ersten Drittel diesesJahrhunderts dem französischen Schulunterricht im allgemeinen nicht viel Credit ge-schenkt, weil er noch zu unbekannt und vereinzelt war, so traf ihn im zweiten, alsdem anfänglichen äußeren Aufschwünge nur eine unsichere innere Entwicklung folgte,allmählich an manchen Drtcn ein hemmendes oder gar lähmendes Mistrauen. —Wird sich dasselbe im gegenwärtigen dritten bald heben lassen? Wir sind desguter Zuversicht. Tie deutschen Schulmänner haben nicht umsonst nach hellerer didak-tischer Erkenntnis im fremdsprachlichen Unterricht gestrebt. Sic hegen die Hoffnungbesserer Zeiten gerade auf Grund der seitherigen Geschichte deS Faches. Fürs erstesind diese Kreuz- und S-ncrzügc der Methodik nicht vergeblich gewesen, diese Arbeitenmit dem analytischen oder dem genetischen Princip, dazu der Kampf gegen das syn-thetische Verfahren haben auf die gesunde Fortentwicklung in der Zukunft günstig ein-qcwirkt. Sie haben viel kräftige Bewegung ins Schullcben gebracht und diese wiederumeinen Läuternngsproceß in den Sprachnnterrichtsmcthoden zur Folge gehabt. Durchdiesen sind bis zur Stunde schon allerlei Schlacken ausgcschiedcn worden, z. B. dashandwerksmäßige Sprackmcisterthum, die Conversarionsgrammatik, der schädliche Aber-glauben vom leichten Erlernen des Französischen u. ä. Sodann ist aber aus der seit-herigen Entwicklung der große wesentliche Gewinn gezogen worden, daß eine der dreiso nackrhcilig empfundenen Lücken ausgebcssert und definitiv verschwunden ist; dennüberall in der deutschen Schulwclt haben die maßgebenden Stimmen nunmehr denschulmäßigen Charakter des französischen Unterrichts aufgestellt; nirgends, auchim Gymnasium nickt, soll sichs um eine Gelegenheit zu etlicher Fertigkeit im Fran-zösischen, sondern überall um einen wahrhaften Sprachunterricht handeln. Wir habenjetzt eine feste Erkcnntnisgrnndlage sowohl in Bezug auf das Wesen als auf denZweck des Französischen: vom Zeitbcdürfnis ist cs in unsere Gymnasien und Rcal-anstaltcn cingcführt worden, aber nur als wahrhaftes S ch u l f a ch, als allgemeinesWildlings mittel kann es darin bleiben. — Aber ist damit in der That ein Wesent-liches gewonnen? Ist durch diesen Spruch unserem Fache nicht eigentlich erst recht dieinnere Existenzfrage gestellt worden? So ist es in Wahrheit; und deshalb habenauch seit geraumer Zeit Schulwisscnfchaft und Schulpraxis, im Gefühle, daß von derLösung dieser Frage die ganze glücklichere Zukunft unseres Faches abhänge, cs sichangelegen sein lasstn, den verlangten Nachweis zu liefern. Sie haben sich dabei, umsicherer zu gehen, folgende zwei Fragen vorgclegt und beantwortet: Kann das Fran-zösische aus feinem eigensten Wesen die innere Tauglichkeit zu einem Bildungsfachenackwcisen und seine innere Berechtigung in unseren deutschen Schulen darthun? undwiederum: Kann man cs auch gcistbildend und geiftkräftigend lehren? Die Beant-wortung der ersten Frage kann nicht ungünstig Ausfallen; aber auch die zweite mußeine Bejahung finden. Denn darüber kann bei keinem Schulmann ein Zweifel sein,daß im Verneinungsfalle das Französische aus all unseren Schulen abziehen müßte,auch wenn die Sprache an sich noch um vieles geistvoller und interessanter wäre alssie schon ist und wenn sie vom späteren Leben noch viel entschiedener gefordert würdeals seither geschehen. Andererseits wiederum, wenn beide Antworten günstig lauten,ist der Beweis erbracht, daß das Fach in unfern Mittelschulen nicht bloß bleiben kann,sondern darin organisch eingefügt werden und ein ebenbürtiger Bildungs-bestand th eil derselben bleiben muß. Wenden wir uns nun zu der erstenFrage und betrachten