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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Lehrcr.

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felhafter muß cs deshalb sein, ob ein Jude innerhalb einer bestimmten Lcrngcmeinschaft,die weder von seiner Religion noch Nationalität ist, nm dieser Mängel in der Har-monie mit den Lernenden willen Lehrcr sein könne, wo es wesentlich auf das Vor-handensein einer vollen Harmonie ankommt. Die edelste Erweisung des National-sinns am Lehrcr zeigt sich in seiner Liebe zur Muttersprache, in der Treue gegenheimische Sitte, in der Wahrung vaterländischer Ehre und in der Freude an allem,was Großes und Schönes entstanden und erwachsen ist auf den verschiedenen Gebietenunseres geschichtlichen Lebens. Und die Natur? Der Lehrer hat sic nicht bloßzum Gegenstände seines Unterrichts zu machen, er soll als ein mit ihr Befreundetersich beweisen. Er selbst soll ein Mann von Naturwahrheit sein, ein Freund ihrerEinfalt in Wesen, Wort und Gehaben. Der Lehrer soll ein Freund der Natur sein,wie sie ihm im Leben seines Volkes, in den Formen der Pflanzen-, Thier- und Bodcn-gestalt seiner Umgebungen entgcgcntritt. Wir wissen wohl von manchen Stubenhockern,welche noch leidliche Lehrer sind, aber diejenige Stufe der Lchrerkraft, Lehrerreife unddes Lchrerreizes haben sie nicht, auf welcher sich die befinden, die zu andern Vorzügenauch das Zeichen tiefer Befreundung mit der Natur an sich tragen. Wer der Naturentfremdet ist oder wer gar in Naturwidrigkeit verfällt, verliert auch die Fähigkeit einLehrer zu sein. Man wird daher auch einen ehelos verbliebenen Lehrer, dem esdie Jahre und die Lage gestattet hätten, sich zu verhcirathen, im Lchramte immer un-gern sehen; der eheliche Stand schützt ihn nicht bloß vor Verirrungen, sondern gicbtihm in den meisten Fällen auch das bessere Verständnis der Natur derer, auf welcheer zu wirken hat. Der Lehrer ist eine'Lebensgestalt, welche in ihrem rechten Lichtesteht, wenn sie mit den natürlichen Verhältnissen, mit denen sie sich nothwcndig berührt,in angemessener Harmonie ist. Ein Herabsinken in Bauermäßigkcit würde an eineinLehrer z. B. auf dem Lande nicht eine Assimilirung mit der Natur sein, sondern einHerausfallcn aus seinem Stande, ein Herabsinken von der Höhe, ans welche ihn seinBeruf stellt. Dagegen ist der einfache Landlehrer, welcher es versteht, der gebildetsteunter den Landlcutcn zu sein, darum noch lange nicht der erste Bauer. Diestcrwcghat einmal vom Volks- oder Elemcntarschullehrer, namentlich von dem auf dem Lande,gefordert, er möge der Naturforscher seines Ortes und seiner Umgegend sein undist darüber von Stahl verhöhnt worden: er habe aus jedem Dorfschulmcistcr einenHumboldt machen wollen. Aber was Diesterweg wirklich wollte, ist etwas ganz wich-tiges und ein Mittel, jeden Lehrer in Kenntnis und in Konformität mit seinen Um-gebungen zu erhalten. Man ist erst dann im Stande von der Wahrheit einer- Sachelehrmäßig zu zeugen, wenn man mit den besten Wurzeln seiner Kraft sich in die Be-dingungen vertieft, die einem Lchrgcgcnstande von' Seiten der Natur geworden sind.

So gestaltet sich Stufe für Stufe, Zug um Zug das Bild von einem Lehrer.Lassen wir ihn in Action treten! Den Elementarlchrer erwartet die Lieblichkeit dergestimmten Kinderwclt entweder aus der Stadt oder vom Land, den Lehrer der gelehrtenMittelschule die edelste Kraft ans den regsamen Knabcnschaarcn, den Wissenschaftslehrerdie Jugend in der schönsten Blüte des Geistes und in Frische der Gesundheit; denSeminarlchrer alle Stufen, vom Kinde bis zum Jüngling, auf einmal. Jede dieserLebcnsstufen erwartet vom Lehrcr die Befriedigung eines ihm entgegcngcbrachten Ver-langens durch die Zuleitung bestimmter Kenntnisse und Aneignung bestimmter Fertig-keiten. Wo giebt cs ein Wirken, das schönere Aufgaben stellte und edlere Erfahrungenmachen ließe? Es kommt nur auf die richtige Action an!

Das leitet auf die Mittel und Formen, welche dem Lehrer in Bereitschaft seinmüßcn. Zuvörderst von den Mitteln. Wer Lehrcr sein will, muß haben irgend einFach, eine Wissenschaft, eine Kunst, deren Kenntnis er andern anzubieten ein Rechthat. Wer nichts weiß, kann nichts lehren. Ans nichts wird auch beiin Lehrer nichts.Was Palmer (Evang. Pädagogik, 3. Ausl. S. 329) vom Besitz der Wahrheit sagt,gehört hieher.*)

') Das ist gewiß wohlvercinbar mit jener Bescheidenheit, die sich nicht vermißt, alles zuwissen; vielmehr kann es zuweilen gar wohl am Platze sein, daß der Lehrer auch sein Nicht,wissen anerkennt?