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Lehrer.
Hiezu kommt als ein weiteres das Wort; wir meinen den Besitz der Sprache,die Gabe der Rede. Der Elementarlchrer, von dessen Berufe die Unterweisung inschriftmäßigem Sprechen ein Hauptbestandteil ist, muß selbst die Gabe der freien Redein schriftmäßiger Richtigkeit haben und sie auch in solchen Umgebungen zu behauptenbeflissen sein, welche ihn mit oder ohne Absicht davon abbringen wollen. So weit ersolche Rede bewahrt, wird man ihn für gebildet erachten können. „Hast du doch nichts,womit du schöpfest!" mäßen wir jedem Elementarlchrer Vorhalten, der Unterricht cr-theilen wollte, ohne im erforderlichen Besitze deutscher Sprache zu sein. In der Sprachevollzieht sich der Act des Lchrcns. In dem Austausch der Rede geht der Proceßgeistigen Gebens und Nehmens vor sich. Ein Lehrer ohne die Gabe des Wortes in seinemBeruf ist eine unberechtigte Vorstellung. In der Richtigkeit, Klarheit, Frische, Wahr-heit und Bcmcsscnheit liegt alles, liegt die Gewalt, der Reiz, die ganze Seele undPersönlichkeit des Lehrers. Mit dem Worte ist er alles, so daß er den Mangel vonKenntnissen oft schon durch das Wort zu decken vermocht hat; ohne das Wort ist ernichts. Was kann alle Weisheit helfen, wenn sie nicht in angemessener Weise aufden Markt vor die Käufer gebracht wird; was kann selbst ein noch so wohlgewähltcrLehrapparat schaffen, wenn er nicht durch -das lebendige Wort seine Erklärung undAnwendung findet? Den Apparat wird in Ausübung seiner Thätigkeit der Lehrerallerdings nöthig haben. Indes ist hier ein Unterschied unter den Lehrenden warzu-nehmen. Mancher Lehrer meint des äußeren Heergcräthes viel zum Lehren nöthig zuhaben; mancher dagegen läßt sich an wenigem genügen, selbst wenn vieles zur Ver-fügung steht. Wir halten dafür, daß auf allen Stufen der Lehrerthätigkeit derjenigeder größere Künstler ist, der von äußerlicher Zuthat so wenig als möglich für dieWirkung seines Lchrens erforderlich erachtet. Doch ist ein Apparat von gehörigerEinrichtung für den Lehrer immerhin ein wichtiges Mittel, das Lehren zu erleichtern,abzukürzen und in seiner Wirksamkeit zu unterstützen.
Und nun von den Formen, in welchen er diese Mittel in lehrhafte Anwendungversetzt. Gilt es' Erkenntnisse in andern zu vermitteln, so nimmt die Thätigkeitdes Lehrens die Form des Unterrichts im eigentlichsten Lünne an. Solches wirdans den bekannten Wegen des zusammenhängenden Vortrages oder in: nntcrredungs-mäßigcn Gange stattfinden können. Wenn schon hauptsächlich auf den Stufen deshöheren Unterrichts der akroamatische Vortrag in Anwendung gebracht wird, so mußdoch auch ein Elementarlchrer in Gestalt von Erzählung oder Beschreibung durch zu-sammenhängenden Vortrag unterrichten. Gilt es ein erlangtes Wissen ins Könnenerheben zu lassen, so wird Seitens des Lehrers ein Vorbild en, seitens des Schülersein Nachbilden und Uebcn nöthig, das vom Lehrer angeregt, geleitet und überwachtwerden muß. Erscheint in der unterrichtenden Thätigkeit der Lehrer vorwiegend inAction, so Witt er beim kleben zur Seite, um dem Schüler Raum zu lassen für dieErweisung der erlangten Erkenntnis oder Geschicklichkeit. Aus diesem Grunde mag cssich erklären, daß belebte Lehrer oft wenig an Uebcn denken, dagegen nnproductive vomkleben nicht abkommen. Aber es ist auch für jenes beides ein Maß, wie für beideseine Fülle mannigfaltiger Formen vorhanden, welche Kunst und Uebcrlegung erdachthaben und unter denen einem bestimmten Zwecke gemäß gewählt werden muß. Uebrigensfehlt noch viel, daß das reiche Feld des ktebens zu einer so sichern Erkenntnis undAnwendung gediehen wäre wie das Unterrichten. Es verdient diese Weite künstlerischcrLchrthätigkeit in mehr Uebcrlegung und Erforschung genommen zu werden.
Den Lehrer von Beruf im öffentlichen Dienste erachten wir mit ausgenommenunter die ausdrücklichen Factoren, denen das Werk der Erziehung an dem nacki-wachsenden Geschlcchtc obliegt. Es ist müßig, zu fragen, ob der Unterricht erzieh-lich zu sein habe: jedes auf den andern gerichtete sittliche Handeln, welches die Ab-sicht hat, ihn an irgend einer Seite des geistigen Lebens durch ernste Betätigung zufördern, ist ohne weiteres erziehend. Wer nun in so ernstem Absehen auf Minder-geförderte wirkt, wie ein Lehrer, ist durch die Kräfte seines Geistes, welche er auf sicin Anwendung bringt, wie durch den Gedankeninhalt, den er anbietct, und durch dieFormen, innerhalb deren er alles Handeln der Schüler veranlaßt und erhält, in un-mittelbarster Weise Erzieher. — Es ist wahr, das Erziehen muß eine Thätigkeit sein,welche in einer gewitzen Dauer und Ununterbrochenheit statt hat; das Lehren aber