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1 (1877) A - Liebe
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Lehrer.

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Geschichtsverlaufe bildet sich mit steigender Deutlichkeit eine Verschiedenheit unter denLehrern theils nach den Gegenständen, deren Behandlung sie zur Aufgabe ihres Berufeshaben, theils nach den Kreisen der Lernenden, welchen sie Bildung zuzuführcn haben.Dabei ist es als hätten die Lehrer der elementaren und vermittelnden Zwischenstufen,die auch bei den allerersten Lehranfängen nicht haben fehlen können, in den Augen derBeobachter und Berichterstatter noch nicht so viel Bedeutung gehabt, um sie als Lehrerzu unterscheiden und hervorzuheben. Das Lehrerthum, wie es sich in den ältestengeschichtlichen Aufzeichnungen bemerklich macht, ist ein Lehrerthum bei den Erwachsenen;es dient der Aristokratie und schafft eine Aristokratie des Geistes. Die großen Lehrerunter den Griechen und Römern theilen ihre Gedanken nur einer Auswahl von ans- ,gezeichneten Schülern mit. Im Mittelalter traten allmählich die Sprachen desAlterthums als solche Gegenstände auf, welche es auf dem Wege des Unterrichtes zuerwerben galt, da man sie nicht mehr auf dem des Lebens unmittelbar gewinnenkonnte und sie den Einsichtigen doch als die Anfänge und Träger aller gediegenenBildung erscheinen mußten. Wenn die Wege, welche die Lehrer in den Stifts- undandern 'schulen einschlugen, auch keine so deutlich erkannten und festgeordneten waren,wie in unseren Gymnasien, so war doch das Bedürfnis solcher höheren Bildung er-kannt und die Lehrer erhielten die Aufgabe, dasselbe zu befriedigen. Die mit derReformation angeregte Beeiferung um Erlangung und Verbreitung voist höherer Bildungwirkte weiter. Für die gymnasialen Schulen mußten Lehrer humanistischer Artgebildet werden. Erasmus und Rcuchlin, Melanchthon und Camerarius sind ihreVäter und Pfleger. Der Elementarlehrer theils als Vorbildner für die höherführenden Schulen der letztem Art, theils als Ausbildner eines großen Theiles dermännlichen und weiblichen Jugend, welche höhere Schulen zu besuchen nicht beabsichtigt,ist in seiner Besonderheit das Erzeugnis der neueren Zeit. Was ehedem in gewißemSinn Kirchschullehrer war oder hieß, ist jetzt Volksschullehrer. Je mehr dieunteren Schichten der Bevölkerungen nach Unterricht verlangen, desto mehr bedürfensie der Lehrer. Der sogenannte Elementar- oder Volksschullehrer ist recht eigentlichder Lehrer des gemeinen Mannes. Er ist durch seine Beziehungen, man darf gegendiese Thatsache sich nicht verschließen, zu demokratischen Sympathien vielfach eingeladen.So ergeben sich als Lehrer von gewißen Bildungsstufen, welche, wenn schon zu einandergehörig, doch deutlich auseinandertretcn, die akademischen, die humanistischen, dieelementaren Lehrer.

Unter diesen hat der Elementarlehrer für seinen Betrieb eine Erkenntnissubstanz,welche so verdünnter, abstracter, fast subtiler Art ist, daß in ihr die bildende Kraftnur in formaler Richtung scheint zur Geltung gebracht werden zu können. Wenn ernicht durch eine religiöse Gediegenheit ersetzt, was ihm seiner Lehrgegenstände Betriebversagt, so ist er übel daran; denn seine didaktische Bedeutung könnte nur in der Artund Weise gesucht werden, wie er die elementaren Dinge seines Bereiches behandelt,d. i. in der Methode. Für diese Art der Unterweisung muß die Behandlung somechanisirt und abgestuft sein, daß eben in der Beobachtung der vorgeschriebcnenForm die bildende Kraft des Unterrichts angenommen erscheint. Alle Arten vonLehrern werden nur cbendadurch zu Künstlern im Lehren, daß jede ihr specifischesMerkmal mit originaler Kraft in jedem bestimmten Falle, welchen ihr Handeln herbei-sührt, zur Geltung zu bringen vermag, der Elementarlehrer also dadurch, daß er dieCorrecthcit der Form, in welcher der Unterricht von ihm gehandhabt wird, zur Haupt-bedeutung an der Bildung der Lernenden werden läßt, dagegen die Sache in derFülle aller ihrer Momente, sowie die Person in ihres Wesens Eigentümlichkeitzurückbehält.

Wie deutlich in der Hauptsache sich die Lehrerschichten von einander zu sondernund zu lösen scheinen, so bleiben in der Wirklichkeit des Lebens die Grenzen dennochin eben dem Grade in Berührung und Zusammenhang, als der Lehrer der einzelnenStufe eben ein Künstler ist. Dem Elementarlehrer wird es in seiner Sphäre bis-weilen nicht fehlen können an Bildnngsaufgaben, bei deren Lösung er bis in diehumanistischen Kreise zu treten hat; dem humanistischen nicht an Aufgaben, durch welcheer in die Sphäre der elementarischen Lehrer geführt wird. Was anders als Elemen-taria fordert ein Sextaner und Quintaner in sprachlichen und sachlichen Dingen und