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Lehrcurse.
Lehren und Lernen.
gcwißen Zeiten und für einzelne Tistricte oder auch nur für gewiße Classen von Lehrerngehalten werden; sodann dadurch, daß sie nicht bloß auf 3—4 Zusammenkünfte desJahrs sich beschränken, sondern einen größeren Zeitraum hindurch, sei cs mehrere Wochenim Zusammenhang, oder den ganzen Sommer hindurch wöchentlich ein- bis zweimalden Lehrer in Anspruch nehmen. Auch werden keine über zuvor aufgcgebenc ThemenauSgcarbeitcten Aufsätze besprochen, wie in den Conferenzen.
Auf den Grund des Schulgesetzes von 1836 sind in Württemberg besonders inden Jahren 1845—48 in verschiedenen Bezirken Lehrcurse 15—20 Wochen lang wöchent-lich einmal an Nachmittagen in zusammenhängenden Lehrvorträgcn gehalten worden undhaben sich den Dank vieler Lehrer erworben. In neuerer Zeit jedoch haben dieselbenmehr die Ausbildung der Lehrer in einzelnen Fächern zum Zweck gehabt, wie im Zeich-nen, im Turnen, ine Orgelspiel, in einzelnen Zweigen der Naturwissenschaften; die teil-nehmenden Lehrer wurden auf mehrere Wochen oder Monate einberufen, erhielten Ent-schädigung für die Kosten der Reise nnd des Aufenthalts am Orte des Cursus undlegten zum Schlüsse Proben des Erreichten ab.
Eine andere Gestalt nahmen die Lehrcurse in andern Ländern an. In Preußenverfügte das Minist, d. G. und U. A. durch Circularrescript vom 1. Juni 1826 und24. März 1827: Es sollen, damit auch auf die bereits angestellten Schullehrer,welche entweder überall der Nachhülfe bedürfen, oder in ihrer Bildung und Amts-geschicklichkcit nicht fortschritten, vielleicht gar zurückgiengen, der wohlthätige Einfluß desSeminars sich verbreiten möge, solche Schullehrer auf längere oder kürzere Zeit, jenachdem cs für sie nothwendig, in das Hauptseminar einb erufcn werden. Nachzuvcrläßigen Mittheilungen ist jedoch diese Anordnung zwar nicht amtlich aufgehoben,aber thatsächlich seit mehr als 30 Jahren cingeschlafcn. Die Erfolge entsprachen denErwartungen nicht, weil der Unterricht den Bedürfnissen der einzelnen sehr ungleich-artig vorbereiteten Lehrer nicht entsprechend angcpaßt werden konnte; den Seminar-lehrcrn erwuchs daraus eine für die Dauer allzuschwere Last, da Unterricht und Auf-sicht bei den Seminaristen fortgicng; der Verkehr der einbcrufcncn Lehrer mit denSeminaristen erwies sich als nicht vortheilhaft; der Kostenpunct bildete eine großeSchwierigkeit; alle, welche einberufen werden sollten, sträubten sich gegen das schlimmeZeugnis, das ihnen damit ausgestellt wurde. Die bessere Seminarbildung, die Be-mühungen der Aufsichtsbehörden auf den verschiedenen Stufen für die Fortbildung derLehrer und das ihnen entgegenkommende Streben der Lehrer selbst haben jene Einrich-tung übcrflüßig gemacht.
Anderwärts, wie im Canton Zürich, wird für die praktische Fortbildung der Lehrerdurch Besuch von Muster sch ulen gesorgt.
In Oesterreich wird bei Mängeln, die nicht so leicht und auf der Stelle zuverbessern sind, der Schullehrer nach Erfordernis auf 1 bis 3 Wochen an einen be-nachbarten guten Schullehrer angewiesen, um sich dort in den nöthigen Stücken unter-richten zu lassen und das hierüber erhaltene Zeugnis den Districtsaufschcrn einzusenden.
Lehrcurse, wie sie unser Art. meint, werden zwar für schwächere Lehrer und fürtechnische Fächer allezeit ein Bedürfnis bleiben; doch wird ihre periodische Anordnungim großen hauptsächlich nur dann angczeigt sein, wenn die Pädagogik zu einer neuenStufe sich erhoben hat, wie einst durch Pestalozzi, und wenn es gilt, gciviße Errungen-schaften und erprobte Grundsätze der Methodik zu einem Gemeingut der Lehrer zumachen. Und dann sollte die Haltung solcher Lehrcurse mir Männern anvertraut wer-den, welche im sicheren Besitze jener Errungenschaften nach Theorie und Praxis stehen.
Lehren und Lernen. Was das Lehren sei, und wie gelehrt werden soll, wirdzunächst aus dem Wesen und der Art des Lernens zu erkennen sein. Wir pflegen aberdas Aneigncn sowohl geistiger als körperlicher Fertigkeiten und das Aufnchmcn desWissens im Verstände wie im Gedächtnisse, ja auch das Annchmeu gewißcr Richtungendes Gemüthes Lernen zu nennen. Die Aneignung etwa einer Unart oder eines Hand-werks oder des Lesens und Schreibens geschieht durch Nachahmung und wird vollzogendurch die Gewöhnung, so daß wir, wenn alles Lernen von derselben Art wäre, dasLernen als ein Aneignen durch Gewöhnung dcfinircn müßten. Das Lernen einerSprache aber ist nicht eine Gewöhnung, wenn es gleich der Gewöhnung allerdingsbedürftig ist; denn hier führt die Nachahmung nicht zur Aneignung, da dem, der durch