Lateinische Sprache.
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hat; sie eignen sich besonders znm Einüben erörterter Regeln und gewöhnen an rasch«;Wahl der lateinischen Ausdrücke, können aber auch zur Oberflächlichkeit verleiten. Eineandere passende Ucbung bildet auf dieser wie auf der folgcudcn Stufe die mündlicheRückübersetzung (Retroversion) geeigneter Stellen des lateinischen Schriftstellers, dieman dem Schüler deutsch vorspricht — mit wechselndem Ausdruck, damit nicht dasGedächtnis zu vorwiegend, das Urtheil zu wenig beschäftigt werde; sie kann nament-lich die Geläufigkeit der lateinischen Darstellung erhöhen helfen. Das Wichtigste aberbleibt immer, daß dem schriftlichen Componiren das mündliche voran und zur Seitegehe als unersetzliche Hodcgetik für den Schüler, bei welcher der Lehrer sich alsMeister bewähren kann und soll. Beim Componiren hauptsächlich kommt die Ver-schiedenheit der lateinischen und deutschen Satzconstruction und Wortstellung zu klaremBewußtsein und für die Kenntnis der lateinischen und deutschen Synonymik wird schonauf dieser Stufe gelegentlich manches gewonnen.
Von nun an aber beschreiten wir ein Gebiet, das wir nicht mehr sicher umschreibenkönnen, weil seine Grenzen allzu sehr durch die Eigenthümlichkeit der Anstalt, inwelcher dieser Unterricht ertheilt werden soll, bedingt sind. Wir lassen uns hier nichtauf das Gymnasium und die demselben ähnlichen Anstalten ein, weil das Lateinischefür solche Schulen in der pädagogischen Encyklopädie zu behandeln ist. Wir sprechenvom Latein in Stadtschulen, Bürgerschulen, Seminaren, sofern in diesen Latein ge-trieben wird; allein wie groß ist die Verschiedenheit derselben in Bezug auf durch-schnittliches Anfangsjahr, auf Dauer des Unterrichts, auf wöchentliche Stundenzahl!Ein gereifter, durch anderweitige Unterrichtsgegenstände wohlgcschultcr Geist faßt natür-lich schneller, als ein noch unentwickelter, der fechszehnjährigc Halbjüngling leichter alsder zehnjährige Knabe. DaS Höchste, was wir unter den gegebenen Verhältnissen,soweit sie uns bekannt sind, erstreben können, ist die Reife eines Tertianers. Nehmenwir aber unsere Aufgabe in diesem Umfang, so erwächst den Schülern mit dem, washier noch zu leisten ist, eine Aufgabe von ziemlichem Belang. Ihre grammatischenKenntnisse bedürfen allerdings keine bedeutende Erweiterung mehr, wohl aber dieLectüre und die Schreibübung.
Von den römischen Schriftstellern steht nun Onosnr äo dollo AnUieo am nächsten.Die Erzählung einer wichtigen Periode der römischen Geschichte in meisterhafter Ein-fachheit und Klarheit ist für die deutschen Schüler um so anziehender, da sic zugleicheine«: der frühesten Zusammenstöße der Römer mit unfern Vorfahren und die Sittender letzteren beschreibt. Cäsar hatte freilich bei Abfassung der Schrift seine, politischenZwecke, welche der kritische Historiker zu beachten hat, aber andrerseits wird der deutscheJüngling unter der Führung eines tüchtigen und wohlgesinnten Lehrers leicht erkennen,wie er von seinen: Standpunctc aus das Verfahren des wclterobcrndcn Volkes unddie Handlungsweise seines gepriesenen Feldherrn zu bcurthcilen hat. Die vollendeteKnnst der Darstellung aber und die mustergültige Sprache ist dem jungen Leser fürdas Studium des Lateinischen wie für deutsche Stilbilduug von entschiedenen: Wertste.
Wird es sich aber schon bei Cäsar empfehlen, eklektisch zu Werke zu gehen undmit Auslassung minder wichtiger Partien: die stofflich interessantesten Stücke auszu-wählen, so wird dieses Verfahren noch mehr zu ratheu sein bei demjenigen Schnft-steller, welcher nach Cäsar an die Reihe kommen kann, bei Livius. Es giebt ver-schiedene sogenannte livianische Chrestomathien:, welche diesem Zwecke dienen können;wir würden eine Darstellung der Hauptbcgcbenhcitcn des zweiten panischen Krieges, wiesie schon da und dort in Chrestomathiecn gegeben wurde, vorzugsweise passend finden,weil dabei ein Haupthcld in die Mitte tritt, der das Interesse der Lernenden auf sichconcentrirt, Hannibal, oder auch je nach der getroffenen Auswahl die beiden Haupt-Helden, Hannibal und Scipio. Diejenigen Chrestomathiecn, deren Verfasser aufVollendung der Sprache den größeren Werth legen und das stoffliche Interesse da-gegen zurücktrctcn lassen, beschränken sich auf Stücke aus Cicero, noch andere — unddas war vorzugsweise in früheren Zeiten der Fall — wählten ans den verschiedenenPerioden der römischen Literatur Stücke, welche durch ihren Inhalt und ihre Sprachefür die Jugend anziehend zu sein schienen. Gute Sammlungen dieser Art lassen dieSchüler denn doch manche Blicke in das antike Leben thun, das in seiner natürlichenEinfachheit für die Jugend verständlicher, durchsichtiger ist, als das moderne mit seinen