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Lateinische Sprache.
eigenem Vermögen zu lösen, so kann ihm das zu heilsamer Selbsterkenntnis dienen;nur sei der Lehrer in solchem Falle in der Bcurtheilung ungenügender Leistungen billig.Kommt es alsdann in der Schule zur Behandlung des vorbereiteten Lesestücks, so sollzuerst ein vom Lehrer aufgcrnfener Schiller einen Satz desselben laut, mit Bedacht,sinngemäß lesen und nachher so gut er kann ins Deutsche übersetzen. Bei ganz leichtenPartiecn kann das Verlesen des lateinischen Textes auch unterbleiben. Die Uebcr-setzung mag im Anfang, bis. der Schüler mehr Hebung hat, genau wörtlich sein, abersie soll es nicht bleiben. Damit nicht zuviel Zeit verloren geht, mag dem Anfängerüber eigentliche Schwierigkeiten hinwcggeholfcn werden; bald aber soll er den angc-sangenen Sah ohne Unterbrechung bis ans Ende übersetzen, auch wenn er sich währenddessen der Mängel seiner Leistung wohl bewußt wird; eben dieses Bewußtsein und diezuhörendcn Mitschüler werden ihm ^zum Antrieb, es mit seiner Präparation immergenauer zu nehmen. Ist der Satz bis zu Ende übersetzt, so werde er, sofern diesnoch als erforderlich scheint, in sprachlicher und sachlicher Beziehung besprochen. Eskann von dem Schüler falsch constrnirt, es können einzelne Ausdrücke misverstandcn,es können tm Deutschen falsche Uebersetzungen gewählt sein. Das alles muß berichtigtwerden, und zwar zuerst dasjenige, durch dessen Berichtigung am ehesten auf dasübrige das rechte Licht fällt, oder auch, je nach Umständen, dasjenige, dessen Berichtigungdem Schüler oder seinen mitaufgcrufencn Mitschülern am leichtesten gelingt. Je nachder cigenthümlichcn Beschaffenheit der Stelle kann es rathsam sein, besondere Schwierig-keiten, die im Inhalt oder Ausdruck liegen, vor der Ucbersetznng des Satzes zubesprechen und möglichst unter Mitwirkung der Schüler aus den: Wege zu räumen.Dagegen möchten wir cs nur ausnahmsweise rathsam finden, eine solche Erleichterungschon vor der Präparation, in der vorhergehenden Stunde zu geben; das eigene Nach-denken soll dem Schüler nicht erspart werden. Dann aber soll der Lehrer seine Ueber-sctzung, die er bei seiner eigenen Vorbereitung in möglichst musterhafter Form festgcstellthat, in fließender Rede den Schülern vortragen und von einem oder mehreren wieder-holen lassen; wenn er schwankt und sich ginmer wieder selbst corrigirt, so steht ereiner klaren und bestimmten Auffassung von Seiten der Schüler selbst im Wege. So-lange es sich um die Uebersctzung des Schülers handelt, kann der Lehrer weitherzigsein und auch minder genaue deutsche Ausdrücke vorläufig zulasseu; gilt es aber dieUebersctzung des Lehrers zu wiederholen, so sei er streng und halte auf genaue Wieder-gabe seiner Worte, denn hiezu gehört dann nur Aufmerksamkeit und pünctliche Ein-prägung ins Gedächtnis. Aber auf eine gut deutsche Uebersctzung werde schließlichmit aller Entschiedenheit gehalten, damit die Eigentümlichkeiten der beiden Sprachendurch die Nebencinandcrstcllung um so deutlicher ins Auge fallen und das Gefühl fürdie Muttersprache ja keinen Schaden nehme. Eine geschmackvolle Uebersctzung, dieKrone der Lchrcrlcistung, ersetzt zuweilen sogar eine mangelhafte Sacherklärung. ZuAnfang der folgenden Stunde werde das, was in der vorhergehenden vorgekommcnist, mündlich wiederholt; nach Vollendung eines größeren Abschnitts werde dieser nocheinmal rasch durchübcrsetzt. Für die Sacherklärung gewinnen die Schüler am meistendadurch, wenn sie ungehalten werden, eine ganze Erzählung, den Gcdankcngang einerGruppe von Sätzen zu wiederholen und sich so über das Verständnis des Zusammen-hangs auszuwciscn; doch hüte man sich, viel Zeit aus solche Ucbersichten zu verwenden;der rasche Fortschritt im Schriftsteller ist wichtiger. Auf der höheren Stufe bildetdie Hinzunahme der Geographie, die auch bei Ncpos notwendig werden kann, einenwichtigen Theil der Sacherklärung und bei historischen Darstellungen ist in der Regelzu verlangen, daß der Schüler die Karte neben sich liegen habe.
Tic Lesung des lateinischen Schriftstellers, die Exposition, muß fort und fortvon der Uebersctzung ins Lateinische, der Schrcibübung, Composition, begleitet werden,damit die Sicherheit der sprachlichen Einsicht nicht verloren gehe und die in dieser Uebnngliegende Gelegenheit zur Schärfung des Urtheils und Bereicherung der sprachlichenErkenntnis benützt werde. Exposition und Composition müßen sich gegenseitig unter-stützen, die crstere ist die leichtere, die zweite die schwerere Uebung, aber keine vonbeiden genügt ohne die andere. Eine empfehlenswerte Modification des Componirensfind die sogenannten Extemporalien oder Exceptionen, bei denen der Schüler den vomLehrer vorgcsprochencn deutschen Satz sogleich (ex tempore) lateinisch nicdcrzuschreiben