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Lateinische Sprache.
Die Sähe können nunmehr auch durch attributive Genitive erweitert werden und,wenn man passende Verba lernen läßt, durch Accusativc und Dative. Hicmit trittaber, wenn man nicht schon bei den einfachsten, aus Subject und intransitivem Verbumbestehenden Sätzen damit hat beginnen wollen, die Nothwendigkeit ein, auf die Gliede-rung des Satzes aufmerksam zu machen, Subject, Prädicat, Object, Dativobject,adjcctivisches, genetivisches Attribut, Adverbiale unterscheiden zu lehren, was mangewöhnlich construiren nennt, und so die oben angedeutetcn Fäden gleich von Anfangan in einander zu schlingen. Es ist unverkennbar, daß diese Dinge dem Anfängerschwer werden: sie sind abstracter Natur und werden ihm erst allmählich begreiflichund geläufig, wenn er die Benennungen auf eine große Menge von Beispielen an-gewendet gesehen hat; aber es ist von großem Werth, daß der Lehrer in diesem Puncteunermüdet und unerbittlich ist, im Anfang und lange Zeit bei allen Sätzen daraufbesteht, daß diese Bestimmungen bei jedem Worte angegeben werden, und auch späterimmer wieder darauf zurückkommt. Denn gerade hiemit macht er dcu Anfang zueinem wichtigen Geschäfte der Schule, das sie auf allen Stufen zu treibeu hat, zurEinführung der Schüler in diejenige Art von Logik, welche auch den Knaben zugäng-lich mid für ihre Bildung ungemein fruchtbar ist, in die Ucbung der in der Gram-matik zur Ausprägung gekommenen Denkgesetze, in die Grammatik als verkörperteLogik. Und das Mittel hiezu ist das allereinfachste — es besteht in den altherkömm-lichen, unscheinbaren Frageni was thut ein Ding (Prädicat)? wer oder wasthut etwas (Subject)? wen sieht jemand (Object)? wem giebt er etwas (Dativ-object)? wessen . . . . thut cs (Genetivisches Attribut)? was für ein . . . thutcs (Adjcctivisches Attribut)? wo, wann, warum, womit ec. thut er es (Adv.des Orts, der Zeit, des Grundes, des Mittels re.)? Kann der Schüler diese Fragenbei einem Satze richtig stellen und beantworten, so versteht er damit den Sinn desSatzes und das Verhältnis der einzelnen Glieder zum Ganzen, und ist nun zugleichin den Stand gesetzt, richtig zu erkennen, welche Form, welchen Casus, welches GenuS,welchen Numerus er zu wählen hat, also jedes Wort richtig zu übersetzen. Ist derSchüler einmal gewöhnt, jeden Satz in dieser Weise scharf anzusehen und genau zuanalysiren, wozu bald ein rascher Blick genügt, so ist damit ein solides Fundamentgelegt, auf dein sich ein Bau klarer, zusammenhängender Gedanken aufführen läßt.Der Schüler lernt so einerseits denken und den Sinn des Gedachten klar auffassen,andererseits eine immer vollständigere Herrschaft über die eigene wie über die fremdeSprache gewinnen und sich durch die Abweichungen der einen von der andern, nament-lich in der Wortstellung nicht beirren lassen (weshalb die Inversion besonders zu übenist). Wir bezeichnen daher diese Uebung gewiß mit Recht als den eigentlichen Angel-punct für die in der Erlernung fremder Sprachen, insbesondere des Lateinischen, ent-haltene Gcistesgymnastik. Immerhin sind übrigens in dieser Beziehung die Altersstufenzu unterscheiden: sind die Schüler jüngere Knaben, so beschränkt sich der Lehrer fürden Anfang und für längere Zeit auf die oben genannten Fragen, ohne außer Sub-ject und Prädicat die übrigen Benennungen der Satzglieder anzuwenden; hat esaber der Lehrer mit etwas reiferen Schülern zu thun, so übt er gleich vou Anfang andie abstracten Benennungen alle ein.
Es liegt schon in dein Bisherigen, daß init der Erlernung der Declinationsformenauch außer der gewöhnlichen Reihenfolge der Casus kein: Anfang des lateinischenElementarunterrichts nur erst ein kleiner Theil der Arbeit gethan ist, daß insbesonderedie mannigfaltigste Uebung in der Verwendung der Declinationsformen zu Sätzendazu kommen muß, und hierin hauptsächlich zeigt sich das Geschick und die Treue desLehrers. Vor allein muß ein gutes Elcmentarbuch eingeführt sein, das nicht nur dieFormenlehre in zweckmäßig gewählten und klar, mit Unterscheidung von Stamm undEndung gedruckten Beispielen enthält, sondern auch 1) unter diesen Paradigmen einengenügenden Vorrath von weiteren zur Uebung dienlichen Wörtern (Substantiven,Adjectiven re.), 2) getrennt davon eine hinreichende Anzahl von zweckmäßigen, stufen-weise fortschreitenden Uebungssätzen, sowohl lateinischen als deutschen, darbietct. Diedeutsche Lehrerwelt hat solche Bücher in reicher Fülle geschaffen, so daß uns eine ziem-liche Auswahl davon zu Gebot steht. Jede Provinz pflegt ihre Lieblingsbücher zuhaben. In Schwaben gebrauchen seit mehreren Jahrzehnten viele Schulen die lateinische